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Stephan Remmler zum Sechzigsten : Scheint nur so, als ginge es um Ihre Unterhaltung

  • -Aktualisiert am

Lebensnachmittag auf Lanzarote: Stephan Remmler Bild: ddp

Kunst ist, ein Niveau zu unterschreiten, von dem die Leute glaubten, daß man es sowieso nicht hat: Stephan Remmler betreibt Minimalismus der tönenden Art. Dem ehemaligen „Trio“-Sänger zum Sechzigsten.

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          Im Herbst 1981 raunte man sich in den progressiven ostfriesischen Diskotheken zu, es gebe eine neue Band, die Musik mache, wie sie noch nie jemand gehört habe, und unter komischen Verrenkungen Lieder zum besten gebe, die „Ja ja ja“ oder so ähnlich hießen. Bald sagte jeder, der etwas auf sich hielt, „ab dafür“, obwohl natürlich niemand so genau wußte, was damit gemeint war.

          Edo Reents
          Redakteur im Feuilleton.

          Für die Musik galt das auch; die Kritiker bissen sich die Zähne daran aus und sprachen abwechselnd von genialem Dilettantismus, zeitgemäßem Dadaismus und der hohen Kunst des Minimalismus. Es war von allem etwas. Aber damit war die Sache noch nicht erfaßt.

          Etwas Neues und sehr Dreistes in der Popmusik

          Sie läßt sich auch nicht erfassen. „Trio“ waren die erste deutsche Band, die ihren sehr spezifischen Humor weltläufig machte. Als im Frühjahr 1982 das Lied „Da da da (Ich lieb dich nicht du liebst mich nicht)“ in die Hitparaden kam, wußte jeder, daß sich etwas Neues und sehr Dreistes in der Popmusik ereignet hatte, die zu dieser Zeit unter der Bezeichnung Neue Deutsche Welle eine beispiellose Kreativität entfaltete. Daß „Trios“ größter Hit zum Inbegriff der Bewegung erklärt wurde, war allerdings ein Mißverständnis. Die NDW gebrauchte trotz mancher Neuerungsleistung wiedererkennbare Versatzstücke; „Trio“ erhoben in vermutlich einzigartiger Reduktion das Ratlos-Achselzuckende oder bloß ein Füllwort zum Stilprinzip und vermieden dabei jede Aussage, auf die man sie hätte festlegen können. Daß dies auf die Dauer nicht tragfähig sein würde, wußten sie.

          Der Minimalismus bleibt - was die Tastengröße betrifft: Remmler mit Sohn und Synthesizer
          Der Minimalismus bleibt - was die Tastengröße betrifft: Remmler mit Sohn und Synthesizer : Bild: dpa

          Die erste Platte teilte dem Hörer mit: „Achtung! Achtung! Lassen Sie sich nicht täuschen, obwohl es zunächst so aussieht, als ginge es um Ihre Unterhaltung, geht es doch letztlich darum, daß Sie Ihre Sympathien und Ihr Geld dem TRIO geben. Ab dafür.“ Von den drei versierten Musikern hatte Sänger Stephan Remmler, der zuvor Lehrer gewesen war und sich die meisten Texte ausdachte, am besten begriffen, was man alles machen kann: „Ich unterschreite ein Niveau, von dem die Leute glauben, daß ich es sowieso nicht habe.“ Der Welterfolg, den „Trio“ erzielten, verdankte sich maßgeblich seiner in jeder Hinsicht unkonventionellen, seltsam teilnahmslosen Art, die in der Folge noch einige Soloerfolge hervorbrachte, welche zwar auch fast nur aus Unsinn bestanden, aber das lebenserleichternd-humane Erbe des Schlagers nie verleugneten. An diesem Mittwoch wird er sechzig.

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