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Zum Tod des Gitarristen Jim Hall : Der leise Gigant

  • -Aktualisiert am

Die Klassik in elektronische Welten hinüberretten: Jim Hall Bild: AP

Ein Großer an der Seite von Großen: Jim Hall, einer der einflussreichsten und einfühlsamsten Gitarristen des Jazz, ist im Alter von 83 Jahren gestorben.

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          Im Jazz kann man die großen Gitarristen noch zählen, in der Rockmusik nicht mehr. Das hat seine Gründe: Das Kultbild des Rock ist der an seinen Verstärker wie an eine Herzlungenmaschine angeschlossene E-Gitarrist, die Ikonographie des Jazz aber wird bestimmt vom Saxophonisten, der seinem gebogenen Rohr die gebogenen Töne des Bebop entlockt. Gitarristen waren im frühen Jazz akustisch nicht durchsetzungsfähig. Und als sie es Charlie Christian nachmachen wollten und ihr Instrument elektronisch zu verstärken begannen, hatte sich das Blatt der Gunst in den Augen und Ohren einer jungen Öffentlichkeit längst gewendet. Gitarre, das war das Popinstrument schlechthin geworden, und es ist kein Zufall, wenn viele Jazzgitarristen – von Volker Kriegel zu Pat Metheny und von George Benson zu John McLaughlin – zur Fusion mit der Rockmusik tendierten.

          Jim Hall gehörte zu den einflussreichsten Gitarristen des Jazz seit den frühen sechziger Jahren. Das Erstaunliche aber ist, dass er es wurde, obwohl er seine E-Gitarre oft so spielte, als wollte er den Klang einer unverstärkten klassischen Gitarre mit ihren feinen Abstufungen in die Welt der Elektronik hinüberretten. Es gibt kaum einen einfühlsameren, lyrischeren, melodischer improvisierenden Gitarristen des modernen Jazz. Jim Hall war ein leiser Gigant, der sich nicht zu schade war, mit seinem sparsamen, nie die Töne nur so heraussprudelnden Spiel andere Größen wie Ella Fitzgerald oder Gerry Mulligan, Sonny Rollins oder Jimmy Guiffre zu begleiten. Am besten aber kam sein introvertierter, singender Gitarrenton zur Geltung in den vielen Trio-Aufnahmen und Duo-Einspielungen, die er mit dem Bassisten Ron Carter, dem Gitarristen Bill Frisell oder dem Pianisten Oscar Peterson, mit Tommy Flanagan und Percy Heath herausbrachte.

          Zu den Meilensteinen intimer Jazz-Aufnahmen gehört etwa Jim Halls „Undercurrent“ mit dem Miles-Davis-Pianisten Bill Evans aus dem Jahr 1963, ein Musterbeispiel filigraner Kontrapunktik und eine der harmonisch schlüssigsten, man könnte auch sagen: schönsten Einspielungen in der Geschichte des Jazz. Hall hat auch einige bemerkenswerte Aufnahmen mit klassischen Musikern gemacht und war als Lehrer – Pat Metheney gehörte zu seinen Schülern – überaus gefragt. Am Dienstag ist der bis zuletzt aktive Gitarrist in seinem Appartment im Greenwich Village von New York dreiundachtzigjährig gestorben.

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