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Stanley Clarke wird siebzig : Sein Bass spricht Bände

  • -Aktualisiert am

Stanley Clarke an seinem Schlagzeug: seinem Bass Bild: ddp

Er atmet Takt und Melodie, hat Jazz und Rock mit seiner neuartigen Spielweise stark bereichert. In Motivationsvideos regt er andere zur künstlerischen Stimmfindung an: Stanley Clarke wird heute siebzig.

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          Der E-Bass als Rhythmus- und Soloinstrument in einem, zu dem man tanzen kann? Stanley Clarke hat gezeigt, wie das geht, als er mit dem Stepptänzer Gregory Hines einmal in der Late-Night-Fernsehshow des schwarzen Komikers Arsenio Hall auftrat. Hier kam ganz Unterschiedliches zusammen: Die bis weit ins neunzehnte Jahrhundert zurückreichende Tradition des Schuhsohlen-Schlagzeugers, abgestimmt mit den ebenfalls „klackernden“ Slap-Techniken des Bassisten, ergänzt um Melodien zwischen Blues und Jazz. Das zugehörige Soloalbum Clarkes hieß „If This Bass Only Could Talk“ (1988), und wer es hört, könnte glauben, dass sein Bass sowohl sprechen als auch singen kann.

          Jan Wiele
          Redakteur im Feuilleton.

          Ob Stanley Clarke das „Slapping“ auf dem Bass sogar erfunden hat, wie manche meinen, ist eine ähnlich müßige Frage wie die nach dem Erfinder des „Tappings“ auf der Gitarre – man wird immer schon Vorformen oder Ähnliches zur selben Zeit auch bei anderen Musikern finden. Ebenso hat Clarke, indem er 1970 zusammen mit Chick Corea Gründungsmitglied der Band Return to Forever wurde, die Stilrichtung des Fusion zwar nicht erfunden; aber die so bezeichnete Mischung aus Jazz, Rock und Funk in und mit dieser Formation im folgenden Jahrzehnt entscheidend geprägt – etwa mit dem Album „No Mystery“ (1975) und besonders mit einem Stück wie „Jungle Waterfall“.

          Innovator mit Sendungsbewusstsein

          Clarke, geboren 1951 in Philadelphia, hatte zunächst klassischen Bass gelernt und an der dortigen Musikakademie studiert. Nach dem Abschluss fand er in New York sogleich Anschluss und Arbeit bei einigen der prägendsten Jazzmusiker der Zeit, darunter Art Blakey, Horace Silver, Stan Getz und Pharoah Sanders.

          Neben Return to Forever begann er bald mit Soloprojekten und Kollaborationen – nämlich sowohl mit so ziemlich allen, die im Avantgarde-Jazz Rang und Namen haben, als auch mit brasilianischen Musikern wie Luiz Bonfá und Deodato, mit den Rock-Gitarristen Jeff Beck, Ronnie Wood und Keith Richards, mit dem Schlagzeuger Stewart Copeland oder dem Banjospieler Béla Fleck. Er bildete eine Art Supertrio der Bassisten mit Victor Wooten und Marcus Miller, mit denen er das gemeinsame Album „Thunder“ (2008) aufnahm. Clarke, der auch viele andere Bassisten verschiedener Musikrichtungen wie Les Claypool, Flea oder Me’Shell NdegéOcello in ihrem Spiel entscheidend beeinflusst hat, komponiert und spielt zudem immer wieder Musik für Filme, etwa für „Boyz in da Hood“ und „Passagier 57“. Nicht nur in diesen spielt er gern mit flächigen Klängen und Space-Soundeffekten des „Ambient“-Genres, die seine sonst so charakteristische Bass-Sprache etwas nuschelig wirken lassen.

          Die Botschaft: Rettet den Planeten

          Auf Youtube hat Clarke allerdings mit „Bass Nation“ eine eigene didaktische Serie begründet, die der künstlerischen Stimmfindung und Selbstermächtigung weit über das Instrument hinaus dient. Mit seiner eigenen, 1985 gegründeten Stanley Clarke Band nahm er zuletzt das Album „The Message“ (2018) auf, das nicht nur mit verschiedenen Stilen, sondern auch mit dem Thema einer Invasion Außerirdischer überrascht – die allerdings nur der Mahnung dient, die Erde zu retten.

          Wie der im vergangenen Jahr verstorbene Chick Corea es war, ist Clarke seit Jahrzehnten Anhänger von Scientology, auch daher womöglich der Zug zum Didaktischen. Mit Corea hatte er die Formation Return to Forever vor Kurzem neu zusammengebracht; in einem Video kann man die beiden im vorgerückten Alter auf der Höhe ihrer Fähigkeiten noch einmal bei „No Mystery“ spielen und anleiten sehen, rhythmisch und melodisch im Einklang bei wilden Unisono-Läufen zwischen Klavier und Kontrabass. Am heutigen Mittwoch wird Stanley Clarke siebzig.

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