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Porträt : Die Spaßversteherin

  • -Aktualisiert am

Hält nichts von Zensur: Veronica Lario Bild: AP

Veronica Lario, die Gattin Silvio Berlusconis, ist gelernte Schauspielerin, tendiert zu den Grünen, hält nichts vom Fernsehen, hat aber großen Spaß an den Theaterstücken, die ihren Mann aufs Korn nehmen.

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          Wenn es ums Theater geht, kennt sich Veronica Lario aus. Schließlich war sie selber Schauspielerin, bis sie der aufstrebende Unternehmer Silvio Berlusconi in Mailand gleichsam von der Bühne weg geheiratet hat. Die Bühne der großen Politik ihre Mannes freilich scheut Veronica Lario. So gut wie nie tritt die First Lady bei Staatsbesuchen oder anderen offiziellen Terminen an der Seite des italienischen Ministerpräsidenten auf, sie bleibt lieber im prächtigen Stammsitz der Familie in Arcore bei Mailand, wo die Kinder zur Waldorfschule gehen, die ihnen exakt das Fernsehen abgewöhnen will, mit dem der Papa sein Geld verdient.

          Hinter solche Reserviertheiten gegenüber dem Berlusconischen Universum steckt offenbar eine Gemahlin, die in einem Interview einmal sogar ihre Neigung zu den Grünen bekundete. Ihr Großvater wurde als Partisan von den deutschen Besatzern erschossen, was sie für immer zur Pazifistin gemacht habe. Eheliche Zwistigkeiten wegen der zuletzt im Irak-Krieg eher bellizistischen Politik ihres Gemahls hat sie wahrscheinlich kaum, denn nach eigenem Bekunden sieht sie ihn selten. Und wenn, dann im Fernsehen.

          Guter Wilder

          Dafür ist Veronica Lario, obwohl sie nicht einmal mehr in einem Liebhabertheater auftritt, Theaterliebhaberin geblieben. In Mailand sieht man sie zuweilen ohne Leibwächter mit Freunden, zuletzt bei Claudio Bisios Spektakel "I bambini sono di sinistra". Obgleich sie selbst der Sinistra, also der politischen Linken, qua Heirat eigentlich nicht nahestehen dürfte, hat Veronica Lario in einem Kurzinterview mit der linken "Repubblica" ihr Vergnügen am Bühnengeschehen bekundet, das sie und vor allem ihren Gemahl auf die Schippe nahm: Die Theatersatiren auf Berlusconi, die derzeit in Italien immer beliebter werden, seien doch nur ein Spiel. Das närrische Spiel mit dem Machthaber lockt offenbar reichlich Publikum in darbende Häuser. So hat auch Mario Prosperi jetzt in Rom eine Berlusconi-Persiflage auf den Markt gebracht; hier heißt der korrupte und doppelzüngige Held Giorgio Persicano und landet am Ende als guter Wilder auf einer Antilleninsel.

          Wenn nun im Januar Dario Fos groß angekündigte Abrechnung mit Berlusconi, "Lanomalo bicefalo" (Der anormale Doppelkopf, Premiere im November in Bologna), nach Mailand kommt, dann will sich die First Lady das Werk des Nobelpreisträgers natürlich anschauen und womöglich herzlich über sich und ihre Familie lachen. Daß andere Politiker der rechten Regierungskoalition Theater weniger liberal sehen, hatte im Mai 2002 noch eine "Frösche"-Inszenierung Luca Ronconis in Syrakus bewiesen. Die Bühnenbild-Karikaturen der Koalitionäre Berlusconi, Bossi, Fini mußten entfernt werden. Doch vielleicht war es auch hier Veronica Lario, die ihrem Mann eingab, sich als großmütiger Spaßversteher zu gerieren. Wer so viele private und staatliche Medien sein Eigen nennt, der wird doch nicht über eine kleine Aristophanes-Inszenierung aus dem Gleichgewicht geraten. Zensur, so Frau Lario, sei eine große Ungerechtigkeit. Und mit der Gerechtigkeit kennt man sich in ihrer Familie fast noch besser aus als mit dem Theater.

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