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Rock’n’Roll-Pionier : Little Richard ist tot

  • Aktualisiert am

Little Richard bei einem Konzert 1970 Bild: Picture-Alliance

Mit seinen Hits „Tutti Frutti“ und „Long Tall Sally“ löste er in den Fünfzigern Begeisterungsstürme aus. Jetzt ist der Rock’n’Roll-Sänger und Pianist Little Richard gestorben.

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          Little Richard starb mit 87 Jahren, wie das Musikmagazin „Rolling Stone" am Samstag unter Berufung auf den Sohn des Musikers berichtete. Er nannte sich selbst „King of Rock", war ungemein exzentrisch bei seinen Auftritten und einer der wenigen farbigen Interpreten, die Eintritt in die erste Liga der Rock'n'Roll-Interpreten der fünfziger Jahre erhielten. Little Richard war immer ein wenig anders als seine musikalischen Zeitgenossen – und vielleicht auch immer ein wenig besser.

          Geboren wurde er als Richard Penniman am 5. Dezember 1932 (nach anderen Angaben 1935) in Macon, Georgia, einem Schwarzenghetto, als erstes von zwölf Geschwistern. Sein Vater war in der Zeit der Repression Alkoholschmuggler. Im Alter von 13 Jahren kam das Gospel singende und Klavier spielende Kind im Hause von weißen Pflegeeltern unter, dem Ehepaar Ann und Johnny Johnson, das den „Tick Tock Club" unterhielt. Dort kam Little Richard mit verschiedenen musikalischen Stilrichtungen in Berührung, was ein ernsthaftes Interesse an einer musikalischen Karriere in ihm weckte. 1951 erhielt er einen Plattenvertrag von Atlanta. Mit den finanziellen Mitteln, die ihm zur Verfügung standen, konnte er nun seine Familie unterstützen, da der Vater im selben Jahr ermordet wurde. Erste, kaum erfolgreiche Aufnahmen waren unter anderen die Rhythm & Blues-Titel „Every Hour" und „Taxi Blues".

          Obwohl er beide Hände auf den Tasten hatte, machte er eine Show draus: Little Richard mit seiner Band
          Obwohl er beide Hände auf den Tasten hatte, machte er eine Show draus: Little Richard mit seiner Band : Bild: Picture-Alliance

          Seinen Durchbruch erlangte Little Richard erst 1956 mit dem Aufstieg des Rock'n'Roll. Innerhalb weniger Monate konnte er sich an der Spitze des Genres neben Interpreten wie Elvis Presley, Jerry Lee Lewis oder Bill Haley etablieren. Sein ekstatisches „Wop-bop-a-lou-bop a-lop-bam-boom" als Intro des ersten Hits „Tutti Frutti" faszinierte die Massen und machte ihn zum ersten schwarzen Rock'n'Roll-Star. Seine Live-Auftritte waren durch verrückte Kostümierung und ausgesprochenes Temperament am Flügel gekennzeichnet. 1956 konnte er sich insgesamt viermal in den US-Singlecharts plazieren (“Tutti Frutti“ # 21, „Long Tall Sally" # 13, „Slipn' And Slidin'" # 33, „Rip It Up" # 27).

          Richard konnte seinen Erfolg auch im Folgejahr untermauern und legte sechs Hits vor, von denen vor allem das energiegeladene „Lucille" ( # 27) ein Evergreen wurde. Über 30 Millionen verkaufte Schallplatten waren das Ergebnis von mehreren Monaten Superstarstatus.

          Im Herbst 1957 zog Richard sich vorerst aus dem Rockbusiness zurück und begann ein Studium der Theologie, um als „Prediger und Bibelverkäufer seinem Glauben zu dienen. Erst 1959 entschloss er sich, wieder Titel aufzunehmen. Er beschränkte sich vorerst auf Gospels, die er bei „Gone Records" produzierte. Produzent an seiner Seite war der junge Quincy Jones. Erst 1962 ging er wieder mit kommerziellem Material auf Tournee. In den 1960er Jahren trat er meist bei Rock'n'Roll-Revivals in Erscheinung. Seinen auf lange Zeit letzten Charts-Einstieg hatte er 1964 mit „Bama Lama Bam Lou" (GB # 24).

          1990 erhielt Little Richard einen Stern auf dem „Hollywood Walk Of Fame“, 1993 wurde er mit dem „Lifetime Achievement Award" der „National Academy of Recording Arts and Sciences" ausgezeichnet. Neben seinen regelmäßigen Live-Auftritten widmete sich der Altmeister in den neunziger Jahren verstärkt dem Komponieren von Filmmusik. So arbeitete er mit den Beach Boys für den Film „The Telephone" („Happy Ending") zusammen und sang gemeinsam mit Philip Bailey den Titelsong für die Schwarzenegger/DeVito-Komödie „Twins". Weiterhin gab er große Konzerte mit den Stars seiner Generation und überzeugte auch im Alter mit sehr explosiven Bühnendarstellungen. Eine gemeinsame Europatournee mit Chuck Berry erregte unter dem Titel „The Legends Of Rock'n'Roll" im Jahre 1998 Aufsehen.

          2009 wurde der Künstler in die „Louisiana Music Hall of Fame" aufgenommen und spielte zu diesem Anlass ein Konzert in New Orleans, zu dem er von Fats Domino begleitet wurde. Doch Little Richard baute gesundheitlich zunehmend ab, und seine Hüfte machte ihm zu schaffen, so dass er sich Ende 2009 einer Operation unterziehen musste. 2010 lobte der „Rolling Stone" ihn, er sei „einer der bekanntesten und zitterfähigsten Prominenten der Welt" geblieben – wie um diesen Ruf zu stützen, hielt Richard während dieses Jahrzehnts einen strikten Tourplan aufrecht und trat trotz seiner Ischiasnerv- und Hüftschmerzen sowie Atembeschwerden auf. Doch diese hohe Taktung an Events im Musikgeschäft und bei seinen spirituellen Tätigkeiten schienen dann schließlich zu viel des Guten gewesen zu sein: Nach mehrmaliger Ankündigung seines Ausscheidens aus dem Musikgeschäft erklärte der inzwischen Achtzigjährige am 3. September 2013 in einem Interview dem „Rolling Stone" seinen endgültigen Abschied mit den Worten, dass er nun „fertig sei": „I am done, in a sense, I don't feel like doing anything right now." Er widmete sich im Alter wieder mehr der Religion und lebte in Tennessee. Im Alter von 87 Jahren ist er nun verstorben.

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