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Rihanna : Die Waffen einer Frau

  • -Aktualisiert am

Unschuldiges Lächeln: Rihanna 2007 kurz nach der Veröffentlichung ihres Albums „Good Girl Gone Bad” Bild: ddp

Rihanna ist erst 23 Jahre jung und erfolgreicher als die Beatles. Sie singt von Sex und Mord, wie ungerührt. Sie kennt keinen Widerstand. Wer ist Rihanna?

          6 Min.

          Im Grunde genommen weiß man nicht viel über das 23-jährige Mädchen Rihanna. Den wenigsten wird bewusst sein, dass sie - was Chartplatzierungen anbelangt - inzwischen fast so erfolgreich ist wie die Beatles. Britney Spears und auch Mariah Carey hat sie längst überholt. Chris Martin von Coldplay soll neulich stotternd in Las Vegas vor ihr gestanden haben, um sie für eine Kollaboration für das neue Album „Mylo Xyloto“ anzuhauen: „Glaubst du, da gibt's irgendeine Möglichkeit für uns?“

          Sie lässt sich in keine Schubladen stecken

          Eigentlich sorgte bisher für größeres Aufsehen nur die Nachricht, dass sie von ihrem Ex-Freund, dem R&B-Sänger Chris Brown, Anfang 2009 in Los Angeles vor der Grammy-Awards-Preisverleihung schlimm verprügelt wurde. Auch bekannt dürfte sein, dass Rihanna von der kleinen Karibikinsel Barbados kommt, und wer sich ihre ersten Musikclips von vor sechs Jahren angesehen hat, wird zumindest bemerkt haben, dass sie verstörenderweise gerne braun glänzende Perlonstrümpfe mit Silhouetten-Form-Effekt trägt und sich anfänglich beim Intonieren mimisch an Whitney Houstons legendärem Nasenrümpfer orientiert hat.

          Musikalisch erinnern die Tracks ihres 2005 erschienenen Debüt-Albums „Music of the Sun“ ziemlich an die Doubletten der Doubletten diverser Songs von Destiny's Child; und in ihrem kitschigen Sommer-Sonne-Strand-und-Meer-Video zu „If It's Lovin' that You Want“ tanzt sie in seidigen Pumphosen wie seinerzeit die Mädels von TLC, weswegen es verwunderlich ist, dass Rihanna es geschafft hat, sich langfristig zu etablieren. Viel eher sah es damals so aus, als würde die Sängerin nach ihrem zweiten Album „A Girl Like Me“ von 2006 trotz enormen kommerziellen Erfolgs definitiv Gefahr laufen, als stimmbegabte, dennoch auswechselbare R&B-Sängerin im Dickicht ihrer zahlreichen Mitstreiterinnen unterzugehen. Inzwischen dürfte die Sängerin den meisten Lesern von People-Magazinen zumindest wegen ihrer wechselnden Frisuren bekannt sein: lange Romantiklocken, schwarzer, akkurat geschnittener Bob, anrasierte Seiten mit blondiertem, kinnlangem Wiedehopf-Pony, knallrote Plastiklocken und kreischrotes Glatthaar. Die jüngsten Paparazzi-Bilder aus Rio de Janeiro belegen: Momentan sieht Rihanna aus wie die Tina Turner der achtziger Jahre mit braunmeliertem Staubwedel.

          Schwarze Madonna ohne Etikett

          Und auch, wenn Rihanna als junger Hüpfer, zu Beginn ihrer Karriere, bemerkt haben soll, Madonna aufgrund ihrer Wandelbarkeit zu bewundern und vorzuhaben, die schwarze Madonna werden zu wollen, wird der breiten Masse trotz ihres enormen Erfolges vollkommen unklar geblieben sein, was denn nun Rihannas Anliegen beziehungsweise ihre ideologische Botschaft an ihre junge, weltweite, immens große Fangemeinde ist. Rihanna lässt sich nämlich in keine - wie man so schön sagt - Schublade stecken. Im Gegensatz zu ihren Superstar-Kolleginnen, die sich wasserdichte und leicht zu umreißende Etiketten angepappt haben:

          Lady Gaga (das gebildete Kunstwerk aus gutem Hause mit Hang zum Dadaismus), Madonna (die ewige, sexsüchtige Rebellin, die zwanghaft Leute demütigt trotz ihrer behaupteten Spiritualität), Katy Perry (eine Art Mork vom Ork in quietschbunten Latex-Klamotten, die für gute Stimmung sorgt), Christina Aguilera (die erblondete, hyperdisziplinierte Rita Hayworth in Domina-Outfit, beim krampfhaften Versuch, das letzte Sex-Tabu zu brechen), Beyoncé (die anständige, extrem erfolgreiche, extrem reiche, extrem einflussreiche, mit Jay-Z verheiratete Soulsängerin mit Hang zum Ausdruckstanz), Britney Spears (die skandalgeschüttelte, ohne Schlüpfer, ketterauchende, Bodyguards vergewaltigende Ex-Disney-Club-Moderatorin zweier Söhne, die bereits jedes Tabu gebrochen hat und noch immer in ihren Videos das blonde, schwitzende, in Katakomben tanzende Pornosternchen mimen muss und trotzdem (!) nicht unterzukriegen ist).

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