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Porträt : Pop? Und Op! Vierzig Jahre Galerie Hans Mayer

  • -Aktualisiert am

Die Galerie Denise René Hans Mayer 1967 in Krefeld Bild: Galerie Hans Mayer

Mit einer Ausstellung in der Langen Foundation auf der Raketenstation bei Hombroich feiert Hans Mayer das vierzigjährige Bestehen seiner Düsseldorfer Galerie.

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          Ein „Perfect Painting“ von Roy Lichtenstein lieh der Ausstellung seinen Titel - und das Motiv paßt perfekt zum Anlaß: Auf der Raketenstation bei Hombroich feiert der Düsseldorfer Hans Mayer das vierzigjährige Bestehen seiner Galerie. Das vier Meter breite Bild aus den achtziger Jahren ist eine ideale Vorgabe für die Schau, weil die Punkte und Linien der Pop-art sich konstruktivistisch geben, als habe man die dynamischen Geometrien der europäischen Moderne fürs Comic-Heftchen aufgerastert. Der elegante Bastard aus Pop und Op verkörpert so die beiden großen Stilrichtungen, für deren Vermittlung Hans Mayer steht, der mit 25 Jahren seine ersten Räume in Esslingen programmatisch zu den Klängen von John Cage mit Quadraten von Josef Albers eröffnete - ein Kontakt, den der junge Händler dem einflußreichen Kunstkritiker Albert Schulze Vellinghausen verdankte.

          Ihm folgten die großen Namen der konstruktivistischen und kinetischen Kunst: Max Bill und Victor Vasarely stellten in Esslingen aus. Programmatisch war nicht nur die stringente Künstlerliste, sondern auch Hans Mayers Talent für die Inszenierung von gesellschaftlichem Glanz. Der ehemalige Möbelhändler lud nicht nur Theoretiker wie Max Bense zum Vortrag, bei seinen Vernissagen traten auch Bernhard Minetti oder Gerhard Rühm auf. Bald wurde die Pariser Galeristin Denise René auf den jungen Galeristen aufmerksam, und man beschloß, zusammenzuarbeiten.

          Internationales Crossover im Rheinland

          Hans Mayer hatte in Esslingen zwar Aufmerksamkeit erregt - die Kunst mußte er jedoch oft im VW-Bus durch Deutschland und bis in die Niederlande chauffieren, und so lag es nahe, ins Rheinland zu ziehen. Die große Dame der kinetischen Kunst und ihr charismatischer Kollege etablierten in Krefeld ihre Räume als erste Adresse: „Vom Konstruktivismus zur Kinetik“ hieß die anspruchsvolle Eröffnung, und fortan kam die internationale Szene an den Niederrhein, um dort Hans Arp, Alexander Calder, François Morellet, George Rickey, Bridget Riley und Jean Tinguely zu erleben oder die erste Modenschau von Emmanuel Ungaro im Ausland - und „The Who“, die „Small Faces“ oder „The Rattles“, die Hans Mayer zu Auftritten einlud. Ein mutiges Crossover, das die Kunstwelt zwar goutierte, aber nicht honorierte: John Lennons Plastikkoffer „Bed I“ blieb Jahrzehnte liegen, „die Zeichnungen darin galten damals als sexistisch“.

          Keith Haring, „Ohne Titel”
          Keith Haring, „Ohne Titel” : Bild: Galerie Hans Mayer

          Nicht nur Kunst, sondern auch Begegnungen

          Hans Mayer ist dabei, als die progressiven Kunsthändler 1967 den Kölner Kunstmarkt erfinden und baut auch bei der ersten Kunstmesse in Basel seinen Stand auf. Die Zweiträume in Düsseldorf für Graphik eröffnete er dann mit Andy Warhol; ein Schritt, der nicht nur von den etablierten Sammlern konstruktivistischer Kunst beäugt wurde, sondern - wie Hans Mayers Begeisterung für Yves Klein, Lucio Fontana oder Arman - auch das stringente Kunstverständnis seiner Geschäftspartnerin strapazierte.

          In die von Max Bill gestalteten Räume am Düsseldorfer Grabbeplatz zogen die Amerikaner ein: Ellsworth Kelly, Mark Rothko, Sol LeWitt und Agnes Martin zeigte er Mitte der Siebziger im Zusammenhang mit einem Gemälde von Kasimir Malewitsch, er entdeckte Cy Twombly, zeigt aber auch Alexander Calder, Gotthard Graubner, Heinz Mack oder Günther Uecker. Und wieder vermittelt Hans Mayer nicht nur Kunst, sondern auch Begegnungen. Auf seinen Abendessen lernen sich Joseph Beuys und Andy Warhol kennen - auch Armani und Krizia lädt er dazu.

          Ein Galerist kann etwas helfen

          Die Exponate für die Jubiläums-Schau kommen aus Europa und Amerika; die Danksagung listet bedeutende Sammler und große Museen als Leihgeber auf, und die Arbeiten fügen sich mit selbstbewußter Größe in die hohen Betonhallen, die Tadao Ando der Langen Foundation auf dem ehemaligen Militärgelände entworfen hat: Im Eingang grüßt ein Calder-Mobile, die Rampe ins Untergeschoß mündet auf Keith Harings mit weißen Graffiti überzogene Stier-Silhouette. Basquiats roh bekritzelte Kiste darf mit einem bronzeglänzenden Arp kontrastieren, und die Schlüsselwerke von Sol LeWitt, Giacometti, Donald Judd und Anthony Caro begegnen sich über die Bande hinweg. Im Hauptsaal fügen sich Inkunabeln der Moderne wie Rothko, Newman und Morris Louis zur harmonischen Galerie - dabei ist der Händler bescheiden, wenn es um seinen eigenen Einfluß geht: „Ich habe früh begriffen, daß ein Galerist vielleicht dem Künstler etwas helfen kann, letztlich macht sich die Kunst aber selbst“, sagt er und freut sich, daß sein Blick sich dennoch zu einer eigenständigen Vision der Kunstgeschichte fügt, die weder die großen Formate scheut noch den Glamour.

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