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Richard Thompson : Die Gitarre und das Mehr

Unbekanntes Genie: der britische Musiker Richard Thompson Bild: Cooking Vinyl

Er ist das unbekannte Genie geblieben. Seine Plattenverkäufe stehen in groteskem Gegensatz zum Kritikerlob. Einen erheblichen Teil seiner CDs vertreibt er auf der eigenen Website. Acht Gründe, warum man Richard Thompson lieben muß.

          6 Min.

          Jetzt bin ich tot, singt der Mann mit dem Barett, und auf einmal verkaufen sich meine Platten glänzend. Jetzt fließen die Tantiemen, jetzt interessiert sich mein Agent wieder für mich, und selbst die Kritiker wissen, wie man meinen Namen schreibt. Alles steht also bestens, nur der Zeitpunkt ist falsch. Wenn Richard Thompson bei seinen Konzerten „Now that I am dead“ singt, die Klage des zu Lebzeiten verkannten Künstlers, mag bei aller Ironie ein Gran Bitternis mitschwingen.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Denn eigentlich lieben ihn doch alle: die Kritiker, die seine Alben regelmäßig in den höchsten Tönen preisen, die Kollegen, die begeistert seine Lieder nachspielen und sich für einen Gastauftritt bei ihm zerreißen würden, schließlich die Fans, die noch der obskursten Platte hinterherjagen, auf der Richard Thompson bei irgendeinem Lied Gitarre spielt. Trotzdem ist er das unbekannte Genie geblieben, einer, dessen Plattenverkäufe in groteskem Gegensatz zum Kritikerlob stehen, der immer wieder in seiner Karriere Phasen erlebte, in denen er ganz ohne Plattenfirma dastand, und der heute einen erheblichen Teil seiner CDs auf der eigenen Website vertreibt.

          Vielleicht ändert sich das mit der üppigen Werkschau, die das kleine britische Label Free Reed für Thompson veranstaltet hat: Fünf CDs und ein 170 Seiten starkes Begleitbuch beleuchten Thompsons Karriere von den späten sechziger Jahren bis heute in 85 Aufnahmen, allesamt Raritäten, die meisten in hervorragender Klangqualität. Wer sich ihnen aussetzt, erlebt ein großes Thompson-Treffen: Da sind der Pionier und der Traditionalist, der Brite und der Amerikaner, der Komponist und der Gitarrengott, der Sentimentale, der Partner, der Trauerkloß und der Entertainer.

          1. Der Songschreiber

          Gut vierzig reguläre Alben hat Thompson veröffentlicht, seit er Anfang der Siebziger seine Band Fairport Convention verließ. Coverversionen finden sich da so gut wie keine; dafür verfügt Thompson über einen Katalog von annähernd sechshundert Eigenkompositionen. Viele davon wurden häufig nachgespielt, manche bis zu zehnmal gecovert, von Künstlern wie Elvis Costello, REM oder June Tabor und vielen anderen. Auch Thompsons einzigen echten Hit hat ein anderer aufgenommen: Tim Finn machte das Sehnsuchtslied „Persuasion“ zur Nummer 1. In Neuseeland. Aber immerhin.

          2. Der Veteran

          Als Thompson 1967 sein erstes Konzert mit Fairport Convention spielte, war er achtzehn Jahre alt. Die Londoner Band spielte als Vorgruppe für Pink Floyd, Thompson jammte mit Jimi Hendrix und galt in der Szene bald als Kuriosum: Der dünne Junge mit den wirren Locken, hinter denen er sich gern versteckte, der vor übergroßer Schüchternheit das Publikum gar nicht ansehen mochte, der gelernte Glaskünstler (in der St. Columba's Church in Chester kann man ein farbiges Fenster sehen, das Thompson baute), der von der Arbeit mit geschundenen Fingern kam und trotzdem so auffallend geläufig Gitarre spielte, schließlich das Talent, das nach fünf rasch aufgenommenen Alben mit 21 die Band verließ.

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