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Walter Becker von Steely Dan : Informiertheit schützt nicht vor Erfolg

  • -Aktualisiert am

Walter Becker (links) mit Donald Fagen von Steely Dan Bild: AP

Er machte Rock für Leute, denen Rock zu dumm ist: Zum Tod des Steely-Dan-Mannes Walter Becker.

          Walter Becker und Donald Fagen starteten ihre Karriere, ob nun aus Zufall oder nicht, just in der Zeit, als ihre Heimatstadt New York von Los Angeles als Rock- und Pophauptstadt abgelöst wurde. Es wird aber nicht der sich an der Westküste alsbald breitmachende Folk- und Softrock gewesen sein, der die damals noch unfassbar jungen Männer dorthin gelockt hat; dafür waren sie musikalisch zu informiert und zu ironisch. Trotzdem gelang es dem Produzenten Gary Katz, sie als Hauskomponisten für die Plattenfirma ABC zu gewinnen – zwei Intellektuelle, die den Hippies was schreiben sollten. Da dies naturgemäß nicht funktionierte (vielleicht mit Ausnahmen wie dem vorzüglichen Song „Dallas“ für die Gruppe Poco), spielten sie ihr Material kurzerhand selbst ein.

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          So entstand, benannt in Anspielung auf den Roman „Naked Lunch“ von Williams S. Burroughs, Steely Dan, das respektierteste, stilsicherste Jazzrock-Duo der Geschichte, das zugleich mehr und weniger als eine Band war. Anfangs waren sie zu sechst, später waren auf den immer perfektionistischeren, wenigen Platten mehr als drei Dutzend durchweg sehr versierte Musiker dabei. Becker, der mit seinen langen Spaghetti-Haaren und der dunklen Brille unfassbar cool aussah, spielte Bass und sehr minimalistisch Gitarre, Fagen seine suggestiven Keyboards. Das Debüt „Can’t Buy A Thrill“ gehörte mit seinem Eklektizismus zusammen mit dem von Stealers Wheel zu den Popwundern das Jahres 1972, war aber ein Missverständnis. Diese vergleichsweise rockigen, mit vorbildlichen Harmonien unterlegten Klänge blieben eine Eintagsfliege. Das Hauptlied „Do It Again“ deutete die weitere Richtung an: ein nie mehr wesentlich veränderter, nur noch verfeinerter, unterkühlter, fast klinischer Musizierstil, der sich inmitten des überschwappenden Westcoast-Rock äußerst fremd ausnahm. Zwar gab es immer mal Pop-Appetithappen wie „Rikki Don’t Lose That Number“; aber was Becker und Fagen fast in Anonymität fabrizierten, war im wesentlichen ein alsbald auch nicht mehr live aufführbarer Songkatalog, den auch strengere Jazz-Kritiker zum Wertvollsten des Jahrzehnts rechnen.

          Nach einer überlangen Pause, die Becker nutzte, um vom Heroin loszukommen, auf Hawaii Avocados anzupflanzen und ein sperriges Soloalbum namens „11 Tracks Of Whack“ (1994) herauszubringen, machten die beiden weiter, als wäre nie etwas gewesen. Mit „Two Against Nature“ schnappten sie der R&B- und Hip-Hop-Konkurrenz, die sich Beckers swingende Bassläufe längst zum Vorbild genommen hatte, vier Grammys vor der Nase weg. Endgültig war damit der Beweis erbracht, dass distanzierte, erwachsene Popmusik möglich ist und auch geschätzt wird.

          Steely Dan aber sind nun Geschichte. Walter Becker ist am Sonntag im Alter von 67 Jahren gestorben.

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