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Rapperin Ebow : Mit Özil im selben Benz

  • -Aktualisiert am

Hiphop als Kunst der Widersprüche: Ebow in Berlin Bild: Mirza Odabaşı

Es geht um Identität, Sexualität, Feminismus und Selbstbestimmung: Die Rapperin Ebow hat gerade ihr drittes deutschsprachiges Album veröffentlicht. Es heißt „K4L“: Kanack for Life. Eine Begegnung in Berlin.

          Zehn Uhr morgens in Berlin, am Rande von Prenzlauer Berg. In einem Uber mit leichter Verspätung angerauscht kommt: die deutsche Musikerin, die eines der relevantesten Musikalben des Frühjahrs veröffentlicht hat. Ebru Düzgün ist noch leicht verschlafen, als Künstlerin performt sie als blaqtea und ist Teil des englischsprachigen Future-R’n’B-Trios Gaddafi Gals. Als Ebow wiederum hat sie gerade ihr drittes deutschsprachiges Rap-Album veröffentlicht: „K4L“: Kanack for Life. Ebow verpackt die gegenwärtigen Diskurse über Identität, Sexualität, Feminismus und Selbstbestimmung in Pop-Musik.

          Ein Star ist Ebru Düzgün noch nicht, aber trotzdem wollen gerade eine Menge Leute etwas von der in Wien lebenden Rapperin, die jetzt auf Tour geht. Am Tag unseres Treffens steht ein Dreh für „Auf Klo“ an – eine Talk-Sendung von ZDF Funk, die sich Themen wie Schönheitsidealen, Rassismus, Gender und Sexualität widmet. Fragt man nach dem internationalen Pendant zu Ebow, also einer Künstlerin, der eine Allianz aus inhaltlicher Relevanz, musikalischer Finesse und publikumstauglicher Präsentation in den letzten Jahren so herausragend gelang, landet man automatisch bei M.I.A. Also bei Mathangi Arulpragasam, die auf ihren weltweit erfolgreichen Alben wie „Kala“ davon erzählte, wie es sich anfühlt, ein in London aufgewachsenes Kind der tamilischen Diaspora zu sein. Für Ebru, die in einer alevitischen Familie aufwuchs, in der selbstverständlich war, politisch zu sein, wurde M.I.A. zu einem musikalischen Vorbild. „Ich konnte mich mit ihr in vielerlei Hinsicht identifizieren. Mit ihrer Darstellung von Weiblichkeit, aber natürlich auch, weil Tamilen und Aleviten ein ähnliches Schicksal teilen.“

          Zwischen M.I.A. und Missy Elliott

          Neben M.I.A. gehörte zu den Idolen von Ebru, die schon als Jugendliche anfing zu rappen, auch die musikalisch ähnlich visionäre US-amerikanische Rapperin Missy Elliott, die um den Jahrtausendwechsel Millionen von Platten verkaufte. Weil Elliott keinen Körper hatte, den der Mainstream als sexy definiert hätte (aber trotzdem sexy Musik machte), wurde sie zum Vorbild für Millionen von Menschen, die anders aussahen oder sich anders fühlten als die jungen Stars, die einem MTV gängigerweise präsentierte.

          Die Musik von Ebow ist weniger zukunftsweisend als M.I.A. und Missy. Als erfahrener Hiphop-Hörer würde man ihren Sound eher als „klassisch“ bezeichnen. Sie rappt hart und stakkatoartig. Ihre Sprachrhythmik ist eindeutig an ihren Inhalten orientiert, obwohl der momentane Hiphop-Stil in die entgegengesetzte Richtung weist. Denn ob in Frankreich, den Vereinigten Staaten oder Deutschland: Die Melodie ist derzeit König, Form und Inhalt sind somit eher Stützpfeiler. „Ich hätte das ja auch machen können: Autotune, den Trends folgen, aber das bin nicht ich. Und auf lange Sicht werde ich hoffentlich besser vorankommen, wenn ich meiner Intuition folge, als dass ich mich gegenwärtigen Trends anpasse“, sagt Ebow.

          Hiphop war und ist, noch mehr als jede andere Musik, unbedingte Gegenwartskunst. Nach mittlerweile vier Jahrzehnten Genre-Historie entstehen mittlerweile zwar auch manieristische und klassizistische Hiphop-Alben, die wichtigsten Künstler und Künstlerinnen waren aber zu jeder Zeit stets die Innovatoren. Also diejenigen, die das musikalische Genre und den dazugehörigen Lebensstil voranbringen. Und die, die die Ex-Macho-Subkultur aktuell mit am stärksten in die Zukunft treiben, sind Frauen.

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