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Der Rapper Money Boy : I Bims

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Ähnlich wie ein Dialekt dient eine eigene Sprache dazu, sich mit einer Gruppe zu identifizieren und sich gegenüber Nicht-Mitgliedern abzugrenzen. Vielleicht nimmt man damit die Sache auch ein bisschen ernst, auf jeden Fall passt es, dass ausgerechnet in den Fan-Foren des Außenseiters Money Boy diese seltsame Sprache entstand. Am Anfang teilten Money Boy und seine Fans dort nur Screenshots absurder Posts, die sie gefunden hatten, „willst du treffen süß“ als Frage an ein Mädchen, so was eben, aber sich über etwas lustig machen ist auch eine Form der Aneignung, und irgendwann klangen Money Boy und seine Fans selbst nach den Postings. „I han“ statt „ich habe“, „skreet“ für „street“. Warum? „Ohne tiefere Bedeutung.“ Der Sinn ist, dass es unsinnig ist.

Lustig ist es dann schon, dass der Dudenverlag also Werbung mit einer Sprache macht und der Langenscheidt-Verlag regelmäßig Begriffe einer Sprache als Jugendwörter des Jahres auszeichnet, deren Vokabeln Money Boy und seine Fans gerade deshalb aus den hintersten Ecken des Internets zusammengeklaubt haben, weil sie so bizarr daneben waren. Und dass in Gestalt von Money Boy ein 36 Jahre alter Kulturwissenschaftler mit Magisterdiplom, ja, das ist der Herr Meisinger nämlich, zum Synonym für Jugendsprache geworden ist, erheitert ebenfalls.

Mit seiner Sprache hat Money Boy nichts verdient, habe er auch nie gewollt, sagt er. „Sprüche-T-Shirts ahne ich jetzt nicht so.“ Das taten dann andere, der Künstler Shahak Shapira mit einer Holyge-Bimbel-Übersetzung, eine Werbeagentur aus Lünen, die sich „I bims“ und „Vong“ als Marken eintragen ließ und die Facebook-Kunstfigur Willy Nachdenklich – für Money Boy einer von vielen Nachahmern, der selbst sieht sich als Miterfinder.

Money Boy ist ein schönes Paradox

In dieser Menschheitsfrage mögen bitte andere entscheiden, ohne Frage aber hat Money Boy Rap auf Deutsch verändert. Die druffen Autotune-Hymnen von Yung Hurn, ganze Lieder über sauteure Markenkleidung von Rin, verwackelte Selfmade-Videos einer Haiyti – dieses Hingerotzte, das „Mir egal“, die ganzen Elemente, die gerade beliebt sind in der Musik und beweisen sollen: Hier hat noch jemand Gefühl, das hat Money Boy vorweggenommen.

Money Boy ist ein schönes Paradox. Er, den alle als den liebsten Kerl bezeichnen und der auch am Telefon so wirkt, hat in seinen Liedern wirklich schon alles penetriert; nach dem Absturz der Germanwings-Maschine machte er darüber auf Twitter erst mal einen Witz. Money Boy, der in manchen Interviews wirkt, als könne er schon deshalb keinen 16er rappen, weil man dafür bis 16 zählen muss, soll ein guter Student gewesen sein; ein guter Student anderer Rapper ist er eh. Mit seiner Punk-Attitüde, dem Ich-mach’s-egal-ob-ich’s-kann, ist er eigentlich auch einer der wenigen Party-Crasher auf der großen Selbstoptimierungsveranstaltung – und zugleich der Beweis, dass das Urversprechen dieser Veranstaltung manchmal halt trotzdem stimmt: Wenn der es geschafft hat, können es wirklich alle schaffen.

Was wäre denn ein echtes Jugendwort 2017?

Kürzlich hat Money Boy den Song „Monte Carlo“ veröffentlicht. Mit fast drei Millionen Klicks ist es sein erfolgreichstes Youtube-Video seit langem. Rap und Money Boy, sie haben sich über die Jahre so weit angenähert, dass Money Boy auf „Monte Carlo“ tatsächlich klingt wie ein, ja: normaler Rapper.

Ach so, eine Sache noch. Wenn man schon mal den Präger der Jugendsprache am Telefon hat. „I bims“, das kürzlich zum Jugendwort des Jahres gewählt wurde, ist doch uralt – was wäre denn ein echtes Jugendwort 2017? „Ahnbar vielleicht“, sagt Money Boy, „belastend. Oder corny. Nee, ich überleg noch mal“, und am Ende fällt ihm dann was ein. „Am Poppen! Das benutze ich grad oft. Also nicht im Sinne von ficken. Eher so: Der Boy ist back am Poppen.“ Na dann.

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