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Zum Tod von Bobby Keys : Der Herr Braunzucker

  • -Aktualisiert am

Mr. Brown Sugar: Bobby Keys auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2013 Bild: dpa

Sein süffiges Spiel machte britischen Blues aufregend: Zum Tod des Saxophonisten und Rolling-Stones-Mitspielers Bobby Keys.

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          Die Rolling Stones waren immer mehr als fünf. Der Pianist Nicky Hopkins gehörte ebenso zu ihnen wie der Saxophonist Bobby Keys. Der stämmige Texaner, der übrigens am selben Tag geboren wurde wie sein Freund Keith Richards, war in der absoluten Meisterphase festes Ensemblemitglied und bereicherte die Band mit einem ausgesprochen süffigen Spiel, das maßgeblich mit dazu beitrug, dass dieser britische Blues so aufregend klang.

          Edo Reents

          Redakteur im Feuilleton.

          Erstmals spielte Keys 1969 auf „Live With Me“ von der Platte „Let It Bleed“ mit. Die hedonistischen Töne, die er hier kraftvoll herauströtete, verliehen dem Klang etwas Großstädtisches. Nicht zufällig orientierte Keys sich an dem frühverstorbenen King Curtis, dem wohl wichtigsten Saxophonisten, den es im Rhythm&Blues und im Soul seinerzeit gab.

          Epoche machte dann seine Mitwirkung bei dem noch im selben Jahr in Muscle Shoals, Alabama, eingespielten und 1971 auf „Sticky Fingers“ veröffentlichten „Brown Sugar“. Dieses Lied wurde auch dank Keys jener Klang gewordene Hedonismus, als den sich die Rolling Stones damals auch insgesamt verstanden. Keys’ Solo schwappte auf der gewaltigen Rhythmus-Bugwelle fast über und war so markant, dass er sich auf einer anschließenden Solotournee „Mr.Brown Sugar“ nannte.

          In goldener Zeit

          Diese Reverenz hatte er aber auch nötig, weil die Rolling Stones ihn inzwischen schon wieder hinaus geschmissen hatten – der lebenslustige, ausgesprochen trinkfreudige Mitspieler hatte einfach einen Termin verschwitzt. Bezeichnenderweise ging es aber auch mit den Stones selbst langsam bergab. Auf dem Meisterwerk „Exile On Main St.“ und dem bereits schwächeren Album „Goats Head Soup“ hatte Keys seine ganze Klasse aber noch einmal ausgespielt.

          Die frühen Siebziger waren für einen Instrumentalisten wie ihn eine wahrhaft goldene Zeit. Überall, wo im Umfeld von Rock, Blues, Soul und Gospel eine durchschlagskräftige Bläser-Sektion gebraucht wurde, war Bobby Keys dabei, oft an der Seite des kongenialen Trompeters Jim Price. Fast der gesamte britische und amerikanische Rock-Adel griff auf ihn zurück; die Platten, auf denen er mitspielte, ergeben eine mehr als stattliche Sammlung.

          Noch im Sommer in Berlin

          Und irgendwann wurde er auch von den bösesten Buben in Ehren wieder aufgenommen. Noch im Sommer war er mit ihnen in Berlin auf der Bühne, sehr gesund sah er allerdings nicht mehr aus. Die Rolling Stones verlasse man normalerweise nicht lebend, hat Keith Richards einmal gesagt. Das gilt leider auch für assoziierte Mitglieder: Nicky Hopkins ist längst tot. Nun ist auch Robert Henry „Bobby“ Keys im Alter von siebzig Jahren gestorben.

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