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Taylor Swift und die Rechten : Die Blonde gehört zu uns

Je nach Lesart macht das ihre Lieder zu einem Lückentext, den Portale wie Breitbart für sich nutzen können. „Look What You Made Me Do“ eignet sich durchaus für deren politische Interpretation, so frei sie auch ist und so viel wahrscheinlicher die persönliche Abrechnung auch wirkt. Es gibt Stellen, da graust es einem beim Gedanken, das Lied wäre auf Deutsch und könnte eine Pegida-Hymne werden: „I don’t like your kingdom keys/They once belonged to me/You ask me for a place to sleep/Locked me out and threw a feast.“ // Dass Taylor Swift eine beliebte Projektionsfläche für Amerikas Rechte abgibt, ist nicht neu. Das Nazi-Blog „The Daily Stormer“ bezeichnete sie schon 2016 als „arische Göttin“. Swift ist blond und blauäugig, das qualifiziert sie zur rechten Ikone. Aber der wahre Grund für die Leidenschaft der Alt-Right für Taylor Swift ist nicht ihr Aussehen, und es sind auch nicht ihre Texte. Es ist ihr Schweigen. Obwohl sie immer wieder gefragt wurde, verriet sie nie, für wen sie ihre Stimme abgegeben hat. Deshalb vermuten manche Republikaner, sie sei Trump-Anhängerin, fürchte aber Kritik von ihren demokratischen Fans.

Die Wahrheit ist: Man kann es nicht wissen und nicht einmal herleiten, denn es gibt viele gute Gründe, seine politischen Ansichten für sich zu behalten. Vielleicht ist Taylor Swift ja glühende Marxistin und fürchtet Kritik sowohl von Demokraten als auch von Republikanern. Vielleicht ist sie unpolitisch – zur Wahl ging sie zwar und postete ein Foto von sich in der Warteschlange auf Instagram, aber sie könnte ihre Stimme auch ungültig gemacht haben. Vielleicht ist sie Wechselwählerin. 2008 trat sie beim Nominierungsparteitag der Republikaner auf; später erklärte sie ihre Sympathie für Barack und Michelle Obama.

Im Gegensatz zu Kolleginnen wie Beyoncé Knowles, Cher oder Lady Gaga hat sie sich allerdings niemals zu Hillary Clinton oder Donald Trump bekannt. Es ist Taylor Swifts Recht, sich über ihre politischen Präferenzen auszuschweigen – nur steht sie damit eben ziemlich allein da. Andererseits war es durchaus ein Statement, nicht am Konzert zu Trumps Amtseinführung teilzunehmen. Man muss davon ausgehen, dass sie angefragt wurde, denn es wurden alle geladen, die in Frage kamen. Manche sagten dezent ab, darunter Bruce Springsteen, andere wie Moby laut und öffentlich. Am Ende blieben hauptsächlich Country-Musiker übrig, etwa Toby Keith, Lee Greenwood und Larry Stewart.

Das passt, schließlich ist Country unter Amerikas Alt-Rights ein beliebtes Genre. Auch Taylor Swifts musikalische Karriere begann im Country – und sie ist nicht die erste Musikerin, die einfach so vereinnahmt wird. 2003 erging es den Dixie Chicks so, einem Country-Trio, das jung und frisch daherkam und ein phantastischer politischer Werbeträger gewesen wäre. Bis die drei sich öffentlich gegen den damaligen Präsidenten George W.Bush stellten: Sie seien „beschämt, dass der Präsident der Vereinigten Staaten aus Texas stammt“. Es hagelte Kritik, schließlich entschuldigte Frontfrau Natalie Maines sich für ihre „respektlose“ Aussage. Trotzdem boykottierten Radiostationen die Band; die Musikerinnen erhielten anonyme Morddrohungen. George W.Bush erklärte dazu, die Meinungsfreiheit gelte für die Dixie Chicks, aber auch für ihre Kritiker. Falls Taylor Swift keine Republikanerin ist, kann man ihr nicht vorwerfen, dass sie sich eine solche Behandlung ersparen will. Ihr Bekenntnis käme zu spät, um sie einigermaßen unbeschadet davon kommen zu lassen: Kein Hass brennt so lichterloh wie eine enttäuschte Liebe.

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