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Voodoo Child : Sehr originell!

  • -Aktualisiert am

Als „Voodoo Child” will Moby eigentlich zu den Wurzeln zurück Bild: Mute

Für die CD "Baby Monkey" hat sich Moby, wie in seinen Anfangstagen, Voodoo Child genannt. Er will in die ehrliche Welt der schmutzigen Untergrundklubs zurückführen, landet aber in einem verstaubten Partykeller.

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          Alte Keyboards, wie sie oft in Partykellern herumstehen, haben meistens eine Sammlung voreingestellter Rhythmen, die "Rumba", "Foxtrott" oder "Reggae 2" heißen. Durch Tastendruck kann der Benutzer die Harmonie vorgeben, um dann mit quäkenden Instrumenten namens "Harpsichord" oder "Viola" ein paar Töne über den heißen Klangbrei zu streuen.

          Das neue Album, das Moby, der eigentlich Richard Melville Hall heißt, nun unter seinem Decknamen "Voodoo Child" vorlegt, klingt ein wenig, als hätte er als Freund des readymades auf die Muster "Techno 1" bis "Techno 5" zurückgegriffen. Immerhin erklärt Moby in einer jüngeren Eintragung seines Netztagebuchs knapp, daß er Marcel Duchamp liebe und jetzt aber ins Bett müsse.

          Staubtrocken, schmucklos und verloren

          Eigentlich hielt man den Lieblingsfeind des Rappers Eminem stets eher für einen rastlosen Jean Cocteau und musikalischen Allesmacher. Schließlich zog der New Yorker zuletzt mit seinem verspielten Zuckerbäckerwerk "18", über dessen Gefälligkeit jeder gerne lästerte, dessen geniale Ohrwürmer aber trotzdem jeder liebte, sämtliche Register der Popkunst auf einmal.

          Voodoo Child: „Baby Monkey” (Cover)
          Voodoo Child: „Baby Monkey” (Cover) : Bild: Mute

          Durch "Baby Monkey" hingegen zieht sich nur die staubtrockene Tonspur einer Unterhaltungselektronik, die spätestens mit den letzten Smileys aus den Diskotheken verschwand. Schon schmucklose Songtitel wie "Electronics", "Strings" oder "Synthesisers" feiern die verlorene Einfachheit eines von keinem kniffligen Algorithmus und keiner menschlichen Stimme gestörten Tanzbodens: dumpf, dumpf, dumpf, dumpf.

          Rückkehr in den Partykeller

          Man könnte Mobys Zeitreise ins Land der flirrenden Synthetikstreicher und anschwellenden Trommelwirbel mit Sympathie begleiten, führte sie nicht über weite Strecken durch Ödland. Zur Bebilderung der hemdsärmeligsten Songs taugen bestenfalls pumpende Säulendiagramme auf der Anzeige einer Stereoanlage. Erst gegen Mitte des Albums gibt Moby die Ideologie vollkommener Schnörkellosigkeit auf und spannenderen Stücken Raum. Das Pianogeklimper und die sparsame Hammondorgel im souligen "Uuh Yeah" wirken da bereits wie Verrücktheiten aus dem Klanglabor, und mit dem schrägen Stück "Obscure" kommt die Platte fast schon im Byzantinismus an.

          Im Booklet bekennt sich der nicht nur in seinem Tagebuch vor Ideen übersprudelnde Moby zum Konzept eines weder avantgardistischen noch experimentellen Albums. Es soll in die ehrliche Welt der schmutzigen Untergrundklubs zurückführen, aus denen der Künstler als junger Discjockey hervorging. Trotzdem läßt sich auch durch mehrmaliges Hören der Verdacht nicht ausräumen, bloß in einem nostalgischen Partykeller gelandet zu sein.

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