https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/pop/scorpions-saenger-klaus-meine-im-gespraech-12911774.html

Scorpions-Sänger Klaus Meine : Wir müssten den deutschen Kritikern dankbar sein

  • Aktualisiert am

Klaus Meine durch und durch: Im März mit den Scorpions auf der Bühne in Lissabon Bild: dpa

Die Scorpions gehen wieder in Deutschland auf Tour. Ihr Sänger Klaus Meine spricht über das Älterwerden, über seine Liebe zu Rammstein, den Nutzen der Heimat und erklärt, warum er seinen Kritikern dankbar ist.

          6 Min.

          Mit einiger Verspätung erscheint Klaus Meine zum Interview. Er darf das, als internationaler Rockstar muss er das vielleicht sogar. Vor wenigen Tagen erst haben die Scorpions ihre Welttournee beendet, von Lateinamerika bis Japan wurden sie bejubelt. Es sollte eigentlich ihr Abschied werden, so oder so ähnlich war es geplant. Doch schon zu Beginn der Konzertreise vor drei Jahren ruderte die Band zurück. Kürzlich kam ein „MTV-Unplugged“ heraus, im Sommer werden sie in Brasilien bei der Eröffnung der Fußballweltmeisterschaft auftreten. Zunächst aber bespielen die Scorpions die deutschen Konzerthallen unplugged. Meine feiert im Mai seinen 66. Geburtstag, auch privat trägt er sein Bühnenoutfit, mit Sonnenbrille, Lederjacke und dem berühmten Kangol-Barett.

          Darf ich mit einer Geschichte beginnen, die seit Jahren über die Scorpions kolportiert wird? Ich muss aber auch gleich sagen: Sie ist nicht besonders schmeichelhaft.

          Na gut, ja.

          In einer Nacht in den Achtzigern soll vor der Münchner Edel-Diskothek „P1“ eine Schar langhaariger Männer in Lederjacken, Strumpfhosen und Stiefeln aufgetaucht sein. Kein Einlass. Woraufhin einer aus der Gruppe sagte: „Wir sind aber die Scorpions!“ Die Antwort des Türstehers: „Eben!“

          Tja. Wow. Wer auch immer damals dort vor dem „P1“ aufgetaucht war und sich als Scorpion ausgegeben hat: Ich war es nicht.

          Was sagt diese Geschichte aus über das Verhältnis der Deutschen zu den Scorpions?

          Das sind natürlich schöne Geschichten, die gerne breitgetreten werden. Da stürzen sich alle genüsslich drauf und sagen, das geschieht den Spinnern recht. Liegt vielleicht auch daran, dass gewisse Leute es cool finden, die Scorpions uncool zu finden.

          Die Scorpions sind die international erfolgreichste deutsche Band aller Zeiten. Trotzdem waren sie den Deutschen immer auch etwas - wie soll ich sagen - peinlich.

          Ja, ein bisschen ist das wie mit der „Bild“-Zeitung. Jeder liest sie, nur zugeben mag es keiner.

          Haben Sie eine Erklärung dafür?

          Das sind Bewegungen und Gegenbewegungen. Ich denke, dass sich das in den letzten Jahren schon wieder sehr gewandelt hat. Möglicherweise liegt es daran, dass man unseren weltweiten Erfolg lange Zeit nicht nachvollziehen konnte in Deutschland. Da ist man sehr schnell bei Hannover und schnell auch dabei, sich über meinen englischen Akzent auszulassen.

          Die Scorpions nonstop: Seit Ende April bespielen sie auch die deutschen Konzerthallen
          Die Scorpions nonstop: Seit Ende April bespielen sie auch die deutschen Konzerthallen : Bild: picture alliance / rtn - radio t

          Das legendäre Klaus-Meine-Englisch.

          Das ich selbst aber gar nicht so schlecht finde. Es klingt eben deutsch. Aber über diese Kritik kann ich eigentlich nur lachen.

          Haben Sie nur deshalb angefangen, Englisch zu singen, um mit der Band auch international erfolgreich zu werden?

          Wir hatten die zugegebenermaßen größenwahnsinnige Vision, eines Tages Konzerte auf der ganzen Welt zu geben, ja.

          Woher kam dieser Wahn?

          Wir wollten einfach unseren Traum verwirklichen. Wir hatten ja zunächst hier in Deutschland in kleinen Klubs gespielt und jede Woche ums Überleben gekämpft. Kohle hatten wir alle nicht. Aber wenn du dann in der „Sounds“, einem deutschen Musikmagazin damals, lesen musstest: „Die neue Scorpions-Platte ist draußen, mein Schreibtisch wackelt, da kann man die gut drunterschieben, dafür ist sie gut genug“, dann überlegst du dir was! Da haben wir gesagt: „Okay, motherfucker, dann schauen wir mal, wie es da draußen in der Welt aussieht.“ Wir sind also nach Belgien gegangen, nach Frankreich. Und plötzlich hatten wir ein unheimlich positives Feedback in ganz Europa.

          Der internationale Erfolg war also eigentlich nur Ihre Gegenreaktion auf die schlechten Kritiken in Deutschland?

          Ja, absolut. Die Tatsache, dass die Geschichte immer so aufgebaut wurde, diese Scorpions aus Hannover, kann ja wohl nichts sein - das hat uns darin bestärkt, ins Ausland zu gehen.

          Ohne die Kritik der deutschen Kritiker hätten Sie international also nie Karriere gemacht?

          Weitere Themen

          Weg mit der alten Melancholie

          Pearl Jam in Berlin : Weg mit der alten Melancholie

          Dieses Charisma ist weder zu bestreiten noch leicht zu erklären: Während der Grunge viele Tote zu beklagen hat, feierte die Band Pearl Jam in Berlin das Leben – inklusive Achtsamkeitsbitte.

          Topmeldungen

          Der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping am 30. Juni in Hongkong

          Xi Jinping zu Besuch : Polizeistaat Hongkong

          China kann die einst liberale Stadt Hongkong nur mit Zwang integrieren. Das sagt etwas über die Strahlkraft des chinesischen Entwicklungsmodells.
          US-Präsident Joe Biden bezeichnete ein Urteil des Obersten Gerichtshofs zur Klimapolitik als „schreckliche Entscheidung“.

          Urteil des Supreme Court : Schwerer Rückschlag für Bidens Klimapolitik

          Amerikas Präsident Biden spricht von einer schrecklichen Entscheidung, nachdem der Oberste Gerichtshof die Kompetenzen der US-Umweltbehörde EPA beschnitten hat. Seine Klimapläne kann er jetzt nur viel schwerer umsetzen.
          In nur zehn Minuten beim Kunden: Das Start-up Gorillas bietet Lebensmittel per Lieferdienst

          Unprofitables Liefergeschäft : Es wird eng für Gorillas

          Lebensmittel in zehn Minuten – dieses Geschäftsmodell hat der Lieferdienst etabliert. Doch nun könnte ihm das Geld ausgehen. Hinter den Kulissen wird offenbar an einem Verkauf des Unternehmens gearbeitet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.