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Positives Denken : Sehen Sie’s mal negativ

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Googles Gründer Sergey Brin (oben) und Larry Page (unten) Bild: AP

Dave Eggers’ neuer Roman „Der Circle“ beschreibt eine Gesellschaft, die sich völlig dem positiven Denken unterworfen hat. Dieser Terror des guten Lebens ist längst unser Alltag geworden

          Das Ziel der Menschen, die in Dave Eggers' neuem Roman beim Circle arbeiten, ist, so sagen sie, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Es soll keine Kindesmissbräuche mehr geben, weil die Kinder einen Chip in die Knochen implantiert bekommen, der sie jederzeit auffindbar macht. Menschen, die nicht das Geld haben oder es körperlich nicht schaffen, auf die Fidschi-Inseln zu reisen, sollen sich im Internet die Fidschi-Inseln ansehen können. Politikern soll es nicht mehr möglich sein, sich korrumpieren zu lassen, weil sie transparent geworden sind (heißt im Buch so), was bedeutet, dass die Öffentlichkeit ihre Gespräche mitverfolgen kann und noch besser: Die Durchsetzung der Menschenrechte wird durch diese Technologie erleichtert werden.

          All das hört sich zunächst nach einem kämpferischen, tollen Altruismus an. Nach einer neuen positiven Haltung zur Welt. Weil wer will denn etwas gegen Menschen haben, die die Welt zu einem besseren, sicheren Ort machen wollen? Trotzdem klingt dieser Satz (die Welt zu einem besseren Ort machen) auf eine Weise falsch, die schwer zu bestimmen ist, aber längst zu dem Geist gehört, in dem wir leben. Ein Geist taucht auf und verschwindet, er ist schwer fassbar, und dennoch ist der Geist, mit dem wir es zu tun haben, absolut da. Man muss dafür gar keine Zukunftsvisionen entwerfen, und das Internet ist für die Optimierungsmentalität dieses Geistes wahrscheinlich nur ein extremer Beschleuniger, nicht aber die Ursache.

          Länger leben, besser leben

          Wie lässt sich dieser Geist beschreiben, den wir alle von morgens bis abends atmen? Er liebt Planbarkeit und will unnötige Reibungen vermeiden (formulieren Sie die Dinge positiv, das heißt, sagen Sie nicht: „Mich nervt, dass du immer alles rumstehen lässt“, sondern: „Ich wünsche mir, dass du deinen Teller in die Spülmaschine stellst“). Der Geist wünscht sich Planbarkeit und möchte nichts dem Zufall überlassen, weswegen er Ihnen nahelegt (so drückt er sich aus: er empfiehlt, würde aber niemals explizit befehlen), dass Sie sich vor Ihrem Urlaub die neue PackTheBag-App auf Ihr Smartphone laden, welche damit wirbt, dass Sie nie wieder etwas im Urlaub vergessen werden (die E-Mail-Abwesenheitsnotiz einrichten, die Alarmanlage einschalten, Reiserücktrittsversicherung). Der Geist will besser leben, das heißt gesünder, effektiver und faltenfreier (eh klar, aber so als Tipp: die Face-Lift-App, oder Sie gehen einfach zu Douglas und lassen sich von den Beraterinnen beraten; wundern Sie sich aber nicht darüber, dass die im Vergleich zu den Produkten, die sie verkaufen, echt runtergekommen aussehen, denn Sie können noch alles besser machen!).

          Der Geist will länger leben (unsere Realität ist im Grunde längst eine große Länger-Leben-App), das eigene Potential voll ausschöpfen (studieren Sie nicht mehr in sechs, sondern in drei Jahren) und immer den kürzesten Weg wählen (Studium!). Und, wie, Sie rauchen? Sie sind der totale Anti-Zeitgeist! Rauchen macht alt, krank und hässlich. Rauch hinterlässt Spuren, hat Farbe, Geruch und Asche, also Gestalt, und das ist doch exakt das, was wir hier nicht mehr wollen.

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