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Zum Tod von Gerry Goffin : Vertrauter Anonymer

  • -Aktualisiert am

Gerry Goffin 1939 - 2014 Bild: AP

Für Soulgrößen wie Aretha Franklin und The Drifters schrieb Gerry Goffin Hits wie am Fließband, trat aber nie selbst auf die Bühne. Jetzt ist er im Alter von 75 Jahren gestorben.

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          Das Songwriting ist oft Mannschaftssport. Zwar weiß man, dass die berühmtesten Duos der Popgeschichte – Lennon/McCartney und Jagger/Richards – ihre Lieder meistens gar nicht gemeinsam schrieben; aber bis Ende der sechziger Jahre stammte, abgesehen von Einzelgänger-Autoren wie Bob Dylan und Paul Simon, vieles von dem bekanntesten, breit adaptierten Material von zwei, bisweilen auch mehreren Personen: Leiber/Stoller, Hayes/Porter, Holland/Dozier/Holland, Whitfield/Strong und Goffin/King.

          Edo Reents

          Redakteur im Feuilleton.

          Gerry Goffin, 1939 in Brooklyn, New York, geboren, Reservist der Navy, Chemie-Student, heiratete 1959 die damals siebzehnjährige Carole King und tat sich mit ihr, vorläufig ohne eigene Performer-Ambitionen, zu einem der einflussreichsten Songschreiber-Duos im Bereich von Pop, Soul, Rhythm & Blues und Easy Listening zusammen; er schrieb in der Regel die Texte, sie die Musik. Man residierte im New Yorker Brill Building, der Heimstätte führender Musikverlage, und lieferte, ähnlich wie die Motown-Komponisten in Detroit, Hits wie am Fließband ab, die allerdings nicht nach Fließband klangen: „Up on the Roof“ (für die Drifters), „(You Make Feel Like A) Natural Woman“ (unter anderem für Aretha Franklin), „Will You Love Me Tomorrow“ (für die Shirelles), „Take Good Care of My Baby“ (für Bobby Vee) und „The Loco-Motion“ (für Little Eva) – dies nur die Bilanz bis 1962, da waren die beiden noch nicht lange aus dem Teenager-Alter heraus.

          In dieser Aufbruchsphase der Popmusik waren die Schreib- und Ausdrucksformeln noch unverbraucht, und Goffin/King brachten ihr ganzes Talent ein, lieferten Songs, die nichts Schematisches an sich hatten, aber die Kunst, komplexe Empfindungen oder Geschichten in drei Minuten unter zu bringen, bis zur Vollendung beherrschten. Gerry Goffin, der parallel auch mit Barry Mann, Russ Titelman und Barry Goldberg und Michael Masser arbeitete, entließ seine Frau 1968 in eine höchst erfolgreiche Freiheit, machte 1973 ein Soloalbum und schrieb und schrieb. Nun ist er, eine für viele anonym bleibende und doch so vertraute Größe, in Los Angeles gestorben.

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