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Sommersängerinnen : Mein Körper ist kugelsicher

  • -Aktualisiert am

Hochartifiziell und unantastbar: Lady Gaga Bild: REUTERS

Wo kommen diese Frauen her? Die Sängerinnen dieses Sommers ignorieren die geläufigen Erotikschablonen und inszenieren sich so, wie sie es wollen. Beth Ditto und Lady Gaga, Elly Jackson und Emilíana Torrini: ein Putsch, eine Befreiung.

          Jeden Sommer gibt es dieses eine Lied, das bei Frauen einen Laut provoziert, der zwischen einem Juchzer und einem Erregungsschrei liegt. Wenn sie dann die Tanzfläche stürmen, werden sie das dieses Jahr ziemlich sicher zu dem Lied „Like a Jungle Drum“ tun, der momentanen Nummer eins der Single-Charts. Emilíana Torrini singt diesen Song, der in erster Linie lautmalerisch illustriert, wie ein verliebtes Herz schlägt; und der das offenbar so gut und realistisch tut, dass „Like a Jungle Drum“ auf Schülerfesten genauso populär ist wie unter den Erwachseneren. Interessant ist vor allem das Video zu „Like a Jungle Drum“. Darin hüpft Emilíana Torrini, eine zarte Frau Anfang dreißig, in einem orangefarbenen Sack mit Ärmeln durch eine Art Bühnenurwald. Manchmal taucht ihr Gesicht aus einem Blütenkranz auf, manchmal singen die Blumen mit, immer lacht Emilíana Torrini. Ein bisschen Papagena, ein bisschen Pippi Langstrumpf ist diese Inszenierung: hübsch, gut gelaunt, mitreißend.

          Und kein bisschen erotisch. Zumindest, wenn man unter Erotik die herkömmliche Kombination aus reduzierter Kleidung, glänzenden Körperpartien und lasziven Bewegungen versteht. Nichts davon ist in diesem Video zu sehen. Umso überraschender ist der Zusammenhang, in dem Emilíana Torrinis Single erst richtig bekannt wurde: Nämlich als Begleitmusik zum sogenannten Dessous Walk im Finale von „Germany's Next Topmodel“. Nach der Sendung schossen die Download-Zahlen des Stücks in die Höhe.

          Mehr als: Begehre mich!

          Zehntausende Menschen, die zuvor eine Sendung voller aufwendig produziertem Sexyprofessionalismus gesehen haben, tanzen jetzt also zu einem Lied, dessen Urheberin sich genau dem augenscheinlich völlig entzieht. Denn Emilíana Torrini, Lady Gaga und die anderen Frauen, die in diesem Sommer die Popmusik dominieren, ignorieren die herkömmlichen Medienformeln von Schönheit und Sex. Auf einmal sehen wir an Frauen extreme Formen, Bewegungen oder Frisuren, wie sie lange nur in subkulturellen Nischen oder medialen Randnotizen Platz hatten. Die Körper dieser Popstars sind da, sie stoßen sich hinein in den Blick des Betrachters. Sie lösen Irritation, Faszination, Widerwillen aus - sie transportieren jedenfalls mehr als die Botschaft: Begehre mich!

          Papagena und Pippi Langstrumpf: Emilíana Torrini

          Spätestens seit dem unglaublichen Erfolg von Britney Spears Ende der neunziger Jahre sehen Popsängerinnen und Prominente meist auf ziemlich ähnliche Art sexy aus. Plattencover, Werbebilder und Videoclips überschwemmen das Auge mit athletischen Figuren, willig offenbarten Rundungen, kussbereiten Schnuten, Signalrequisiten sexueller Bereitschaft. Das Haar des weiblichen Popstars ist fast immer lang - siehe Mariah Carey, Madonna, Christina Aguilera, Beyoncé; und dann der enorme Skandal, den Britney Spears mit ihrer Kopfrasur vor zwei Jahren auslöste. Das Dekolleté liegt frei, die ganze Präsentation transportiert eine Erotik der verfügbaren Projektionsfläche.

          Öde und überholt

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