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Sängerin LaFee : Zwischen Abzieh-Tattoos und Cellulite-Viren

Geburtstagsparty ohne Langeweile: LaFee in Mainz Bild: ddp

Ihren Sechzehnten feierte LaFee nicht altersgemäß zu Hause ohne Eltern, sondern auf Tour. Wieviel von ihrem Image als singende Galionsfigur böser Mädchen ist echt? Ihre Interviews zumindest sind von berückender Authentizität.

          Am sechzehnten Geburtstag werfen die meisten Mädchen die Eltern aus dem Haus, setzen eine hochprozentige Bowle an und hoffen, daß der tolle Typ aus der Oberstufe auch zur Party kommt. Christina Klein hat für so etwas während ihrer Tour keine Zeit. Unter ihrem Künstlernamen LaFee stand sie am Samstag in Mainz auf der Bühne und feierte ihren Sechzehnten mit dem Publikum. Rein quantitativ wird das nicht die langweiligere Party gewesen sein, denn als neue Galionsfigur böser Mädchen hat LaFee seit ihrer im März erschienenen Debüt-Single „Virus“ haufenweise Fans gewonnen.

          Das Lied bestach vor allem durch die Hookline „Ich wünsch' dir einen Virus / ich wünsche dir die Krätze an den Hals“ und gehört zur neuen Garde des Teenager-Aggro-Rocks, dessen Erfolg die meisten Eltern weder verstehen können noch verstehen wollen. Wie bei den schmächtigen Rockern von „Tokio Hotel“ geht es auch bei LaFee hauptsächlich darum, mit verzerrten Gitarren und ebensolchen Gesichtern Aggression und Kummer auszudrücken. Keine Spur von jugendlicher Unbeschwertheit - die Teenager entdecken ihr Recht auf Depression.

          „Ich sing's ja nicht für Ältere“

          Die Feinde der übellaunigen Phalanx sind Jasager und Zicken, und so kann man auf LaFees Homepage „Prinzeßchen-Bashing“ betreiben: Mit Lippenstiften, Blackberrys, roten Pumps, Sektflaschen und anderen Insignien der Oberflächlichkeit klickt man zurechtgemachte Mädels an. Dabei entsteht ein Schlaggeräusch, das „Prinzeßchen“ fällt um, und der Spieler erhält Punkte. Im gleichnamigen Lied heißt es: „Du hast Figur, doch kein Gehirn / dir klebt ,sexy' auf der Stirn / deine Titten sind ein Traum / sie hängen kaum.“ Das Produzententeam Twofourmusic, das LaFee diese Zeilen verpaßt hat, sorgte bereits durch ähnliche Geistesblitze für die Chartplazierungen diverser Big-Brother-Teilnehmer.

          Schneewittchen und die Dunkelmänner: LaFee im Glassarg

          Die entscheidende Förderung geschah allerdings durch „Bravo“: Enthusiastisch berichtete das Magazin, selten ohne den Namenszusatz „die schöne“, gerne auch mit dem Verweis, LaFee sehe aus wie „die kleine Schwester von Shakira“. Tatsächlich gibt die Tochter einer Griechin und eines Deutschen aus Stolberg bei Aachen ein hübsches und selbstbewußtes Rollenmodell ab, dem gerne nachgeeifert wird. Zu diesem Zwecke liegt der gerade erschienenen special edition des Albums ein „original LaFee Abzieh-Tattoo“ bei, denn mit schwarzen Akzenten im Gesicht und bösem Blick läßt sich die Sängerin gerne fotografieren. Wieviel von diesem Image echt ist, läßt sich schwer überprüfen.

          Von einer berückenden Authentizität sind allerdings Interviews mit LaFee. Darauf angesprochen, daß viele Erwachsene ihre Texte zu vulgär fänden, sagte sie einmal mit erfrischend pubertätstypischer Todesverachtung: „Ich sing's ja nicht für Ältere. So für Leute ab dreißig oder so.“ Auf die Frage, von welchem Virus sie eigentlich singe, erklärte sie, sie habe niemals etwas Ernstes wie Vogelgrippe gemeint, sondern „Cellulite und so was, was man dann halt so kriegt“. Es scheint, als wolle sie allen Erwachsenen sagen: Man ist alt, wenn man weiß, was Cellulite ist.

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