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„White Stripes“ : Wir lassen den Song die ganze Arbeit machen

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Die „White Stripes”: Jack und Meg White Bild: Indigo

Mit zeitlosen Blues-Klängen haben die „White Stripes“ die Charts erobert. Demnächst geht das minimalistische Duo mit seinem neuen Album auf Welttournee. Ein Gespräch über Freiheit, Amerikas Südstaaten und die Sesamstraße.

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          Mit zeitlosen Blues-Klängen haben die „White Stripes“ die Charts erobert. Demnächst geht das minimalistische Duo mit seinem neuen Album auf Welttournee. Ein Gespräch über Freiheit, Amerikas Südstaaten und die Sesamstraße.

          Das neue Album der „White Stripes“ klingt wie immer bluesig und punkig, aber außerdem auch nach dem Heavy Metal und Psychedelic Rock der späten Sechziger und frühen Siebziger, manchmal fast wie „Black Sabbaths“ Klassiker „Paranoid“. Wie kommt es zu solchen Einflüssen? Sie sind doch viel zu jung.

          Jack: Der Synthesizer, den wir benutzen, klingt vielmehr nach den vierziger Jahren, nach „Telstar“ und Joe Meek, also nach den frühen Tagen des Rock 'n' Roll. Auch die Art, wie wir Texte einsetzen, hat nichts mit Heavy Metal gemein; es ist eine besondere Art von Sprechgesang, die auch nichts mit Rap zu tun hat. Wir setzen uns nicht hin und überlegen, was für eine Art Song wir machen wollen. Wir lassen den Song die Arbeit selbst machen: Wir manipulieren und komprimieren ihn, ohne ihn zu kontrollieren. Viele können die Arbeitsweise von Musikern nicht verstehen. Selbst die Fans denken, der Künstler setzt sich hin und fragt sich: Soll ich eine Platte machen, die so gut ist wie „Sgt. Pepper's“? Soll ich singen wie Frank Sinatra? Wenn der Künstler die Wahl hätte, würde er das vermutlich machen. Aber so einfach ist das nicht. Wenn Musik wie Mathematik funktionieren würde, dann würde jeder ein Album machen, das genauso gut ist wie „Revolver“. Ein Künstler kann zwar versuchen, den Sound von „Black Sabbath“ nachzuspielen, aber er wird vermutlich scheitern. Wenn eine Band nach „Paranoid“ klingt, dann passiert das eher zufällig.

          John Peel, der inzwischen verstorbene große Radio-DJ, hat die Bedeutung der „White Stripes“ mit der von Jimi Hendrix und den „Sex Pistols“ verglichen. Andere dagegen sagen, Sie sind einfach nur sehr gut im Interpretieren.

          Jack: Alles, was wir bisher gemacht haben, jeder einzelne Song, wie er auch immer klingt, ist Blues. Jimi Hendrix spielte genauso Blues wie wir, ob er nun „Purple Haze“ oder eines seiner gigantischen, explosiven Gitarrensoli spielte, es war Blues. Wir machen Blues.

          Trotzdem ist das neue Album Ihr bisher härtestes.

          Jack: Vielleicht liegt das an dem Song „Prickly Thorn“, mit dem wir angefangen haben, das Album einzuspielen. Alles kam einfach aus uns heraus, ohne dass wir vorher etwas geplant oder abgesprochen hätten. Unsere Version von „Conquest“ etwa habe ich auf einer Mandoline entwickelt. Ich begann zu spielen und zu singen, ohne mir groß zu überlegen, ob ich nicht vielleicht besser eine E-Gitarre nehmen sollte. Es läuft jedes Mal anders ab, und diesmal gab es eben kein Piano, sondern andere Instrumente.

          Meg: Wir haben für das neue Album einen Dudelsackspieler und einen Trompeter engagiert. Beide kommen aus Nashville. Den Trompeter haben wir in einem mexikanischen Restaurant aufgegabelt, wo er in einer Mariachi-Band spielte.

          Jack: „Conquest“ ist eigentlich ein alter Song von der Country-Sängerin Patty Page. Wir haben sehr lange darauf gewartet, ihn endlich mal spielen zu können. Das Original weist große orchestrale Arrangements auf. Also hatten wir für unsere Version die Idee, einen Mariachi darauf spielen zu lassen, um dem Ganzen einen Latino-Touch zu geben. Als er zu uns ins Studio kam, konnte er kein Wort Englisch, und wir mussten einen Übersetzer holen.

          Was bedeutet der merkwürdige Albumtitel „Icky Thump“?

          Jack: „Ecky Thump“ ist eine Phrase aus Nordengland, woher meine Frau stammt. Sie bedeutet so etwas wie „O mein Gott“, „Was soll denn das?“ oder „Ich glaub's nicht!“. Es drückt die Überraschung über etwas aus. Ich habe das „e“ nur durch ein „i“ ersetzt. Es ist eine tolle Metapher, die durch ihre Zwei- und Dreideutigkeit vielseitig einsetzbar ist.

          Die „White Stripes“ bestehen nun schon zehn Jahre. Was schätzen Sie an Ihrem Beruf am meisten?

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