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Shirley Bassey zum Siebzigsten : Eiserne Lady

  • -Aktualisiert am

Ein Dutzend Mal war die Karriere der Popdiva für beendet erklärt worden, doch die Sängerin von „Goldfinger“ und „Diamonds are Forever“ kam immer wieder zurück. Zum siebzigsten Geburtstag von Shirley Bassey.

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          Nicht die Letzten, sondern die Zweiten werden irgendwann die Ersten sein - so lautet die Bergpredigt des Showbusiness. Beglaubigt haben das Stars wie Shirley MacLaine, die dem gebrochenen Bein der Hauptdarstellerin Carol Haney ihren Durchbruch als Broadwaystar in „The Pajama Game“ verdankte. Von Shirley Bassey gibt es keinen derartigen Vorfall zu berichten. Wohl aber, dass es zwar während jeder Phase ihrer nun fast fünfzigjährigen Karriere Sängerinnen gab, die das Publikum kurzfristig mehr faszinierten, dass sie aber heute sich zurücklehnen und ihren Status genießerisch mit einer Textzeile ihres vorläufig letzten Hits beschreiben könnte: „History Repeated“.

          Alles schon mal da gewesen: Als sie 1997 mit der Gruppe „Propellerhead“ dieses stampfende Abwinken aufnahm, war die Karriere der Popdiva ungefähr ein Dutzend Mal für beendet erklärt worden. So wie beispielsweise 1964, als ihrem Bond-Hit „Goldfinger“ kein vergleichbarer folgte, bis dann 1971 der zweite 007-Kracher „Diamonds are Forever“ sie wieder in die Hitparaden katapultierte.

          Unwiderstehliche Selbsthuldigung

          „Moonraker“, der dritte Agentensong, blieb 1979 liegen. Das aber trübte Shirley Basseys Selbstbewusstsein und die Treue ihres Stammpublikums nicht im Geringsten. Sie machte Erfolge anderer zu ihren eigenen: Das „Something“ der „Beatles“ wurde dank ihres dröhnenden Alt zur ultimativen Poparie, ebenso das „Grande, grande, grande“ der Italienerin Mina. Mit derselben Verve eroberte sie sich 1985 „I am What I am“. Als Leitsong des Musicals „La cage aux folles“ war es das stolze Bekenntnis eines Transvestiten zu sich selbst gewesen, bei Shirley Bassey wurde es zur unwiderstehlichen Selbsthuldigung. Und wenn sie in den Nightclubs des Waldorf Astoria oder Savoy dem Publikum ihre Version von „Big Spender“ um die Ohren haute, dann stand nicht „Sweet Charity“ auf der Bühne, die als Taxigirl verkleidete Bordsteinschwalbe, sondern „La Bassey“, die Dompteuse. Damit hielt und hält sie, die zeitlose Schwester der ebenso zeitlosen Bondgirls, nicht nur, aber insbesondere die Buben im Manne in Atem.

          Dröhnendes Pathos war ihre Stärke - und ihre Grenze

          Dröhnendes Pathos war Shirley Basseys Stärke - und ihre Grenze. Egal, ob sie Balladen sang, Soul, Jazz oder Chansons, jeder Song wurde zum Kraftakt, den man nur bewundern oder verabscheuen konnte. Dass sie, die im legendären Tiger Bay in Wales geborene Tochter einer Engländerin und eines Nigerianers, 1955 mit einem unauffälligen „Such is Life“ ihre Laufbahn begonnen und mit einem so neckischen wie stupiden „Kiss me, honey honey, kiss me“ fortgesetzt hatte, verschwand hinter dem großen Dröhnen ebenso wie ihr sehr respektables Album „Born To Sing The Blues“ aus dem Jahr 1958. Egal, ob Shirley Bassey vor dem erst ent- und dann begeisterten John F. Kennedy auftrat, der danach äußerte, er wünsche seinem Kabinett auch nur ein Zehntel ihrer Energie, oder ob sie im Kasino von Monte Carlo auftrat: die Lady holte tief Luft und schmetterte ihr sofort willenloses Publikum mit Donnerstimme zu Boden.

          Vielleicht waren es die privaten Schicksalsschläge, die sie 1987, nach zweijähriger Arbeitspause, eine zu Modulationen und Facetten fähige Stimme präsentieren ließen. Gelassenheit und sogar Ironie standen ihr von da an zur Verfügung, auch gebrochene Töne. Dank dieser Reife erregte sie im selben Jahr die Aufmerksamkeit der Schweizer Popgruppe „Yello“, die mit ihr den Hit „The Rhythm Divine“ einspielte. Als Göttin des Showbusiness hält sie seitdem - und erst recht seit ihrer Ernennung zur Dame Commander des Britischen Empire im Jahr 2000 - Hof. Dass sie heute siebzig Jahre wird, glaubt man spätestens dann nicht mehr, wenn sie, in paillettierten Roben wie eh und je, auf irgendeiner Bühne eisern kraftvoll ihr „Lady is a Tramp“ intoniert.

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