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„Love Family Park“ : Technofans suchen ein Partygelände

Es war einmal: Von 1998 bis 2013 wurde auf den Hanauer Mainwiesen gefeiert Bild: Lucas Bäuml

Der Naturschutz hatte das Festival „Love Family Park“ aus Hanau vertrieben. Das gleiche Schicksal droht nun auch in Rüsselsheim. Doch der Veranstalter kann die Kritik nicht akzeptieren.

          2 Min.

          Die Macher des Techno-Festivals „Love Family Park“ kämpfen um eine Fläche, auf der sie die Musikparty ausrichten können. Dafür wünschen sie sich eine Wiese, ein schönes Areal im Grünen, etwa das Mainvorland in Rüsselsheim, wie der Veranstalter Robin Ebinger in Hanau sagte.

          Jan Schiefenhövel
          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Festival gibt es seit mehr als 20 Jahren, zuerst war es mehr als ein Jahrzehnt in Hanau zu Hause, dann fand es in Mainz und in Rüsselsheim statt. Dort war das Mainvorland das Festgelände. Zwanzigtausend Besucher kamen, um sich einen Tag lang an Techno-Klängen zu berauschen. Wegen der Pandemie fiel das Festival im vergangenen Jahr aus, auch in diesem Sommer ist eine solche Großveranstaltung nicht möglich. So planen die Organisatoren schon für das nächste Jahr.

          Allerdings ist die Perspektive für die Saison 2022 unsicher, wie Ebinger sagt. Am liebsten würde er die Lautsprecher wieder am Mainufer in Rüsselsheim aufbauen. Doch dagegen wurde schon in den vergangenen Jahren Kritik laut.

          Elf Jahre lang auf den Mainwiese getroffen

          Wegen des Naturschutzes gab es Bedenken gegen ein Treffen so vieler Menschen auf den Wiesen am Fluss. Aus diesem Grund hatte das Festival vor Jahren schon seinen angestammten Platz in Hanau verlassen müssen. Elf Jahre lang hatten sich die Techno-Fans auf den Mainwiese nahe der Brücke der Bundesstraße 43 a, zwischen dem Hafen und dem Stadtteil Großauheim, getroffen. Diese Wiesen liegen im Landschaftsschutzgebiet, jedes Jahr wurde von Neuem eine Ausnahmegenehmigung für Love Family Park gegeben, bis die Naturschutzbehörde im Regierungspräsidium und das hessische Umweltministerium die Nutzung der geschützten Mainwiesen untersagten.

          Nach dem Umzug: Später fand der Love Family Park in Rüsselsheim statt.
          Nach dem Umzug: Später fand der Love Family Park in Rüsselsheim statt. : Bild: Jana Mai

          Trotz aller Bedenken hält Ebinger an Rüsselsheim als Veranstaltungsort fest. „Das dortige Mainufer ist ein idealer Standort für ein internationales Musikfestival wie Love Family Park.“ Für diese Fläche spreche die einzigartige Kombination aus gutem Verkehrsanschluss, der Nähe zum Flughafen und der landschaftlichen Schönheit des Ufergebiets. Zweimal schon sei Rüsselsheim Schauplatz für den Love Family Park gewesen, 2018 und 2019. Ebinger hebt hervor, die Techno-Fans seien in der Stadt willkommen, die Rüsselsheimer Kommunalpolitik unterstütze das Festival, die Stadtverordneten wollten es in der Kommune halten. Ähnlich sei es auch in Hanau gewesen, die Stadt habe hinter dem Festival gestanden, Organisatoren und Besucher hätten sich dort sehr wohl gefühlt. Der Gegenwind komme nun, ähnlich wie vor Jahren in Hanau, wieder vom Regierungspräsidium und dem Umweltministerium.

          Andere Feste dürfen stattfinden

          Ebinger kann die Kritik nicht akzeptieren. Zwar liege die vorgesehene Rüsselsheimer Fläche im Landschaftsschutzgebiet, doch dort seien schon andere Großveranstaltungen erlaubt worden, etwa ein Ritterfest und ein Oldtimertreffen mit 3000 Besuchern. Auch sonst feierten die Anrainer des Flusses auf den Uferwiesen entlang des Mains ihre Feste, etwa das Bürgerfest in Hanau oder ein Freiluftfest in Offenbach. Musikkultur und Naturschutz schlössen einander nicht aus. Die Techno-Veranstaltung dauere nur einen Tag, die Besucher kampierten nicht auf dem Festivalgelände.

          Der Love Family Park finde große Resonanz in ganz Deutschland und dem Ausland, ein Viertel der Gäste reise von weit her an und schlafe im Hotel. So stelle das Festival für die gastgebende Stadt auch einen wichtigen Wirtschaftsfaktor für Hotellerie und Handel dar. Die Treffen der Technofans liefen friedlich ab, nie habe es Schwierigkeiten mit Gewalt oder Ausschreitungen gegeben. Falls das Rüsselsheimer Mainvorland im nächsten Jahr dennoch nicht zur Verfügung stehe, suche man eine andere Fläche im Rhein-Main-Gebiet oder zumindest in Hessen. Ebinger: Die übergeordnete Naturschutzbehörde des Landes müsse sich mit den Veranstaltern an einen Tisch setzen, um eine Lösung für den Love Family Park zu suchen.

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