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Roxette-Sängerin Fredriksson : Die bessere Hälfte

  • -Aktualisiert am

Scheinbar anstrengungslos: Marie Fredriksson 2015 Bild: dpa

Es ist eine seltene musikalische Gabe, heftige Gefühle zu verstärken und gleichzeitig ein wenig über sie hinwegzuhelfen: Zum Tod der begnadeten Marie Fredriksson.

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          Nachdem Abba das erste große Kapitel „Schwedenpop“ ein für allemal geschlossen hatten, schlugen Marie Fredriksson und Per Gessle in den späten achtziger Jahren ein zweites auf, das in Zeiten, in denen sich die Vertriebswege zu wandeln begannen und der Mainstream kleiner wurde, nur noch annähernd so groß sein konnte, dies aber immerhin war. Roxette machten, wie zuvor die vier Vorgänger, den Radioknopfdruck noch einmal zu einer lohnenden Sache. „The Look“ war 1988 der Beginn einer so lange nicht mehr gehörten Reihe von Volltreffern, die sämtlich die Zutaten für den größtmöglichen Massenerfolg hatten: Eingängigkeit, eine gepflegte, im Grunde bloß angetäuschte Ruppigkeit und, in den Balladen, reichlich Sentiment, an dessen Künstlichkeit sich niemand zu stören brauchte.

          Edo Reents

          Redakteur im Feuilleton.

          Nicht vielen Musikern wäre es damals zuzutrauen gewesen, für die todtraurige Fast-Abschiedsszene von „Pretty Woman“ (1990) mit Julia Roberts in der Luxuslimousine einen Song wie „It Must Have Been Love“ beizusteuern, der von derselben Makellosigkeit war wie der Film selbst und der eine entscheidende Funktion von herkömmlicher Popmusik überhaupt erfüllte: Gefühle, Liebe wie Verlassensein, zu verstärken und gleichzeitig ein wenig darüber hinwegzuhelfen.

          Per Gessle hatte, wie Dieter Bohlen bei Modern Talking, das Pech, nicht singen zu können; dafür wusste er wie kaum ein Zweiter, welche Knöpfe er zu drücken hatte und stellte seiner Partnerin als ausgebuffter Komponist, der die hohe Kunst der Einfachheit beherrschte, auch danach noch die passenden Gewänder zur Verfügung wie Richard Gere Julia Roberts. Und Marie Fredriksson sang das alles weg wie nichts, fast anstrengungslos und ohne technische Unsicherheiten in ihrer sich zur Not auch in strahlende Höhen hinaufschraubenden Stimme und mit einer Anmut, die dank ihrer Kurzhaarfrisur immer einen Zug ins Burschikose oder Androgyne hatte. „Spending My Time“ und „Crash! Boom! Bang!“ waren in den Neunzigern ein Schmachtmittel, dem zu widerstehen man schon ein besonders kaltes Herz haben musste.

          Obwohl die Qualität nie nennenswert nachließ, trat irgendwann das Gemacht-Kalkulierte dieser Musik hervor, die Magie verwehte. Marie Fredriksson erkrankte schwer, kam mit Gessle noch mehrmals zurück und ist nun im Alter von 61 Jahren gestorben.

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