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Zum Tod von Prince : Die Lieblingslieder der Redaktion

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Prince bei einem Konzert in Las Vegas, 2013 Bild: AFP

Das eine Lied, zu dem nur Prince selbst tanzen konnte, die schlichte Komposition, die Frauenaugen zum Leuchten bringt, und die Gospel-Litanei, die so gut zur Sommermelancholie passt: Sieben Redakteure erzählen von ihrem liebsten Prince-Song.

          6 Min.

          „1999“

          In den Achtzigern, als Popmusik noch ein Instrument der Distinktion der Jugend war, gab es eine heiße Diskussion. Sie erinnerte an die Auseinandersetzungen zwischen Beatles- und Stones-Fans in den Sechzigern. Sie lautete schlicht: Michael Jackson oder Prince? Der Kampf der Giganten um den Thron des Popkönigs wurde auch auf den Schulhöfen ausgetragen. Jackson war der unangefochtene Superstar, der das meistverkaufte Album aller Zeiten aufgenommen hatte. Aber irgendwie hatte man als Jugendlicher immer das Gefühl, dass dahinter ganz viel Musikindustrie stand. Als man älter wurde, hörte man davon, was für ein Produktions-Genie Quincy Jones war. So vermutete man, dass der zunehmend bleich werdende Michael Jackson, der noch dazu im Kommerz-Mekka Los Angeles lebte, doch nur eine Marionette war.

          Prince dagegen war bei allem glatten Pop, den auch er veröffentlichte, der rauhere Star – es gab keinen Zweifel daran, dass er vom Schlagzeug bis zur Gitarre, vom Klavier bis zum Bass alles selbst spielte, komponierte, seine wilde Truppe The Revolution auf der Bühne zu Höchstleistungen antrieb. Er blieb sein Leben lang in der Nähe seiner Heimatstadt Minneapolis, das völlig irrsinnigerweise zum Ort des Jahres 1984 wurde, als völlig unterschiedliche Musiker wie The Replacements („Tim“), Hüsker Dü („Zen Arcade“) und eben Prince Rogers Nelson („Purple Rain“) drei der tollsten Platten des Jahres herausbrachten. Prince war der Superstar, der sich einen unabhängigen Geist bewahrte und mehr Künstler und Erschaffer zu sein schien als die Projektionsfläche und Pepsi-Werbeikone Michael Jackson. Erst mit einigem Abstand muss man feststellen, dass die Schulhof-Diskussion völlig überflüssig war, weil beide auf ihre Weise ganz groß waren.

          08.Prince.-.1999 from Mauricio Onate on Vimeo.

          Der Song, der die musikalischen Leistungen von Prince, am besten zusammenfasst, ist „1999“ vom gleichnamigen Durchbruch-Album: Ein total verrücktes Synthie-Riff, funky Gitarren, Revue-artiger Duo-Gesang, ein betörender Bassgroove – ideales Disco-Material für die glatten Achtziger. Prince übertrug den Hippie-Ära-Funk von Sly & the Family Stone („Dance to the Music“) in das oberflächliche MTV-Zeitalter. Irgendwie gut, dass dann die Neunziger kamen und den Plastikpop der Achtziger mit geerdetem Rock und aufregendem Elektro wegspülten. Aber Prince blieb der respektierte Genius und der Songwriter von „1999“.  Was für eine Wertschätzung er auch von der Nachfolgegeneration erhielt und wie phantastisch sein Song auch in sparsamerem Arrangement funktioniert, zeigt dieses Video des Pearl-Jam-Gitarristen Stone Gossard. Philipp Krohn

          „You Sexy MF“

          Dieser Funk! Diese Tanzlust! Diese Bläsersätze! Diese Bässe! Ein Song zum Aufspringen und Mitwackeln! Als Prince 1992 seinen Song „Sexy Motherfucker“ mit sehr explizitem Video veröffentlichte, bekam man vor dem Fernseher noch rote Ohren. Ein faszinierender kleiner geiler Mann, der seinen Körper liebt und das auch in jeder seiner lasziven Bewegungen zeigt. Der rappt und jault und mit seiner Stimme verführt.

          Prince wirkt wie ein groteske Überzeichnung zwischen all den großen schwarzen Macho-Männern im Video, er tänzelt so feminin wie kein Zweiter und ist gleichzeitig so männlich sexy mit seiner goldenen Pistole in der Hand. Männlich, weiblich, schwarz, weiß, alles scheint hier in einem hinreißenden, schillernden Etwas zusammenzufließen. Und man will nur mitschreien und mitjohlen „Shaking that ass, shaking that ass“. Prince wird uns sehr fehlen. Monika Ganster

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