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Nachruf auf Leonard Cohen : Tod eines Ladies-Mannes

  • -Aktualisiert am

Leonard Cohen im September 2013 in Rotterdam Bild: dpa

Schon bei seinem Platten- und Bühnendebüt ausgerechnet im bunten Jahr 1967 verströmte er diese bis heute nicht nachlassende Magie. Zum Tod des verführerisch-monotonsten Sängers: Leonard Cohen.

          Plötzlich, mitten im Summer of Love, stand dieser schwarze Romantiker unter den Hippies. Er trug Schlips und Kragen, ein Gesicht, dem man anmerkte, dass es schon allerhand verarbeitet hatte, und machte auch sonst nicht den Eindruck, dass er es auf vorschnelle Verbrüderung mit den Blumenkindern anlegte. Nach eigener Aussage hatte er es eher auf die enttäuschten Mittdreißiger abgesehen; aber es kam anders. Gerade die jungen, noch ungefestigten Menschen folgten seinen verführerisch-eintönigen Gesängen auf dem Weg ins vorgestellte Jenseits oder, wie bei den im selben Jahr gestarteten Doors, in eine bedrohliche, beschädigte, verwirrende Welt.

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Die bis heute nicht nachlassende Magie, die Leonard Cohen bei seinem Platten- und bei seinem Bühnendebüt ausgerechnet im bunten Jahr 1967 verströmte, gehört zu den Auffälligkeiten der Popgeschichte und lässt sich mit allgemeinen Kontrastbedürfnissen nur notdürftig erklären. Käufer hatte die Plattenfirma mit der Frage gelockt: „Hatten Sie je das Gefühl, Sie müssten Schluss machen mit dem Leben?“ Das half. In Scharen folgten sie diesem seriösen Rattenfänger und bescherten ihm Auflagen, von denen der wendige Dylan nur träumen konnte, deutlich über einer halben Million.

          Bücher voller Bosheit, Witz und Wagemut

          Seine Joan Baez hieß Judy Collins, die zwei seiner Lieder zuerst aufgenommen und ihn damit zumindest im kleineren Kreis bekanntgemacht hatte: „Dress Rehearsal Rag“ und „Suzanne“. Letzteres, mit dem er sein Debütalbum eröffnete, wurde sein wohl typischster und vielleicht auch wichtigster Song, weniger Report von der Begegnung mit einer faszinierenden Schönen (das natürlich auch) als vielmehr Dokument einer lähmenden, fast beklemmenden Unentschlossenheit. Die bleierne Schwere seiner Bluesstimme, die über höhere Lagen schon gar nicht mehr zu verfügen schien, die außergewöhnlich anspruchsvollen, irritierenden Texte, die sich mit denen Dylans messen konnten, und der Spartanismus der meistens nur von einer akustischen Gitarre besorgten Begleitmusik blieben sein Markenzeichen, das er in fast fünfzig Karrierejahren kaum einmal variierte.

          Der Kanadier hatte in seiner Jugend Country gespielt - eine Prägung, die danach nur noch in homöopathischen Dosen herauszuhören war - und sich dann der Literatur zugewandt. Mit seinen ersten beiden Romanen erschrieb er sich Mitte der Sechziger Renommee und eine Unabhängigkeit, die es ihm ermöglichte, sich für längere Zeit auf der griechischen Insel Hydra niederzulassen. War „The Favourite Game“ ein der Schönheit und Liebe nachjagender Bildungsroman der Beat-Generation, so diente ihm die Dreiecksgeschichte „Beautiful Losers“ wohl hauptsächlich dazu, seine sexuellen Obsessionen auszustellen und vielleicht auch zu verarbeiten. Es waren formal avancierte Bücher voller Bosheit, Witz und Wagemut, Eigenschaften, die man dem Sänger und Songwriter nicht sofort ansah.

          Seine Art, frei zu sein

          Seine Musik eignete sich nämlich nicht gerade zur Teilnahme an Polonäsen. Meistens zogen einen die fast manipulative Monotonie, die reizvolle Schwermut fast zu Boden - Kunst von einem Depressiven für Depressive oder für solche, die damit welche wurden.

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