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The Mountain Goats in Köln : Noch einen Schnaps, bitte!

  • -Aktualisiert am

Seine Songs kommen wie aus der Pistole geschossen: John Darnielle Bild: Brill, Thomas

Da muss man schon selbst zu hören: John Darnielle alias The Mountain Goats feiert im Kölner Luxor die große alte Kunstform des Popsongs.

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          John Darnielle grinst, als hätte er die richtige Menge einer glückselig machenden Substanz zu sich genommen, einen guten Witz gehört oder beides. An dem, was er singt, kann es nicht liegen: „Someone needs to clean up this mess!“, bellt er und meint damit erklärtermaßen sich selbst. Nein, es ist die Freude am Vortrag, die Darnielle den ganzen Abend über so grinsen lässt; es ist die Art, wie er seine Textungetüme in die Welt spuckt. Und vermutlich kann man auch nur grinsen, wenn man so singt. Seine Stimme schneidet wie eine Klinge durch den Raum; spitz, schrill, gellend und bohrend tönt sein Organ, dabei aber nie außer Kontrolle. Darnielle weiß offensichtlich, was er da tut, und es scheint ihm größte Freude zu bereiten. Wie mit einem Maschinengewehr hält er mit seinen Songs drauf.

          Seit zwanzig Jahren bringt er unter dem Namen „The Mountain Goats“ Alben heraus. Er entstammt, ebenso wie Bill Callahan, der weit verstreuten Früh-Neunziger-Lo-Fi-Szene. Klangen die frühen Platten der Mountain Goats noch, als wären sie auf einem billigen Radiorekorder aufgenommen worden (was damit zusammenhängen könnte, dass sie tatsächlich auf einem ebensolchen Gerät produziert wurden), erstrahlten die Songs auf späteren Werken oft in vollem Band-Sound. Die schneidende Stimme klingt aber immer noch wie 1993.

          Der Schnaps brannte sich ihm ein

          Rein optisch erinnert Darnielle mit seinem Literaturprofessor-Look ein wenig an einen jüngeren, fülligeren Bruder von Robert Forster. Aber da wütet eine selten zu bestaunende Unruhe in dem Mann. Wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, mehr Wörter in einem einzigen Stück unterzubringen als die meisten Songwriter auf einem ganzen Album, dann beschrabbelt er seine Akustikgitarre in einer Manier, dass eigentlich ununterbrochen Saiten reißen müssten. Zwischendurch gibt es in halsbrecherischem Tempo vorgetragene Stegreif-Moderationen. Das nächste Stück, erzählt er dem Publikum im Kölner Luxor, habe er hier, in dieser Stadt, zum ersten Mal live aufgeführt. Das wisse er tatsächlich noch, obwohl der Abend im Vollrausch geendet habe. Er habe nämlich „Berlin, Alexanderplatz“ zwei Mal im Original gesehen, und vor allem ein Satz habe sich ihm eingebrannt: „Ein Schnaps, bitte!“

          Das grandiose Stück „The Diaz Brothers“, erklärt er später, habe er geschrieben, weil ihm aufgefallen sei, dass in dem Film „Scarface“ mehrmals von den Diaz-Brüdern die Rede sei. Allerdings seien diese Diaz-Brüder niemals zu sehen und würden irgendwann tot aufgefunden. Das sei doch eine schöne Ausgangssituation für einen Song. Darnielle rattert und rattert und rattert. Es ist eine Freude, ihm zuzuhören. Ein Streitgespräch indes möchte man nicht unbedingt mit ihm führen müssen.

          Begleitet wird Darnielle bei seinem Luxor-Konzert lediglich von Peter Hughes am Bass. Tatsächlich wäre jedes weitere Instrument zu viel. Im Mittelpunkt steht heute hier jene große Kunstform namens „Song“: Text und Musik. Darnielle ist ein idiosynkratischer Meister dieser Disziplin, er zeigt an diesem Abend, in welch entlegene Daseinsnischen ein Lied hineinzuleuchten in der Lage ist. Am Schluss läuft Darnielle, ohne Mikrofon, singend durchs Publikum. Jemandem, der ihn mit dem Smartphone filmen will, haut er beiläufig das Gerät aus der Hand. Recht so! Was hier und heute vorgeführt wurde, lässt sich nicht abfilmen.

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