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Zum Tod von Bob Babbitt : Bassgenie

Bob Babbitt, hier bei einem Konzert mit den „Funk Brothers“ Bild: Luke Palmisano/AP/dapd

Er war der Weiße im Detroiter Hexenkessel der schwarzen Musik: der virtuose Bassist Bob Babbitt. Jetzt ist er nach schwerer Krankheit im Alter von 74 Jahren gestorben.

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          Er war der Weiße in dem Hexenkessel der schwarzen Musik, der Detroit in den sechziger und siebziger Jahren war, und er spielte für Motown, der nach Detroit, der motor town, benannten Plattenfirma von Marvin Gaye und Diana Ross und Stevie Wonder und den Temptations und den Four Tops und den Supremes und Smokey Robinson - einer Hitmaschinerie, deren Treibstoff neben all diesen fabelhaften Sängern eine feste Studioband war, deren Mitglieder aber nie genannt wurden, obwohl sie auf all den legendären Alben spielten, die den Stolz nicht nur von Motown, sondern der ganzen Soulmusik ausmachen. Und einer dieser namenlosen Virtuosen, ebender Weiße in der Rhythmussektion, war Bob Babbitt.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Babbitt, 1937 als Sohn ungarischer Einwanderer in Pittsburg geboren, spielte Bass, und er lernte das erst richtig von James Jamerson, dem Mann am ersten Pult in dieser Instrumentengruppe, wenn man mal Kriterien der klassischen Orchester auf Motown übertragen will. Jamerson nahm den um ein Jahr älteren Babbitt unter seine Fittiche, doch als der Meister 1983 jung starb, war der Lehrling längst schon flügge geworden, hatte die Firma verlassen und spielte nun vor allem für Stars, die den alten Motown-Klang verehrten, darunter Frank Sinatra, Elton John oder Phil Collins.

          Sein Name aber wurde einem breiteren Kreis erst bekannt, als 2002 der großartige Dokumentarfilm „Standing in the Shadows of Motown“ über die Studioband berichtete, die sich dafür unter dem Namen The Funk Brothers wiedervereinigt hatte. Bei einem für den Film mitgeschnittenen Konzert hatte Babbitt einen unvergesslichen Auftritt, nicht nur als Musiker, sondern auch, weil er ein Foto des toten James Jamerson auf einen eigens auf der Bühne freigelassenen Stuhl stellte: Ein Bassgenie ehrte das andere. Seit vergangenem Dienstag ist nun auch Babbitts Platz verwaist; er starb nach schwerer Krankheit im Alter von 74 Jahren in Nashville.

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