https://www.faz.net/-gqz-9wyks

Künstler unterstützen Sanders : Art for Bernie

  • -Aktualisiert am

Beliebt bei Künstlern und den jungen Wählern: Bernie Sanders Bild: Picture-Alliance

Ein Präsident der Künste und Gegenbild Trumps: Amerikanische und internationale Künstler unterstützen Bernie Sanders als Kandidaten.

          2 Min.

          Es ist viel gespottet worden, dass Bernie Sanders derzeit wohl einer der wenigen weißen Politik-Männer dezent über vierzig ist, den viele Frauen gut finden. Mehr noch: Unter den inzwischen 2.579 amerikanischen und internationalen Künstlern, die Sanders’ Präsidentschaftskandidatur nun offiziell unterstützen, ist eine leichte Mehrheit ebenfalls weiblich. Die Kampagne, die etwas an das hiesige Engagement von Künstlern und Schriftstellern wie Günter Grass für Willy Brandt 1969 erinnert, wird von „Artists4Bernie“ organisiert, einer Gruppe, die vom Künstler Mohammed Salemy zusammen mit der Kuratorin und Autorin Jennifer Teets sowie dem Kollektiv DIS gegründet wurde. Berühmte Namen wie Nan Goldin, Kara Walker und Hito Steyerl gehörten zu den Erstunterzeichnern, aber auch Jim Jarmusch, Ed Atkins oder Kader Attia.

          Allen gemein ist, dass sie den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Sanders in ihrem Offenen Brief zu unterstützen versuchen, indem sie ihn als genaues Gegenbild zu Trump porträtieren: „Wir sind der festen Überzeugung, dass nur Sanders die Werte und Tugenden repräsentiert, auf die wir alle als Kulturproduzenten immer gehofft haben“, heißt es in dem Brief. Auch agiere eine Sanders-Administration zum Wohle der Künstler und aller Kulturbereiche. Der Offene Brief zitiert zudem Sanders’ Versprechen, ein „Präsident der Künste“ zu sein.

          Die Fotografin Nan Goldin, hier 2019 bei der Verleihung des Ruth-Baumgarte-Kunstpreises für ihr Lebenswerk, gehört zu den 665 Erstunterzeichnern des Offenen Briefes für Bernie Sanders.

          Einst Prekariatskünstler

          Tatsächlich war Sanders selbst kulturell tätig: In den Siebzigern und Achtzigern produzierte er mit seiner Produktionsfirma „American People’s Historical Society“ Lehrmaterialien zu Arbeiterfragen und Geschichte. Nahezu parallel zu Joseph Beuys’ Kandidatur bei den Grünen 1980 und dem Dreh von dessen unsterblichem Musikvideo „Sonne statt Reagan!“ drehte Sanders 1979 einen kurzen und recht improvisierten Film über seinen politischen Helden, der auch auf Youtube verfügbar ist: eine halbstündige Dokumentation über den sozialistischen Gewerkschafter und mehrjährigen Präsidentschaftskandidaten Eugene V. Debs, der von 1855 bis 1926 lebte.

          Aus schierer finanzieller Not sprach er damals alle männlichen Rollen in dem Film selbst, während die Künstlerin Nancy Barnett, seine Nachbarin, sämtliche weiblichen Rollen übernahm. Seine damalige Armut verbindet Sanders in jedem Fall mit dem Großteil der ihn heute unterstützenden Künstler.

          Politischer Süßsprengstoff: 23 Meter lang, elf Meter hoch und acht Meter breit thronte Kara Walkers „Sphinx“ aus Zucker in einer Industrieruine am East River, um ähnlich kritisch wie Bernie Sanders 1979 in seinem Film über den Gewerkschaftsführer Eugene Debs auf die skandalösen Arbeitsbedingungen bei der Zuckergewinnung durch Sklaven aufmerksam zu machen.

          Auch von der sozialistischen Kollektivierung der Produktionsmittel hielt er seinerzeit schon notgedrungen viel: Konnte er die Stromrechnung nicht bezahlen, nahm er Verlängerungskabel und ging in den Keller des alten Gebäudes, um sie an die Steckdose des Vermieters anzuschließen. Die materiellen Nöte des Kunstprekariats kennt er also gut. Es könnte interessant sein, ob Trump in einem seiner verbalen Ausfälle demnächst auch gegen Künstler als Minderheit wettert. Vorausschauenderweise hatten diese immerhin die Menge der Erstunterzeichner des Offenen Briefs bei 665 gestoppt – mit auch nur einem Künstler mehr hätte Trump ein teuflisch simples Argument gegen die Fürsprecher seines Konkurrenten in der Hand gehabt.

          Stefan Trinks

          Redakteur im Feuilleton.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Filmkomponist Ennio Morricone verstorben Video-Seite öffnen

          Spiel mir das Lied vom Tod : Filmkomponist Ennio Morricone verstorben

          Die italienische Filmmusik-Legende Ennio Morricone ist tot. Er starb im Alter von 91 Jahren in einer Klinik in Rom. Morricone gilt als einer der größten Komponisten der Filmgeschichte. Berühmt wurde er unter anderem mit Titelmelodien den Kultfilm „Spiel mir das Lied vom Tod“.

          Topmeldungen

          „Sicherheitsgesetz“ : Hongkong droht nun Zensur

          Hongkongs „Sicherheitsgesetz“ schränkt seine Einwohner stark ein. Nicht einmal Plakate ohne Parolen toleriert die Polizei noch. Netzwerke wie Facebook wollen nun keine Nutzerdaten mehr weitergeben. Wird China sie verbieten?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.