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Zum Tod von Juliette Gréco : An ihr führte kein Weg vorbei

  • -Aktualisiert am

Juliette Gréco 1968 in Paris Bild: AFP

„Man darf nicht als Besiegter gehen, sondern als Sieger“, sagte sie, kurz bevor sie zum letzten Mal in Deutschland auftrat. Das ist ihr gelungen: zum Tod der Sängerin Juliette Gréco.

          4 Min.

          Juliette Gréco hat zwei Autobiographien geschrieben. In der ersten, die 1982 erschien, schrieb sie in der dritten Person von sich, wobei sie zwei Personen unterschied: Gréco und Jujube. Jujube war der Name des Kindes in Gréco, das nie zu glauben vermochte, all der Applaus könne tatsächlich der Frau gelten, zu der es wurde. Noch vor ein paar Jahren sagte Gréco über ihre legendäre Nachkriegszeit in Saint-Germain-des-Prés, wo sie Sartre traf, Merleau-Ponty und Raymond Queneau, sie verstehe nicht und könne auch nicht erklären, wieso es ausgerechnet sie getroffen habe – sie meinte das Glück, dass diese Männer ihr vertrauten und Lieder schrieben, mit denen sie zu einer der besten Chansonsängerinnen Frankreichs wurde. Da sprach Jujube, das Kind aus ihr.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Es war ihm kein leichter Start ins Leben vergönnt. Als Tochter eines korsischen Polizisten, der die Familie bald verließ, und einer Mutter, die ihre Kinder in die Obhut der Großeltern gab, wuchs Juliette Gréco in der Dordogne auf. Während des Krieges engagierte sich ihre Mutter in der Résistance, fuhr abends mit einem gefüllten Korb auf dem Fahrrad davon und kam morgens wieder. Jemand verriet sie. Die Mutter und Grécos ältere Schwester kamen ins Konzentrationslager nach Ravensbrück, das beide überlebten. Gréco selbst wurde im besetzten Paris von der Gestapo verhaftet, verprügelt und ins Gefängnis gesteckt, aber nach ein paar Tagen wieder freigelassen. Da war sie sechzehn Jahre alt und besaß nichts außer einem Metroticket, mit dem sie zu einer Lehrerin fuhr, die sie aufnahm. Ein paar Sous verdiente sie als Statistin an der Comédie Française, sie spielte in kleinen Filmen mit, las Gedichte ein und entdeckte die Kellerkneipe „Le Tabou“, in der sie zum ersten Mal als Sängerin auftrat: Anfangs hatte sie drei Chansons im Repertoire, später fünf, darunter bereits „Si tu t’imagines“ von Raymond Queneau, vertont von Joseph Kosma, der später viele weitere Gedichte für sie mit Musik untermalt hat.

          Jeder wollte mit ihr musizieren

          Im „Le Tabou“ begegnete sie auch Jean-Paul Sartre, der sie darin bestärkte, das Wort und seine Bedeutung ernst zu nehmen. Diese Ernsthaftigkeit verlieh ihrer Ausdruckskraft eine Dimension, die ihr den Ruf einer Intellektuellen einbrachte und sie den wichtigen Schritt von der Muse zur Komplizin machen ließ. Gréco mag den Erfolg, den sie als junge Frau unter den Existentialisten erfuhr, auf glückliche Umstände zurückgeführt haben. „Es war wirklich ein Wunder, denn plötzlich und nur für gewisse Zeit begannen die Erwachsenen, die Kinder anzusehen und die Jugend zu respektieren. Ihnen zu helfen“, sagte sie noch im Alter von weit über achtzig Jahren. Doch ihre unnachahmliche Akzentuierung, ihre stets abrufbare Sinnlichkeit, die untrügliche Sicherheit, mit der sie Register wechselte, vom Singen ins Sprechen ins Flüstern und zurück ins Singen kam, haben es den erwachsenen Herren (aber nicht nur ihnen) leicht gemacht. Juliette Gréco hatte kein Glück, wie sie freundlicherweise stets behauptete. An ihr führte kein Weg vorbei.

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