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Analyse der Siegertitel : Wie gewinnt man eigentlich den Eurovision Song Contest?

In einem anderen Bereich wirkten Lordi deutlich weniger inspirierend: Seit ihrem Sieg gewann keine einzige richtige Band mehr. Emmelie de Forest hatte 2013 bei „Only Teardrops“ immerhin zwei Trommler dabei, von denen einer gelegentlich in eine Flöte blies. Ansonsten: Synthesizer, wohin man hört. Und ein einsamer Auftritt eines Xylophons.

War „Hard Rock Hallelujah“ also wirklich ganz anders als die übrigen Siegertitel? Ach wo. Stellen Sie sich den Refrain mal ganz bedächtig auf dem Klavier gespielt vor, die „Angels“ und das „Hallelujah“ im Text dürfen bleiben, der Sphärengesang der Keyboarderin ebenfalls. Jetzt denken Sie sich Elton John als Sänger. Und siehe da: Das Ding ist ein lupenreiner Schlager, und zwar ein echt eingängiger. Um das singen zu dürfen, würde Helene Fischer wahrscheinlich kleine Katzen ermorden.

Kommen wir nun zu dem, was eingefleischte ESC-Fans beinahe für entscheidender halten als das Lied selbst: die Startnummer. Wer in der ersten Hälfte des Abends antreten muss, gilt vielen schon im Vorhinein als Verlierer. Das liegt zum einen daran, dass etliche Zuschauer erst später einschalten und die ersten Nummer einfach verpassen. Und zum anderen an der Funktionsweise unseres Gedächtnisses, das neuere Erinnerungen meist viel lebhafter verkauft als ältere. It's not a bug, it's a feature: Vergessen kann ein Segen sein, und gerade an einem durchschnittlichen ESC-Abend geschieht einiges, was der Erinnerung nicht wert ist.

Doch den frühen Kandidaten schadet dieser Effekt: Hat nicht vorhin schon mal jemand toll gesungen? Egal, die letzten drei waren auch toll. Das führt zu einem Diagramm, das tatsächlich für den späten Startplatz spricht: In den vergangenen zehn Jahren konnte niemand mit einer einstelligen Startnummer den Wettstreit für sich entscheiden. Den schlechtesten Ausgangspunkt unter den Siegern hatte demnach Conchita Wurst, die trotz Startplatz elf gewann.

Und wozu das alles? Für die Zukunft!

Folgende zehn Tipps für ehrgeizige Kandidaten lassen sich daraus ableiten:

  1. Seien Sie eine Frau.
  2. Wählen Sie einen einfachen Text und Titel. Sehr einfach. So einfach wie irgend möglich.
  3. Verzichten Sie auf eine Rückung. Entscheiden Sie sich für eine simple Moll-Tonart, und ziehen Sie‘s durch.
  4. Setzen Sie früh einen Knalleffekt und wiederholen Sie ihn mehrmals, bis er sich noch dem letzten Nebenbeibügler eingeprägt hat.
  5. Bloß keine Experimente beim Aufbau des Liedes! Das Schema F hat sich bewährt.
  6. Machen Sie schnell. Oder machen Sie langsam. Aber bitte kein mittleres Tempo.
  7. Holen Sie sich Tänzer, Sängerinnen und eine dekorative Flöte auf die Bühne. Blinklichter, Trickkleider, Pyro-Show – Hauptsache, es knallt.
  8. Niemand braucht echte Instrumente. Ein Synthesizer vom Band tut es auch.
  9. Ergaunern Sie sich eine späte Startnummer.
  10. Falls das alles nicht klappt: Alternativ sollten Sie ein Abendkleid zum Vollbart kombinieren und echt gut singen. Das hebelt die meisten Gesetzmäßigkeiten aus.

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