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The Strokes : Warum haben sie denn nie etwas gesagt?

  • -Aktualisiert am

Nicht mehr so cool, aber besser denn je: The Strokes Bild: Sony BMG

Stimmt: The Strokes sind nicht mehr die coolste Band der Welt. Kein Grund zur Enttäuschung: Mit „First Impressions of Earth“ haben die fünf New Yorker nämlich trotzdem ihr bislang bestes Album eingespielt.

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          Daß in der Popmusik Coolness darüber entscheidet, ob eine Band Erfolg hat oder nicht, ist der Grund dafür, daß von vielen Bands kein Mensch jemals etwas hört. Und weil Coolness nichts ist, was erlernbar ist, wird das wohl auch für immer so bleiben. Denn es geht dabei nicht alleine darum, wie etwas getan wird, sondern auch wann, wie lange. Und darum, dabei auch noch sehr gut auszusehen.

          Vergangene Woche haben die Strokes ein Konzert in Berlin gegeben, die Band aus New York, die vor vier Jahren so ungefähr als das Coolste galt, was es auf diesem Planeten überhaupt zu finden gibt. Sie ist nun wieder da, ganz offiziell, denn es gibt eine neue Platte, die dritte bislang, „First Impressions of Earth“ heißt sie und wird bei uns am Tag vor Silvester veröffentlicht. Die Kritiken zur Berlin-Show und den dort gespielten neuen Stücken waren fast durchweg schlecht, im Grunde genommen lief es in allen Rezensionen auf dasselbe hinaus: Sie sind nicht mehr so cool. Genauer: Die Strokes verbreiten jetzt ein Gefühl von Langeweile.

          Das gute Bier

          Kein zu vernachlässigender Einwand. Denn vom Grad der eigenen Erregung muß natürlich jede Pop-Kritik ausgehen, wovon denn sonst, egal, wieviel Theoretisches noch hinterhergeschoben wird. Nun war bei den Strokes der Schlüsselreiz ungewöhnlich groß, als die erste Platte erschien und sie mit einemmal auf der Bildfläche auftauchten, diese fünf jungen Männer, die so lässig alles richtig machten, sich richtig anzogen, die richtigen Instrumente spielten, nämlich vor allem Gitarre, die richtige Musik machten, nämlich gute, und dabei irritierend so wirkten, als wüßten sie das alles gar nicht. Als passierte es ihnen zufällig. Sie waren ein kleines Wunder, mit dem niemand gerechnet hatte, auch die Rezensenten nicht.

          Deswegen ist die Enttäuschung nun erklärlicherweise groß. Man muß sich nur an die allerersten Sekunden erinnern: das Lied „The Modern Age“ im Sommer 2001 - Trommeln wie gefriergetrocknet, eine in überwältigend ernsthafter Gleichgültigkeit an- und abgerissene Gitarre, ein Sänger, wie man lange keinen gehört hatte, wenn überhaupt jemals: Julian Casablancas, damals 22 Jahre alt, klang wie jemand, der deutlich zuviel getrunken hat und bei Sonnenaufgang gerade von der lethargischen in die aggressive Phase überwechselt, dabei in Zeitlupe Kaugummi kaut und sich ein Megaphon vor den Mund hält.

          Die schönen Jeans

          Natürlich - nichts, was die Strokes machten, war wirklich neu. Es erinnerte an die Avantgarde der späten Sechziger, den amerikanischen Punk der Siebziger - Gitarren, Schlagzeug, Baß, der Gesang verzerrt, die Aufnahmen eher scheppernd, die Auftritte leicht vertorkelt. Aber es war die richtige Haltung zur rechten Zeit. Und dann kamen diese jungen, heringsdünnen, Jeans und Ringelpullis tragenden Strokes auch noch aus New York, dem Schauplatz der Original-Ereignisse, und nicht aus Texas oder Arkansas, was natürlich längst nicht so cool gewesen wäre, denn Gerechtigkeit gibt es nicht in der Popmusik.

          Und jetzt? Ist es wirklich so, daß alles langweilig wird, wenn man es noch mal macht, daß Publikum und Künstler sich mit der Zeit zwangsläufig auseinanderleben, daß man jeden Zaubertrick beim zehnten Zugucken durchschaut? In der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts sah man deutlich, wie traditioneller Gitarrenrock wieder die Wichtigkeit zurückgewann, die er zuvor an Hip-Hop und elektronische Musik verloren hatte - und obwohl die Strokes, auf der Stelle hundertfach imitiert, als Anführer jener Rock-Revolution gelten, die den Siegeszug all der vielen jungen Gitarren-Bands mit einem „The“ im Namen erst ermöglichten - The Hives, The Vines, The White Stripes -, haben sie von ihren ersten zwei Platten zusammen nur drei Millionen Stück verkauft, was, in weltweiten Dimensionen gerechnet, nicht besonders viel ist.

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