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Zum Tod von Eddie Money : Geber und Nehmer

  • -Aktualisiert am

Im Alter von siebzig Jahren ist Eddie Money in Los Angeles gestorben. Bild: Reuters

Einer, der Performertum, die richtige rauhe Stimme und das beste Aussehen weit und breit hatte: Zum Tod des ehemaligen Polizisten und Herausforderers von Disco und Punk, Eddie Money.

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          Wer in der zweiten Hälfte der Siebziger noch etwas werden wollte im zu dieser Zeit so gut wie mausetoten Rock’n’Roll, der musste allerhand mitbringen. John Mellencamp brauchte Jahre, bis man ihn endlich ernst nahm, nachdem er sich in den Spätausläufern des Glamrock verzettelt und sich Namen wie Little Bastard oder, schon weniger peinlich, John Cougar hatte verpassen lassen. Edward Joseph Mahoney, der damals auf die dreißig zuging, packte es geradliniger an, nannte sich griffig Eddie Money, kam bei Columbia Records unter Vertrag und präsentierte sich auf Anhieb als profunder Herausforderer von Disco und Punk.

          Edo Reents

          Redakteur im Feuilleton.

          Das vom einstigen Doors-Toningenieur Bruce Botnick mit zeitloser Durchschlagskraft produzierte, titellose Debüt von 1977 enthielt zwei Hits („Baby Hold On“ und „Two Tickets to Paradise“), die aber noch nicht einmal die besten Lieder waren. Erst an mit souveräner Verzögerung vorgetragenen Krachern wie „Don’t Worry“, „Got to Get Another Girl“ und „Wanna Be a Rock’n’Roll Star“ wurde spürbar, was Eddie Money alles hatte: ein Performertum, das die Beherrschung von Gitarre, Schlagzeug und Saxophon einschloss, eine nicht gerade voluminöse, aber geschickt eingesetzte, rauhe Stimme, erstklassige Begleiter, unter denen der Brachialgitarrist und Co-Songschreiber Jimmy Lyon, der die entscheidenden Töne glutvoll und lange zu halten wusste, hervorragte und schließlich das beste Aussehen (schmalgliedrig, leicht feminin) weit und breit. Obendrein legte er die überzeugendste, gerade nicht kongeniale Version von Smokey Robinsons Motown-Stück „You Really Got a Hold on Me“ vor, die ausnahmsweise seine tiefe Affinität zu Blues und Rhythm & Blues ahnen ließ.

          Mit diesem Einstand bewies Eddie Money Geber- und Nehmerqualitäten, die er sich, bevor er nach Kalifornien übersiedelte, als Polizeibeamter in Brooklyn zu einer Zeit angeeignet hatte, als New York richtig gefährlich war. „Life For The Taking“ (1978) wurde dann sein absolutes Meisterwerk, hart, dröhnend und bisweilen hinterhältig schleppend. Hier gab Eddie Money buchstäblich alles, von den knochentrocken eingespielten Mid- und Uptempo-Nummern bis hin zur quälend-genießerisch sich dahinschleppenden Ballade, in die Jimmy Lyons Jauelei effektvoll einbricht. Das federnde, westcoast-hafte „Gimme Some Water“ war der (bessere) Prototyp für „Take Me Home Tonight“ (1986), das sein bekanntester Song werden sollte.

          „Playing For Keeps“ (1980) und, vom Soulrock-Veteranen Tom Dowd produziert, „No Control“ (1982, mit dem bewegenden „It Could Happen to You“) hielten das Niveau, dass Eddie Money auch in der Folge selten unterschritt. Ganz gingen die Zeitläufte nie über ihn hinweg; dafür sorgten schon die Fernsehserien, mit denen seine Musik beschallt wurde und in deren einer er sich sogar selbst spielte. So wurde er, neben Bob Seger, Bruce Springsteen und John Mellencamp, eine der eindrücklichsten, unprätentiösesten Figuren, die der Rock noch hatte, nachdem er, wie Frank Zappa nie gesagt hat, schon angefangen hatte, komisch zu riechen. Im Alter von siebzig Jahren ist Eddie Money nun in Los Angeles gestorben.

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