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Taylor Swift und die Rechten : Die Blonde gehört zu uns

Auf wen zielt Taylor Swift wirklich? Screenshot aus „Look What You’ve Made Me Do“ Bild: Youtube/TaylorSwiftVevo

Was passiert, wenn amerikanische Popstars sich nicht zu einer Partei bekennen? Das kann man bei Taylor Swift beobachten, die sich durch ihr Schweigen in eine Zwickmühle manövriert hat.

          Es ist noch nicht mal ein Album. Es ist ein einziger Song, den Taylor Swift veröffentlicht hat, und dieser Song glänzt auch noch durch Auslassungen und kryptische Andeutungen. Aber das rechte Nachrichtenportal Breitbart reagierte sofort – und twitterte eine Textzeile nach der anderen. „Look What You Made Me Do“ passt offenbar viel zu gut zum Gefühl der Alt-Right-Bewegung, in Wahrheit seien sie die Abgehängten, die zu kurz Gekommenen, die Unterdrückten. Die aus der Defensive aktiv werden, so wie der Text des Liedes es beschreibt: klüger werden, härter werden und dann zurückschlagen.

          Schon am ersten Tag ihrer Veröffentlichung brach die Single mehrere Rekorde: Neunzehn Millionen Klicks auf Youtube, acht Millionen Durchläufe auf Spotify, 200.000 Verkäufe. Taylor Swift ist seit Jahren eine der bestverdienenden amerikanischen Popsängerinnen, und nach dem Echo auf die Single zu schließen, dürfte ihr angekündigtes neues Album „Reputation“ diese Erfolgsserie fortsetzen. Das Internet ist voller Hinweise darauf, was und wen die Andeutungen meinen könnten. Meistgenannt sind Personen, die sich öffentlich mit der Sängerin bekriegt haben. In einer Szene im Video etwa liegt Taylor Swift in einer Badewanne voller Schmuck mit einer einzigen Dollarnote. Der Schmuck: eine versteckte Kritik an Kim Kardashian, der ihr Schmuck geraubt wurde? Die Dollarnote: ein Verweis auf den symbolischen Dollar, den Taylor Swift im Prozess gegen den Radiomoderator gewonnen hat, der sie begrabscht hatte? Die „tilted stage“, von der im Text die Rede ist – meint sie damit die schräge Bühne von Kanye Wests letzter Tour? Und wenn nein, wen meint sie dann?

          Einer ihrer ersten Hits hieß „Blank Space“. „I’ve got a blank space, baby / and I’ll write your name“, heißt es da. Aber genau das tat sie nie. Taylor Swift hat in ihren Liedern immer wieder die Trennungen von irgendwelchen Lebensabschnittsgefährten besungen, zumindest dem Vernehmen nach – sie bekannte sich nie öffentlich dazu, welches Lied zu wem gehört. Ihr zweiter emotionaler Steinbruch beim Songwriting scheinen ihre persönlichen Fehden zu sein: Ihr größter Erfolg „Shake It Off“ handelt ausschließlich davon, darauf zu pfeifen, dass andere Hass über einen ausschütten. Dass jemand ein so großes Repertoire an „Still standing“-Liedern aufhäuft, heißt natürlich nichts anderes, als dass er in Wahrheit dauernd umfällt. Einige dieser Lieder, auch „Look What You Made Me Do“, sollen unter anderem ihrer Erzfeindin Katy Perry gelten – jawohl, Erzfeindin, denn wer aus Fehden seine Kreativität bezieht, braucht Erzfeinde, am besten lebenslange, und diese waren sogar einmal Freundinnen. Da steckt ordentlich Musik drin. Aber auch hier: keine Namen.

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