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Musikindustrie : Was macht eigentlich ein Musikverlag?

  • -Aktualisiert am

Die Single „Last Christmas“ garantiert bis heute Tantiemen, die Urhebern oder ihren Erben zustehen. Das Geld kann man freilich auch spenden, wie George Michael es tat. Bild: mauritius images / Selwyn / Alam

Im besten Fall baut er ein Songschreiberwerk auf und pflegt es – aber das tun längst nicht alle Verlage. Songrechte sind in letzter Zeit zu guten Wertanlagen geworden. Darunter leiden die weniger bekannten Urheber.

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          In Nick Hornbys 1998 erschienenem Roman „About a Boy“ kann der Protagonist auskömmlich leben von den Tantiemen eines einzigen Liedes, das sein Vater einst geschrieben hat – eines Weihnachtssongs namens „Santa’s Super Sleigh“. Der ist zwar erfunden, aber die Geschichte könnte wahr sein: Laut einem Bericht des britischen „Channel 5“ verdient im wirklichen Leben etwa die Band Slade jedes Jahr eine Million Pfund an ihrem Lied „Merry Xmas Everybody“, die Band Wham an „Last Christmas“ dreihunderttausend und selbst die ansonsten vergessene Band East 17 an „Stay Another Day“ immerhin noch fast hunderttausend Pfund. Wenn der Urheber einer musikalischen Komposition verstirbt, so wie im Fall von „Last Christmas“ George Michael, können seine Erben in der Regel bis zu siebzig Jahre nach seinem Tod noch an ihrer Verwertung verdienen, danach wird sie gemeinfrei. (Verboten ist es freilich auch nicht, die Einnahmen an Hilfsorganisationen zu spenden, was der großzügige George Michael, wie nach seinem Tod bekanntwurde, nicht nur bei seinem bekannten Weihnachtslied getan hat.)

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Was würde also jemanden dazu bringen, die Urheberrechte eines so erfolgreichen Liedes zu verkaufen? Das entspricht etwa der Frage, ob man lieber einen großen Lottogewinn oder eine lebenslange Rente hätte. Bob Dylan, Stevie Nicks und noch manche andere Musiker, die ohnehin keine Geldsorgen mehr haben, haben sich jüngst für den Lottogewinn entschieden. Der ist so groß (bei Dylan wohl um die 400 Millionen Dollar), weil es bei ihren Verkäufen nicht um einzelne Lieder ging, sondern um ihren ganzen Katalog – das Magazin „Billboard“ nennt 2020 das „year of the catalogue sale“.

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