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Zum Tod von Lesley Gore : Sie wollte kein Spielzeug sein

  • -Aktualisiert am

Lesley Gore 1964 an ihrem 18. Geburtstag – und gleichzeitig auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Bild: AP

Mit scheinbar harmlosen Teenager-Hymnen hatte Lesley Gore in den sechziger Jahren ihre größten Erfolge, aber Songs wie „You Don’t Own Me“ entfalteten auch emanzipatorische Kraft. Nun ist die Sängerin im Alter von 68 Jahren gestorben.

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          Dass man auf seiner eigenen Party auch weinen darf, wenn einem gerade danach ist, scheint in der amerikanischen Popkultur der frühen sechziger Jahre noch ein revolutionärer Gedanke gewesen zu sein. „It’s my party and I’ll cry if I want to“ wurde zu einer festen Redewendung – und dass man mit dieser heute die Sängerin Lesley Gore verbindet, ist wohl vor allem dem Produzenten Quincy Jones zu verdanken. Denn um ein Haar wäre ihm im Frühjahr 1963 der Kollege Phil Spector zuvorgekommen, der den Song „It’s My Party“ zeitgleich mit seiner Band The Crystals aufgenommen hatte. Jones drängte auf schnelle Veröffentlichung, und Lesley Gore stand kurz darauf mit einer neuen Teenager-Hymne auf Platz eins der Charts.

          Jan Wiele
          Redakteur im Feuilleton.

          Auf diesem Erfolg konnte die damals erst sechzehnjährige Sängerin aus Brooklyn aufbauen: Mit dem von John Madara und David White geschriebenen Song „You Don’t Own Me“ landete sie gleich noch einen Hit, dessen emanzipatorische Zeilen wie „I’m not one of your many toys“ reichen Anklang fanden und bald darauf noch von vielen anderen gesungen wurden.  Trotz ihres plötzlichen Ruhms war Gore schlau genug, dafür nicht die Schule abzubrechen. Wenige Jahre später galt ihre Musik schon als hoffnungslos überholt und viel zu zahm. Das Label Mercury ließ sie fallen. Doch sie ließ sich nicht entmutigen, zog 1970 ausgerechnet an die Wiege ganz anderer revolutionärer Musik, nach Kalifornien.

          Radikale Wende mit Kurzhaarfrisur

          Den Songs, die sie selbst schrieb und etwa auf dem Album „Someplace Else Now“ (1972) veröffentlichte, war allerdings kein Erfolg beschert. Wie unbarmherzig in solchen Dingen die Musikindustrie sein kann, sieht man daran, dass man solche Alben heute nicht einmal auf CD oder digitalisiert findet. Mit Quincy Jones, ihrem frühen Mentor, arbeitete sie 1976 dann nochmals zusammen und vollzog mit dem Album „Love Me By Name“ eine radikale Wende: Das war reinster Disco-Funk, und Gores Aerobic-Image mit Kurzhaarfrisur vermittelte wiederum ein neues Frauenbild, fünf Jahre bevor Olivia Newton-John „Let’s Get Physical“ sang.

          Kommerziell reüssierte Lesley Gore allerdings nur noch einmal mit dem Song „Out Here on My Own“, den sie gemeinsam mit ihrem Bruder für Irene Cara und den Tanzfilm „Fame“ (1980) schrieb. Von 1982 an nahm sie keine Musik mehr auf und trat allenfalls als ehemaliger Oldie-Star auf; erst 2005 veröffentlichte sie das vom Rückblick geprägte, ruhige und nicht allzu originelle Singer/Songwriter-Album „Ever Since“. In der Zwischenzeit hatte sich die Sängerin beim Fernsehen verdingt und zunehmend für Frauenrechte sowie jene von Homosexuellen eingesetzt. 2005 outete sie sich selbst als lesbisch. Die Dominanz der Männer Pop-Geschäft hat sie kritisiert. Im Alter von 68 Jahren ist die als Lesley Sue Goldstein Geborene am Montag an Lungenkrebs gestorben.

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