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Prager Straße in Dresden : Der Umbau ist fertig, der Mythos ist tot

  • -Aktualisiert am

Eine Premiumgeschäftslage wird zur städtischen Billigware: Blick auf das „Prager Carree“ am westlichen Eingang zur Prager Straße. Bild: ddp Images

Hier entsteht kein neues Leben unter der Sandsteintapete: Nach dem Umbau steht die sächsische Landeshauptstadt vor einem städtebaulichen Desaster.

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          Gibt es einen unzerstörbaren Genius loci? Hier jedenfalls nicht, wird der Besucher spontan urteilen, der Dresden vor den Kriegszerstörungen noch erlebt und im Gedächtnis bewahrt hat und heute in die Stadt kommt. Den Bahnhof, immerhin, wird er wiedererkennen. Die einst durch Dampflokomotiven rußgeschwärzte, immer dämmrige Riesenhalle, eine der eisernen „Kathedralen des Verkehrs“, ist heute, saniert von Norman Foster und überspannt von einer transluzenten Membranhaut, ein lichtdurchflutetes Raumwunder.

          Doch damit ist zunächst Schluss mit dem Architekturerlebnis, denn auf dem Bahnhofsplatz, der hier Prager Platz heißt, folgt die Ernüchterung. Ein paar Schritte weiter beginnt die Prager Straße, das Paradestück sozialistischen Städtebaus. Sie verbindet als zentrale Achse das Herz der Stadt, den Altmarkt, mit dem Hauptbahnhof und hat Zentrumsfunktion für die ganze Region. Trotzdem ist die Prager Straße in Dresden wohl die umstrittenste Hauptgeschäftsstraße einer deutschen Großstadt, die einzige, über deren Architektur sich auch Normalbürger Gedanken machen – wer außer den Fachleuten würde sich wohl mit den Baulichkeiten des Kurfürstendamms, der Mönckebergstraße, der Königsallee oder der Zeil auseinandersetzen? Die Prager Straße der Vorkriegszeit ist für die Dresdner und viele Freunde der Stadt ein Mythos, die Prager Straße des Wiederaufbaus für viele ein betoniertes Trauma.

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