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Wenn nur noch der Hit zählt : Hat sich Hip-Hop zu Tode gesiegt?

  • -Aktualisiert am

King of the Charts: Rapper Capital Bra hat mehr Nummer-eins-Plazierungen als die Beatles. Bild: dpa

Im Zeichen des überwältigenden kommerziellen Erfolges finden sich im ehemaligen Underground-Genre plötzlich schrille Allianzen. Hip-Hop ist im alles verschlingenden Mainstream angekommen. Immerhin: Es gibt Hoffnung auf Besserung.

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          Rap ist überall. Vom multimillionenschweren Megastar Jay Z (49) aus Amerika bis zum deutschen Charts-Wunderkind Capital Bra (24), der mit zwölf Nummer-eins-Hits sogar den Rekord der Beatles (elf Nummer-eins-Hits) gebrochen hat. Kollege Olexesh reimt im Duett mit Schlagersternchen Vanessa Mai die Emo-Schnulze „Wir 2 immer 1“. Bis vor kurzem saßen die deutschen Hiphop-Pioniere Smudo und DJ Hausmarke von den Fantastischen Vier mit Anfang 50 beim TV-Sender Pro Sieben noch als onkelhafte Casting-Show-Juroren („Voice of Germany“). Auf den Smartphones der Schulhöfe wummert Capital Bras Modern-Talking-Coverversion „Cherry Cherry Lady“. Da wenden sich viele mit Grusel ab, aber im Zeichen des überwältigenden kommerziellen Erfolges finden sich im ehemaligen Underground-Genre, das auch in Deutschland in weiten Teilen stets viel Wert auf Authentizität und Getto-Attitüde gelegt hat, plötzlich schrille Allianzen, die noch vor ein, zwei Jahren musikalisch undenkbar schienen.

          „Man könnte sagen: So geht eben Hiphop – die Konkurrenz austricksen, das Spiel für sich arbeiten lassen. Hyperkapitalismus als Hochkultur!“, sagt Davide Bortot, Co-Autor des erfolgreichen Interview-Buches „Könnt ihr uns hören? Eine Oral History des deutschen Rap“. „Aber für eine Subkultur, die von Identifikation lebt, wird es natürlich gefährlich, wenn man alles wegnimmt, was mal zur Identifikation taugte. Das fühlt sich an wie diese eine Feiernacht, von der man schon im Rausch weiß, dass es eine zu viel war.“ Hat sich also der deutsche Hiphop im Zenit seines Erfolges im Sommer 2019 zu Tode gesiegt?

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