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Gender-Debatte : Die Expertinnen

„Die Rebellin“ von Antonio Fillol in der Prado-Ausstellung „Invitadas“ (Eingeladene) über Künstlerinnen, Ideologie und Frauenbilder im 19. Jahrhundert Bild: EPA

Eine Prado-Ausstellung über Frauenbilder in der Kunst des 19. Jahrhunderts ist in die Kritik geraten: Männliche Selbstgeißelung kann gönnerhaft sein.

          2 Min.

          Kürzlich eröffnete im Prado die Ausstellung „Invitadas“ (Eingeladene). Sie trägt den Untertitel „Fragmente zu Frauen, Ideologie und den darstellenden Künsten in Spanien (1833–1931)“. Eingeladen hatten gewissermaßen die Männer, nämlich die malenden Frauen des neunzehnten Jahrhunderts, und wem das gönnerhaft vorkam – so sollte es wohl klingen, doch vielleicht hätte man das lassen sollen, das spanische Gemüt kann mit Ironie nicht viel anfangen. Eingeladen hatte auch der Prado, nämlich die von ihm selbst vernachlässigten Künstlerinnen, endlich einmal die ehrwürdigen Wände zu schmücken.

          Auch sonst ließ die weltberühmte Gemäldesammlung es nicht an selbstkritischen Gesten fehlen. In der Ankündigung hieß es, das Museum wolle seine eigene frauenfeindliche Geschichte beleuchten, und auf der Website des Prado herrscht ein scharfer Ton gegenüber der damaligen patriarchalischen Gesellschaft, die Frauen ihrer Chancen beraubt und sie zu Blumenmalerinnen oder gleich zu Kopistinnen degradiert habe. Zu schweigen von der Ächtung gewisser Themen, von denen Malerinnen sich fernzuhalten hatten, etwa dem weiblichen Akt. Leider ist der Prado-Chefkurator für das neunzehnte Jahrhundert ein Mann, doch das war kurzfristig nicht zu ändern. Dafür stammen zehn der zwölf Essays im Katalog von Kunsthistorikerinnen.

          Dass auf diese Weise 39 Malerinnen, eine Bildhauerin und eine Fotografin – viele Werke lagerten im Depot und waren noch nie öffentlich gezeigt worden – zu Prado-Ehren kamen, fand ein Großteil des kulturellen Establishments von Madrid schon bemerkenswert. Auch Kulturministerin Carmen Calvo, eine bekennende Feministin, war von der Ausstellung angetan. Nun haben zwei feministische Kunstkollektive in offenen Briefen beklagt, die Schau sei eine „vertane Gelegenheit“, denn auch der Gestus männlicher Selbstkritik sei gönnerhaft. Außerdem hätte es, so die Autorinnen, noch viel mehr Künstlerinnen gegeben. Und überhaupt, wie wäre es denn einmal mit einer Frau an der Spitze des Prado?

          Expertin im Ruhestand

          Den heftigsten Schlag gegen die Ausstellung bedeutete aber die Nachricht, dass eine Familienszene gleich zu Anfang des Rundgangs nicht von einer Frau stammt, wie auf dem Schildchen steht, sondern von einem Mann. Es handelt sich um ein Ölbild aus dem späten neunzehnten Jahrhundert, dessen schwere materielle Beschädigung vermutlich symbolisch gelesen werden sollte: Seht her, wie achtlos mit den Werken der Frauen umgegangen wird!

          Concha Díaz Pascual, eine Beamtin im Ruhestand, korrigierte die Prado-Experten allein durch Sachverstand und gewissenhafte Nachforschung. Das Museum gab umgehend eine Pressemitteilung mit der Korrektur heraus. Eine Prado-Mitarbeiterin rief sogar bei der Enthüllerin an, um ihr zu danken. Concha Díaz hat Kunstgeschichte studiert, konnte jedoch wegen der schwierigen Lage auf dem Arbeitsmarkt nie in ihrem Bereich arbeiten. Also wählte sie einen sicheren Broterwerb. Und die Ausstellung? Hätte man besser machen können, sagte die plötzlich zu einem gewissen Ruhm gekommene Rentnerin einem Online-Medium. Es gebe so viel neue Forschung dazu, so viel Erfahrung, die nicht genutzt worden sei.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

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