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Zum Tod von Andy Fraser : Die Last der frühen Jahre

  • -Aktualisiert am

Andy Fraser, 1952 in London geboren, war ein höchst eigenwilliger Rockbassist, der mit dem Free-Hit „All Right Now“ 1970 einen Ruhm erlangte, der bis heute nachhallt. Bild: Picture-Alliance

Der britische Bassist Andy Fraser war mit seinem am Jazz orientierten Spiel die beherrschende Figur der Bluesrock-Kombo Free. Den Hit „All Right Now“ komponierte er mit siebzehn. Jetzt starb er im Alter von 62 Jahren.

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          Ihm wuchs noch gar kein Flaum, da war er schon eine tragende Säule des testosteronhaltigsten Bluesrock, der in England abseits von Led Zeppelin gespielt wurde: Andy Fraser war, wie außer ihm nur noch Steve Winwood, ein Frühvollendeter. Mit fünfzehn durfte er schon bei John Mayalls Bluesbreakern mitmachen, dann stieß er zu der von Alexis Korner zusammengestellten Gruppe, deren Sound und Repertoire er als Bassist und Komponist maßgeblich prägte und in die Kritiker schon Hoffnungen gesetzt hatten, falls es mit den Rolling Stones eines Tages nichts mehr sein würde: Free waren mit ihrem kraftvollen, auf das Wesentliche reduzierten Spiel für vier Jahre so etwas wie die Inkarnation des harten Rock, immer nah am Klischee, aber mit genug Ideen und dem Willen zur Auflockerung.

          Edo Reents
          Redakteur im Feuilleton.

          Das 1968 bei Island Records erschienene Debüt „Tons Of Sobs“, das Werk von vier abgeklärten Teenagern, das in der Originalausgabe heute ein kleines Vermögen wert ist, wirkte noch etwas unausgegoren und klang, zeittypisch, ausgesprochen roh. Der sechzehnjährige Andy Fraser hatte, wie Sänger Paul Rodgers, seinen spezifischen Ausdruck noch nicht gefunden. Doch schon die titellose Anschlussplatte aus dem Jahr darauf etablierte den fortan typischen Musizierstil, mit dem sich die Band von allen anderen abhob: Die erstklassigen Fraser-Rodgers-Kompositionen wurden getragen von einem superben Rockgesang und einer hochökonomischen Rhythmussektion, in der Andy Frasers jazznah flink puckernder Bass und Simon Kirkes muskulöse Schläge ohne jeden Reibungsverlust ineinandergriffen. In diesem originellen Klangbett war Fraser dermaßen dominant, dass der auch nicht gerade minderbemittelte Gitarrist Paul Kossoff frühzeitig an den Rand gedrängt wurde. Zwar setzte er mit brutalen Riffs und singend-ausgefeilten, eher bedächtigen Soli die für die Band charakteristischen Akzente, konnte aber an dem Paradoxon, dass hier Gitarrenmusik wesentlich mit dem Bass gemacht wurde, nie viel ändern.

          Die Platte „Fire And Water“ verhalf den vieren 1970 mit dem archetypisch-krachenden Hit „All Right Now“ zu Weltruhm; daneben spielten sie in Slow-Blues-Liedern wie „Don’t Say You Love Me“ und „Heavy Load“ ihren Hang zum majestätisch klagenden Moll aus. Andy Fraser, immer noch nicht volljährig, war zu dieser Zeit auch abseits von Bühne und Studio die beherrschende Figur in dem vor der Zeit unter Hochdruck geratenen Quartett, in dem Kossoff bisweilen nur noch für Verzierungen zuständig war, ohne dass die Musik, wie auf der Platte „Highway“ nachzuhören, nennenswert gelitten hätte.

          Andy Fraser, guayanisch-schottischer Abkunft und in London geboren, ist der wohl krasseste Fall vorzeitigen Ausgebranntseins. Während Rodgers und Kirke nach dem Ende von Free in Bad Company gleichwertigen Ersatz fanden (Kossoff starb 1976), kam er mit Projekten namens Toby und Sharks auf keinen grünen Zweig mehr; neuere Lieder stellte er Frankie Miller oder Joe Cocker zur Verfügung. In den Achtzigern machte der Vater zweier Kinder seine Homosexualität öffentlich, irgendwann muss er sich mit HIV infiziert haben. Am Montag ist Andy Fraser, dieser höchst unorthodoxe Rock-’n’-Roller, im Alter von 62 Jahren gestorben.

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