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Tonangeber: Fettes Brot : „Wenn der eigene Onkel zu hetzen anfängt, wird es schwierig“

Zum Rap, sagen Fettes Brot, kann man auf derselben Party einfach nur durchdrehen, sich zuprosten und im Arm halten - und dann wieder etwas spüren, was sich nach einer bevorstehenden Revolution anfühlt. Bild: Kathrin Jakob

Wie politisch muss Rap sein? Fettes Brot bringen ein neues Album heraus. Auf „Lovestory“ werden Dr. Renz, Björn Beton und König Boris deutlicher als sonst. Ein Gespräch über Humor und Haltung im Rap: Die neue FAZ.NET-Serie Tonangeber.

          Wie man hört, habt ihr vor, Google überflüssig zu machen.

          Elena Witzeck

          Redakteurin im Feuilleton.

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Dr. Renz: Das ist der Plan. Wir können zwar nicht alle Fragen gleichzeitig beantworten, aber indem wir es Schritt für Schritt tun, wird die gesamte Gesellschaft entschleunigt: Die Menschen müssen sich wieder anstellen, um bei unseren Lesungen Antworten zu bekommen. Und während sie sich anstellen, lernen sie sich kennen.

          Seit fünf Jahren beantwortet ihr in der Sendung „Was Wollen Wissen“ des Norddeutschen Rundfunks jede Frage, die eure Hörer euch stellen. Warum?

          Boris: Wir wollten einfach ins Radio.

          Björn: Auf dieses Format müssen wir uns nicht vorbereiten. Wir hören sowieso Musik und reden den ganzen Tag Blödsinn. Mit anderen Leuten macht das noch mehr Spaß.

          Dr. Renz: Irgendwann kam dann der Verlag auf die Idee, das abzuschreiben und ein Buch daraus zu machen. Wir waren eigentlich sicher, dass das nicht gut gehen kann. Es wurde dann doch erstaunlich lustig.

          Die richtigen Antworten habt ihr aber doch gar nicht.

          Boris: Dafür die besten. Eine interessante Lüge ist viel besser als eine langweilige Wahrheit.

          Das erinnert uns an jemanden.

          Boris: Aber unsere Antworten schaden niemandem. Und Trumps Antworten sind einfach nicht die besten.

          Fettes Brot Öffnen

          Wird das Frage-Antwort-Spiel nicht irgendwann anstrengend?

          Dr. Renz: Wir haben da einen ganz guten Trick: Wir machen immer mal wieder Pause.

          Björn: Auch unsere Lebern müssen sich hin und wieder regenerieren.

          Was trinkt ihr denn alles an so einem Studioabend?

          Dr. Renz: Das hat noch keiner gefragt.

          Björn: Wir treffen uns vor der Sendung zum gemeinsamen Essen, in dem Restaurant sind wir jeden Dienstag, da wird dann schon mal ein Bierchen getrunken.

          Dr. Renz: Leute, die „Bierchen” oder „Weinchen“ sagen, sind Vieltrinker!

          Boris: Auf dem Weg zum Studio kaufen wir dann noch vier halbe und einen Rotwein. Das wird meist nicht leer.

          Dr. Renz: Das lassen wir dann für die Morning-Show-Crew übrig. Die Armen müssen ja um fünf anfangen.

          Was sagen euch die Fragen, die man euch stellt, über die Gemütslage der Deutschen?

          Boris: Was viele Menschen umtreibt, ist etwa, ob das Zebra ein weißes Tier mit schwarzen Streifen oder ein schwarzes Tier mit weißen Streifen ist. Deutschland, das Land der Tierfreunde.

          Dr. Renz: Gleichzeitig merkt man dieser Frage auch die Sehnsucht nach Klarheit an. Die Menschen möchten wissen, woran sie sind.

          Björn: Ich möchte eine der beliebtesten Fragen unserer Zuhörer an die Journalistinnen richten. Würdet ihr lieber gegen eine Ente kämpfen, die so groß wie ein Löwe ist – oder gegen zehn Löwen, klein wie eine Ente?

          Wegrennen ist keine Option?

          Nein.

          Dann gegen die Riesenente. Wie wollen noch über euer neues Album „Lovestory“ sprechen. Die besten Antworten, die ihr darauf gebt, sind die politischen. „Du driftest nach rechts“ handelt von einer Beziehung, die wegen politischer Differenzen auseinandergeht.

          Björn: Das ist der Song auf der Platte, der sich am deutlichsten positioniert. Andererseits ist es auch ein Liebeslied, das von der Entfremdung erzählt – und das macht die Geschichte zu etwas Besonderem.

          Etwas, das ihr selbst kennt?

          Dr. Renz: Es ist eine Sammlung von Eindrücken, die vermuten lässt, dass dieser Riss, der sich durch die Gesellschaft zieht, größer wird. Weil inzwischen jeder jemanden kennt, dessen Ansichten ihm  langsam unerträglich werden, und darüber nachdenkt, wie er oder sie sich dazu verhalten kann.

          Im Song heißt es: „Ich fürchte, bald ist es soweit, dann muss ich gehen, tut mir leid“. Zu gehen, statt zu reden – ist das die Empfehlung?

          Björn: Da liegt der Unterschied: Als Paar kann man sich trennen, wenn die Ansichten irgendwann so weit auseinander liegen, dass keine Gemeinsamkeiten mehr übrig sind. Aber wenn der eigene Onkel zu hetzen anfängt, wird es schwierig. Ich bin ein Fan davon, Dinge anzusprechen.

          Boris: Es gibt Momente, in denen es sich noch lohnt zu reden. Manchmal ist es dafür aber zu spät: Dann sind die Menschen wegen der Ideologie in ihren Köpfen nicht mehr erreichbar.

          Björn: Ich finde trotzdem, dass man den Mund aufzumachen und zeigen muss, was man davon hält. Dann geht es nicht mehr um Überzeugungsarbeit, sondern darum, den Menschen Mut zu machen.

          Das Video zu „Du driftest nach rechts“ darf auf Youtube schon seit einer Weile nicht mehr kommentiert werden.

          Dr. Renz: Das wurde uns irgendwann zu menschenverachtend.

          Björn: Wir haben eine Menge Kommentare bekommen.

          Solche, die keinen Platz mehr zum Diskutieren ließen?

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