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Literatur-Nobelpreisträger : Die besten Dylan-Lieder der Redaktion

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Auf nie endender Tour: Bob Dylan im Juni 2009 Bild: AFP

Aus jüngster Zeit – nein, aus dem Frühwerk! Aus popgeschichtlichen Gründen oder mit einem persönlichen Erlebnis verknüpft? Einig sind sich die Redakteure, die über ihren liebsten Dylan-Song schreiben, nur in einem Punkt: Den Nobelpreis bekommt der Richtige.

          „I Shall Be Released“

          Es ist eine der verrücktesten Geschichten der Rockgeschichte: Nachdem Bob Dylan in der Saison 1965/66, der kulturellen Wasserscheide zwischen Früher und Heute, drei bahnbrechende Platten veröffentlicht hatte, war es im Folgejahr ganz ruhig um ihn. Sein Lebensstil war damals gesundheitsschädigend, auf Konzerten muss er bemitleidenswert ausgesehen haben. Dann erlitt er einen schweren Unfall auf dem Motorrad, der sein Leben hätte beenden können und ihn zur inneren Einkehr zwang.

          Abseits der Öffentlichkeit nutzte er die Zeit, kam herunter von dem atemlosen Leben zuvor, lebte mit Frau und zwei Kindern im Künstlerörtchen Woodstock – nur zwei Stunden von der Metropole New York entfernt. Er lud seine Mitmusiker ein, die später unter dem Namen The Band auch auf eigene Rechnung Großes leisteten, und spielte Lieder ein, die aus dem großen amerikanischen Songbuch oder seiner Feder kamen und eher den ruhigen Charakter der ländlichen Musik der Vereinigten Staaten hatten. Als „Basement Tapes“ wurden die Aufnahmen auch deshalb zur Legende, weil Dylan der Veröffentlichung erst ein halbes Jahrzehnt später zustimmte und in der Zwischenzeit Raubkopien kursierten.

          Unter diesen Songs war „I Shall Be Released“, das niemals auf einem offiziellen Studioalbum von Dylan erschienen ist und trotzdem zu einem Klassiker in seinem Katalog wurde. Im Video singt er es mit der Jazz-Pop-Künstlerin Norah Jones. Der Text ist wie immer bei einem, der nun endlich den Literatur-Nobelpreis erhalten hat, sprachlich ansprechend. Er verweist mit den Worten des Titels, die den Refrain beschließen, auf eine religiöse Erlösung. Da sich Dylan aber immer wieder mit Gefängnisthemen beschäftigt hat, steht die Lyrik auch in diesem weltlichen Zusammenhang. Seine Einkehr führte ihn stärker zu religiösen Themen und erinnerte ihn wieder an seine Wurzeln. Die nächsten zwei Platten „John Wesley Harding“ und „Nashville Skyline“ waren auch stilistisch eine deutliche Abkehr von den Rockplatten der Mittsechziger. Philipp Krohn

          „Blowing in the Wind“

          „How many times must the cannon balls fly?“ – ich glaube, diese Zeile war der allererste Brocken Englisch, den ich ganz von selbst verstand. Wir sangen das Lied bei den Pfadfindern, Protesten mancher Eltern zum Trotz, die sich über die Vernachlässigung deutschen Liedgutes sorgten und vielleicht auch über  mögliches Einsickern politischer Vorstellungen, die Mitte der Siebziger mit Pazifismus oft einhergingen. 

          Aber ist es überhaupt ein Antikriegslied? Geschrieben wurde es 1962, noch vor Vietnam. Und die geradezu naturgeschichtliche Perspektive („how many years can a mountain exist?“), die es der menschlichen Sehnsucht nach Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit entgegenstellt, macht es eher zu einem beschreibenden als einem propagierenden Werk. Es ist zutiefst melancholisch. Und voller tiefer sprachlicher Schönheit. Ulf von Rauchhaupt

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