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Der Rapper Money Boy : I Bims

  • -Aktualisiert am

„Ich war früher auch mal ein krasser Eminem-Fan“, sagt Money Boy am Telefon, „und habe versucht zu rappen wie er. Aber wenn man sich an einem der besten Rapper der Welt orientiert, wird das halt schwierig. Dann habe ich mich Gucci Mane und Soulja Boy zugewandt, die auch rappen können, aber eher einen Vibe bringen.“

Mit seiner Sprache hat Money Boy nichts verdient, habe er auch nie gewollt, sagt er.
Mit seiner Sprache hat Money Boy nichts verdient, habe er auch nie gewollt, sagt er. : Bild: Erik Schütz

Ein Vibe, ein Gefühl, das fehlte Money Boy im deutschen Rap. Der steckte damals in einem Dazwischen: Einerseits noch immer dominiert von Straßenrap – in der ursprünglichen Form (Sido, Bushido), der komplexer getexteten (Kollegah) und der komplex getexteten Parodie auf beide und den Rest der Welt (K.I.Z.) – gelang es Peter Fox, Marteria und Casper langsam, Pop im Hiphop zu etablieren, und damit Hiphop im Pop.

Money Boy überflutete die Welt auf allen Kanälen

Sie alle aber einte, dass selbstverständlich alles immer besser werden musste: die Reime komplexer, die Flows variabler, die Videos teurer. Und dass sie – lange das wichtigste Wort im deutschen Rap, das viele Rapper trotzdem nicht auf Anhieb fehlerfrei über die Lippen brachten – Authentizität hatten. Klar war Bushido der harte Typ, über den er rappte; natürlich hatte Casper wirklich einen Freund verloren. Mit seinem zusammengestolperten „Dreh den Swag auf“ zeigte Money Boy den Rappern und ihren Fans aber, dass sie sich vielleicht ein bisschen ernst nahmen. Ein bisschen humorlos waren. Und sie verachteten ihn ja dann auch ganz humorlos und verlachten ihn.

„Ich dachte, nach ,Dreh den Swag auf‘ wollen alle mit mir zusammenarbeiten, aber die haben mich bloß gedisst“, sagt Money Boy. „Mir war es aber auch nicht so wichtig. Ich wollte Aufmerksamkeit und Auftritte machen, keinen Respekt für meine Kunst. Und eine kleine Fanbasis gab es ja.“

Money Boy, der ein großer Amerika-Fan ist, ein guter Basketballer und besonders die Südstaaten und deren proletige Hiphopkultur liebt, auch den Trash, nahm sich wieder seine Helden dort zum Vorbild: Er überflutete die Welt auf allen Kanälen. Mit kostenlosen Mixtapes im Wochentakt, Auftritten auf Abipartys und bei Privatsendern und eben mit Social-Media-Posts. Und plötzlich konnte er von Rap leben. Er war – na ja, für die meisten nicht unbedingt Rapper. So eine Art Rap-Clown.

Rechtschreibung verweigert Money Boy

An dieser Stelle ein Geständnis. Eigentlich sollte das kein Text über Money Boy werden, sondern ein Interview mit Money Boy und einem Sprachwissenschaftler über den Einfluss von Hiphop auf die Sprache. Wir waren sogar schon da, der Sprachwissenschaftler Markus Kunzmann von der Ludwig-Maximilians-Universität München, der in der Jury für das Jugendwort des Jahres sitzt, die Fotografin, ich, wir warteten an einem Novembernachmittag im Hof eines Wiener Wohnhauses im 6. Bezirk. Nur Money Boy, der fehlte.

Ist das jetzt richtige Musik? Money Boy live.
Ist das jetzt richtige Musik? Money Boy live. : Bild: Iken Keune

Es tue ihr sehr leid, sagte eine Mitarbeiterin von ihm, die schließlich in den Hof kam. Der Herr Meisinger liege im Krankenhaus. Atemprobleme. Wirklich kein Interview. „Dabei ist er eigentlich sonst sehr robust.“ Also sitzt man kurz darauf in einem Wiener Kaffeehaus, ein Sprachwissenschaftler aus München, der Interviewer aus Berlin, zwei mehr oder weniger erwachsene Männer, die sich darüber unterhalten, wie ein anderer erwachsener Mann, Money Boy, spricht, und damit die Jugend.

Wodurch zeichnet sich Money Boys Sprache aus?

Er nimmt zum Beispiel einen englischen Wortstamm und konjugiert ihn wie im Deutschen. Er sippt. Er cookt. Oder er verweigert die Konjugation ganz. Er räumt nicht das Zimmer auf. Er ist das Zimmer am Aufräumen tun.

Rechtschreibung verweigert er auch.

Es ist eine Regelverletzung bis auf die graphematische Ebene: Ich verwende nicht nur ein anderes Wort, ich spreche es nicht nur anders aus, ich schreibe es auch total falsch, aber regelmäßig falsch.

Der Sinn ist, dass es unsinnig ist

Aber warum?

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