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Scorpions-Sänger Klaus Meine : Wir müssten den deutschen Kritikern dankbar sein

  • Aktualisiert am

Klaus Meine durch und durch: Im März mit den Scorpions auf der Bühne in Lissabon Bild: dpa

Die Scorpions gehen wieder in Deutschland auf Tour. Ihr Sänger Klaus Meine spricht über das Älterwerden, über seine Liebe zu Rammstein, den Nutzen der Heimat und erklärt, warum er seinen Kritikern dankbar ist.

          Mit einiger Verspätung erscheint Klaus Meine zum Interview. Er darf das, als internationaler Rockstar muss er das vielleicht sogar. Vor wenigen Tagen erst haben die Scorpions ihre Welttournee beendet, von Lateinamerika bis Japan wurden sie bejubelt. Es sollte eigentlich ihr Abschied werden, so oder so ähnlich war es geplant. Doch schon zu Beginn der Konzertreise vor drei Jahren ruderte die Band zurück. Kürzlich kam ein „MTV-Unplugged“ heraus, im Sommer werden sie in Brasilien bei der Eröffnung der Fußballweltmeisterschaft auftreten. Zunächst aber bespielen die Scorpions die deutschen Konzerthallen unplugged. Meine feiert im Mai seinen 66. Geburtstag, auch privat trägt er sein Bühnenoutfit, mit Sonnenbrille, Lederjacke und dem berühmten Kangol-Barett.

          Darf ich mit einer Geschichte beginnen, die seit Jahren über die Scorpions kolportiert wird? Ich muss aber auch gleich sagen: Sie ist nicht besonders schmeichelhaft.

          Na gut, ja.

          In einer Nacht in den Achtzigern soll vor der Münchner Edel-Diskothek „P1“ eine Schar langhaariger Männer in Lederjacken, Strumpfhosen und Stiefeln aufgetaucht sein. Kein Einlass. Woraufhin einer aus der Gruppe sagte: „Wir sind aber die Scorpions!“ Die Antwort des Türstehers: „Eben!“

          Tja. Wow. Wer auch immer damals dort vor dem „P1“ aufgetaucht war und sich als Scorpion ausgegeben hat: Ich war es nicht.

          Was sagt diese Geschichte aus über das Verhältnis der Deutschen zu den Scorpions?

          Das sind natürlich schöne Geschichten, die gerne breitgetreten werden. Da stürzen sich alle genüsslich drauf und sagen, das geschieht den Spinnern recht. Liegt vielleicht auch daran, dass gewisse Leute es cool finden, die Scorpions uncool zu finden.

          Die Scorpions sind die international erfolgreichste deutsche Band aller Zeiten. Trotzdem waren sie den Deutschen immer auch etwas - wie soll ich sagen - peinlich.

          Ja, ein bisschen ist das wie mit der „Bild“-Zeitung. Jeder liest sie, nur zugeben mag es keiner.

          Haben Sie eine Erklärung dafür?

          Das sind Bewegungen und Gegenbewegungen. Ich denke, dass sich das in den letzten Jahren schon wieder sehr gewandelt hat. Möglicherweise liegt es daran, dass man unseren weltweiten Erfolg lange Zeit nicht nachvollziehen konnte in Deutschland. Da ist man sehr schnell bei Hannover und schnell auch dabei, sich über meinen englischen Akzent auszulassen.

          Die Scorpions nonstop: Seit Ende April bespielen sie auch die deutschen Konzerthallen

          Das legendäre Klaus-Meine-Englisch.

          Das ich selbst aber gar nicht so schlecht finde. Es klingt eben deutsch. Aber über diese Kritik kann ich eigentlich nur lachen.

          Haben Sie nur deshalb angefangen, Englisch zu singen, um mit der Band auch international erfolgreich zu werden?

          Wir hatten die zugegebenermaßen größenwahnsinnige Vision, eines Tages Konzerte auf der ganzen Welt zu geben, ja.

          Woher kam dieser Wahn?

          Wir wollten einfach unseren Traum verwirklichen. Wir hatten ja zunächst hier in Deutschland in kleinen Klubs gespielt und jede Woche ums Überleben gekämpft. Kohle hatten wir alle nicht. Aber wenn du dann in der „Sounds“, einem deutschen Musikmagazin damals, lesen musstest: „Die neue Scorpions-Platte ist draußen, mein Schreibtisch wackelt, da kann man die gut drunterschieben, dafür ist sie gut genug“, dann überlegst du dir was! Da haben wir gesagt: „Okay, motherfucker, dann schauen wir mal, wie es da draußen in der Welt aussieht.“ Wir sind also nach Belgien gegangen, nach Frankreich. Und plötzlich hatten wir ein unheimlich positives Feedback in ganz Europa.

          Der internationale Erfolg war also eigentlich nur Ihre Gegenreaktion auf die schlechten Kritiken in Deutschland?

          Ja, absolut. Die Tatsache, dass die Geschichte immer so aufgebaut wurde, diese Scorpions aus Hannover, kann ja wohl nichts sein - das hat uns darin bestärkt, ins Ausland zu gehen.

          Ohne die Kritik der deutschen Kritiker hätten Sie international also nie Karriere gemacht?

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