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Musik-Streaming : Freier Zugriff ist der neue Besitz

  • -Aktualisiert am

Nur noch etwas für Romantiker und und Retro-Filmer: Die Jukebox Bild: Reuters

Früher stellte man sich Platten wie Bücher ins Regal, dann überführten Itunes und Co. den CD-Schrank ins Virtuelle. In Streaming-Zeiten werden Lieder nun zunehmend zur kostenlosen Dauerleihgabe.

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          Eines der ersten eindrucksvollen Beispiele für das Potential des Internets bei der Vermarktung der eigenen musikalischen Marke lieferte bereits 2005 die Sheffielder Independent-Rockband Arctic Monkeys. Ohne überhaupt eine LP oder auch nur eine EP (Kurz-Album) veröffentlicht zu haben, mit ganzen vier Songs im Netz, bildete sich ein Hype um die junge Band, der sich spätestens in den Verkaufszahlen des Debütalbums niederschlagen sollte. Bis heute ist „Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not“ das am schnellsten verkaufte Debütalbum der britischen Musikgeschichte. Allein in der ersten Verkaufswoche gingen mehr als 360.000 Exemplare über den Tisch.

          Das war zu den Hochzeiten von Myspace, bevor Facebook dem Unternehmen den Rang ablief. Neue Bands legten dort ihre Profile an und luden Lieder hoch, um die anstehende Albumveröffentlichung zu bewerben. Ein Internethype konnte den Verkaufszahlen des Tonträgers also sehr zuträglich sein. Auch mit Songs auf Apples iTunes ließ sich die eigene Hörerschaft vergrößern, nebenbei flossen für jedes heruntergeladene Lied ein paar Cent in die Bandkasse.

          Die Musik war auf der ganzen Welt verfügbar. Wer sie besitzen wollte, konnte seine Mediathek mit wenigen Klicks aufstocken – inklusive Cover und Plattenschrankoptik für die Traditionalisten. Der gewünschte Song wanderte auf den iPod und verblieb im MP3-Format als Kopie auf der Festplatte des heimischen Rechners.

          Paradigmenwechsel beim Musikkonsum

          Musik tatsächlich zu besitzen, so scheint es, ist seit einigen Jahren für eine wachsende Zahl von Leuten von schwindendem Interesse. Im vergangenen Jahr nutzten laut einer Studie des Branchenverbandes Bitkom bereits mehr als sechs Millionen Deutsche Musikstreaming-Dienste wie Spotify. Wer hier Musik hört, fügt der Festplatte seines Computers keine neuen Dateien hinzu, sondern gibt das Gewünschte nur direkt über das Streaming-Portal wieder.

          Auch ohne einen kostenpflichtigen Premiumaccount kann man darüber auf eine gigantische Anzahl von Titeln zugreifen und diese beliebig oft abspielen, vorausgesetzt, es besteht eine funktionierende Internetverbindung. Bis Anfang 2014 galt bei Spotify ab einem halben Jahr kostenfreier Nutzung noch eine Beschränkung auf maximal zehn Hörstunden im Monat, mittlerweile wurde auch dieses Zeitlimit gekippt. Einziges kleines Ärgernis für den Gratisnutzer bleiben damit die zwei bis drei Werbespots, die beim Abspielen der Songs immer wieder eingestreut werden.

          Es gibt nur Verlierer

          Einen Spotify-Premiumaccount besitzen laut Angaben des Unternehmens nur circa zehn Millionen der weltweit mehr als vierzig Millionen Nutzer. 9,99 Dollar zahlen sie monatlich, um aus einer Auswahl von weltweit zwanzig Millionen Musiktiteln Playlists zu erstellen und ihre Musik werbefrei und sogar im Offline-Modus hören zu können. Bei Spotify brüstet man sich mit diesem Betrag, weil er die durchschnittlichen monatlichen Ausgaben eines legal downloadenden Musikhörers in Amerika (fünf Dollar) bei weitem überschreitet. Das Unternehmen versteht sich als Retter der Musikindustrie, der mit seinem (geringfügig) kostenpflichtigen Streaming-Angebot gegen die Pirate Bays dieser Welt antritt.

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