https://www.faz.net/-gqz-85hak

Regenrhythmus : Wetter in der Popmusik

  • -Aktualisiert am

Die Musik kennt kein schlechtes Wetter. Hier kommt zum Regen eher noch der Sturm dazu. Bild: Picture-Alliance

Was haben Wetter und Popmusik miteinander zu tun? Britische Universitäten liefern Ergebnisse in Maschinenprosa.

          Es gibt einen universellen und starken Einfluss des Wetters auf die Popmusik! Das ist die Haupterkenntnis einer Gemeinschaftsstudie von sechs britischen Universitäten. Während ihr Titel „Is there a Rhythm of the Rain?“ selbst wie der eines Songs klingt, liest sich die Untersuchung im Detail eher wie dröge Maschinenprosa.

          Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Lied mit einem Wetterbezug gleich mehrere enthalte, sei zum Beispiel größer als die Wahrscheinlichkeit, dass ein durch Zufall ausgewählter Song überhaupt einen Wetterbezug aufweise. Können Sie noch folgen? Dieses Phänomen bezeichnet die Studie als „Wetter-Clustering“, will sagen, wo Sonne ist, sind auch Wolken, wo Regen ist, auch Sturm. Auf sogar sechs Wettertypen in einem Lied kommen die Klassiker „Stormy“ und „Baby, it’s Cold Outside“. Wenn Sie das noch immer nicht überrascht, dann halten Sie sich jetzt fest: Wenn ein Song die Sonne erwähnt, ist er mit einer Wahrscheinlichkeit von 92 Prozent in Dur. Wenn er die Sonne nicht erwähnt, ist er allerdings auch mit einer Wahrscheinlichkeit von 86 Prozent in Dur. Was macht man nun daraus? Ziemlich humorlos reagieren die britischen Wissenschaftler auch auf andere Ambivalenzen: So wird mit einer leisen Empörung festgestellt, dass gewisse Lieder trotz meteorologischer Sprache gar nichts mit dem Wetter zu tun haben: etwa „Ice Ice Baby“, „Daddy Cool“ oder Elton Johns „Bennie and the Jets“, in dem es um eine fiktive Band, nicht aber um Winde gehe!

          Eine besondere Erwähnung findet in der Studie Bob Dylan, weil von 542 seiner Songs 163 das Wetter thematisieren, und zwar besonders Wind und Sonne. Es sei möglich, heißt es dort, dass Dylans Aufwachsen im Staate Minnesota und dessen „severe continental climate“ der Grund für seine tiefe Wertschätzung des Wetters sei. Das nun ist große Lyrik. Haben Popmusiker, die woanders aufwuchsen, etwa keine Erfahrungen mit dem Wetter gemacht? Immerhin eines scheint den Forschern sicher: Wenn ein Song einen Regenbogen erwähnt, ist er mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit in Dur. Jedenfalls, wenn er aus ihrer Stichprobe kommt. Die allerdings, so erfährt man unter dem Stichwort „Methodologie“, ist eine Datenbank mit Karaoke-Liedern. Hier legen nun wir einen Schluss nahe: Wer nur den Mainstream befragt, bekommt auch nur Mainstream-Antworten.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Die Drift nach oben Video-Seite öffnen

          Landkarte des Kunstmarkts : Die Drift nach oben

          Die Preise für Kunst sind absurd? Nein. Sie sind das realistische Abbild des globalen Reichtums. Eine Landkarte des Kunstmarkts, der in Wirklichkeit schrumpft und nur knapp dem Umsatz von Rewe entspricht.

          Topmeldungen

          Charismatisch und skrupellos : Was will Boris Johnson?

          Er ist Held der englischen Nationalisten und Favorit für den Vorsitz der Konservativen. Einen echten Plan für den Brexit hat der begabte Scharlatan noch immer nicht.

          Abgrenzung von der AfD : Das Ende eines Ausflugs

          Die Union besinnt sich endgültig wieder auf die Erkenntnis, dass sie mit einer Wendung nach rechts weniger Zustimmung zurückgewinnt, als sie in der Mitte verliert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.