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Präimplantationsdiagnostik : Wer entscheidet, was schwerwiegend ist?

  • -Aktualisiert am

Injektion einer menschlichen Eizelle im Labor Bild: dpa

Wie die Praxis aussehen wird, ist nach der begrenzten Zulassung der PID noch unklar. Das neue Gesetz verlangt einen Ethikrat - aber der darf keine rein medizinische Sache sein. Er muss auch mit Leuten besetzt sein, die selbst Erfahrungen mit Behinderungen haben.

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          Dass der neue Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, kurz nach der Entscheidung des Bundestages für eine nicht besonders eng begrenzte Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID ) bekundet hat, er persönlich hätte für ein Verbot gestimmt, hat den Blick darauf gelenkt, dass auch jetzt noch ungeklärt ist, wie die Praxis der PID in Deutschland eigentlich aussehen wird. Die Bundestagsentscheidung für den am wenigsten regulierenden Gesetzentwurf enthält auch die Zuweisung konkreter Entscheidungen an interdisziplinär zusammengesetzte Ethikkommissionen, die am jeweiligen Zentrum angesiedelt sind, das für die Durchführung der PID zugelassen werden wird.

          Nun hat sich die Öffentlichkeit längst daran gewöhnt, dass es für alles und jedes einen Ethikrat gibt. Und dass interdisziplinär zusammengesetzte Kommissionen, befassen sie sich nun mit Atomenergie oder mit Fragen der medizinischen Behandlung, ein geeignetes Forum für Entscheidungen bilden, gilt gemeinhin als anerkannt. Ganz so selbstverständlich, wie es scheint, ist das allerdings nicht. Schließlich sind ethische Fragen oft äußerst komplex, ihre Entscheidung hängt oft erheblich davon ab, welche ethischen Grundüberzeugungen ein Mensch hat. Das gilt umso mehr, als in Ethikkommissionen zumindest im medizinischen Bereich ja gar nicht vornehmlich Ethiker sitzen, die in philosophischen Entscheidungsprozessen geübt wären. Im Gegenteil: In der Ethikkommission bei der Ärztekammer Hamburg beispielsweise muss laut Paragraph 4 ihrer vor fünfzehn Jahren erlassenen Satzung überhaupt kein Philosoph sitzen. Sie besteht aus acht Ärzten, einem Medizintechniker, zwei Juristen, einem Geistes- oder Sozialwissenschaftler, zwei Pflegekräften und einem „Vertreter der Bevölkerung“. Vorsitzender ist natürlich nicht dieser Mann von der Straße, sondern zwingend ein Arzt, berufen werden die Mitglieder der fünfzehnköpfigen Kommission vom Vorstand der Ärztekammer.

          Nicht wesentlich anders sieht es in anderen Kammerbezirken aus. In den jeweils achtköpfigen Gremien der Ethikkommission der Ärztekammer Nordrhein soll immerhin eine Person sitzen, die „Erfahrung auf dem Gebiet der Ethik“ hat, sowie eine Person „aus dem Bereich der Patientenvertretungen“. Aber auch hier sind mindestens vier Mitglieder der interdisziplinären Kommissionen Ärzte, alle Mitglieder werden vom Kammervorstand ernannt. Dabei haben diese Kommissionen keineswegs nur kammerinterne Aufgaben. Immer mehr Gesetze aus dem Bereich des Medizinrechts - nach dem Arzneimittelgesetz beispielsweise jetzt auch das Transfusionsgesetz und das Medizinproduktegesetz - verlangen, dass Forschungsvorhaben und Studien durch Ethikkommissionen abgesegnet werden. Damit meint der Gesetzgeber sich aber seiner Verpflichtungen im Wesentlichen entledigt zu haben und delegiert in Ländergesetzen die Verantwortung an die Ärzteschaft, die sich dieser Aufgabe auch gern stellt.

          Professionalisierte Kommissionsarbeit

          Die Ethikkommissionen, die es nicht nur bei den Ärztekammern, sondern auch in Universitätskliniken gibt, und zwar meistens ohne Zuweisung gesetzlicher Aufgaben als Beratungsgremien auch an vielen Kliniken, entwickeln mittlerweile ein vielfältiges Eigenleben. Mindestens einmal im Jahr versammelt sich beispielsweise der Arbeitskreis Medizinischer Ethikkommissionen, dem derzeit 49 Ethikkommissionen in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft angehören, um Positionen zu klären und Beschlüsse über Vorgehensweisen beispielsweise bei der Aufklärung von Probanden von überregionaler Bedeutung zu treffen. Auch die Professionalisierung im Bereich der Ethikkommissionen schreitet voran: Mehr als achtzig Prozent der Ethikkommissionen haben mittlerweile hauptamtliche Geschäftsführer und verfügen über angestellte Sachbearbeiter und Sekretäre.

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