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Sting in New York : Dann miet' ich mir eben ein Orchester

  • -Aktualisiert am

Kommt auch ohne Superorchestrierungen blendend über die Runden: Musiker Sting Bild: picture alliance / dpa

Das Konzert von Sting in der Metropolitan Opera zeigt seine Schwäche fürs prätentiöse Konzept. Er bewegt sich weniger als Fischer-Dieskau, verströmt aber dennoch Bühnenpräsenz. Und inszeniert eine Opulenz, die manchmal des Guten zuviel ist.

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          Das kommt also davon, wenn die Mutter, im Hauptberuf Friseuse, Klavier spielt und dem Klassikprogramm der BBC lauscht. Irgendwann muss der Sohn da einfach vor einem Sinfonieorchester stehen und zu singen anfangen. Vielleicht sogar in der Metropolitan Opera von New York. Gut, das Kind könnte auch rebellieren, zur Bassgitarre greifen, Rocker werden und eine Band namens The Police gründen. Sting hat beides getan. Erst war er Rocker, jetzt hat er seinen immer mehr zum Pop neigenden Rock mit den Mitteln der Sparte Klassik veredelt. War das nötig?

          Falsche Frage, klar. Sting weiß, dass es sich für einen Rocker, egal welcher Subspezies, nicht gehört, von Purcell oder Schumann zu schwärmen. Er tut's dennoch. Und wenn ihn Mitrocker deswegen ins Gebet nehmen, vergleicht er sie mit den Taliban. Der Geist des Rock, wie Sting es noch unerschütterlich glauben will, heißt Freiheit, und folglich nimmt er sich die Freiheit, zu singen, wie und was er will - ob Jazz oder elisabethanische Lautenmusik, ob Country oder Kurt Weill oder Selbstgemachtes.

          Für seine diesjährige Welttournee, die ihn nun für zwei Abende in ein Heiligtum der Hochkultur, die New Yorker Met, führte, hat er sich ein Sinfonieorchester gemietet. Der Mann will nicht nur Popstar sein, er will als Künstler ernst genommen werden, als Künstler mit ganz großem K. Was heutzutage, wo sich die Höhenunterschiede im Kulturbetrieb längst eingeebnet haben und kein Olymp mehr die globale Hügellandschaft überragt, ein überaus rückwärtsgewandtes Verlangen ist.

          Melancholisches, Verhaltenes, Balladeskes

          Es wird auch Stings Ruf festigen, eine Schwäche fürs prätentiöse Konzept zu haben. Schließlich kann ein vollmundiger Tourneetitel wie "Symphonicities" nur jemandem einfallen, der schon vor einem Vierteljahrhundert ein Album namens "Synchronicity" herausbrachte. Aber damit wäre nun wenig erklärt. Stings Drang zur hohen Kunst ist keine Pose.

          Vor den beiden Konzerten in der Met war er in New York im viel intimeren Rahmen zu erleben, in einer Art Performance, die daraus bestand, dass er und seine Frau, die Schauspielerin Trudie Styler, aus Briefen von Robert Schumann und Clara Wieck lasen, umrahmt von Kammermusik der Zeit. Ganz so kompromisslos wollte er im Konzert seine Vorlieben nicht durchsetzen. Den Fans mutete er aber einen Abend zu, in dem die Hits zum Mitsingen dünn gesät waren. "Roxanne" wurde gleich in der ersten Viertelstunde abgehakt, und dann gab es immer seltener Gelegenheit, einen Lieblingssong mit Applaus zu begrüßen. Aufs Programm gesetzt hatte Sting indes manche Rarität aus eigener Produktion, manch Melancholisches, Verhaltenes, getragen Balladeskes.

          Ein für die Met ungewöhnliches Volumen

          Der Sound blieb freilich immer opulent, und das war oft des durchaus Gutgemachten zu viel. Hoch anzurechnen ist Sting, dass er nicht den Kollegen Paul McCartney oder Elvis Costello folgt und so der Gefahr erliegt, klassische Großformen zu banalisieren. Ihm reicht es, wenn seine Songs ins sinfonische Breitwandformat gebracht werden, von mit allen musikeklektischen Wassern gewaschenen Arrangeuren wie Vince Mendoza und Rob Mathes, die auch schon mal ein halbes Violinkonzert als Prae- und Postludium unterbringen oder einem Solocello zwischendurch erlauben, gefühlvoll zu träumen.

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