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„No Place in Heaven“ von Mika : Endlich geht die Party weiter

Ähnlichkeiten mit Freddie Mercury sind rein zufällig: Mika bei einem Konzert in Marseille Bild: Picture-Alliance

Die Power von Freddie Mercury und das Diskofieber von Gloria Gaynor: Bei Mika verbanden sie sich 2007 zum Hit „Grace Kelly“. Es folgte eine musikalische Flaute. Aber jetzt ist das Pathos zurück.

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          Mikas „Grace Kelly“ war eines dieser Lieder, die Hörerwartungen sprengen. Das lag vor allem am Refrain, in dem der Gesang in einer gezackten Melodie in die Höhe kletterte – bis weit in die Kopfstimme hinein. Hinzu kam das große pathetische Drama. Das setzte gewisse Erwartungen, und die folgenden beiden Alben konnten sie nicht erfüllen: Alles, was nicht maximal auf die Spitze getrieben war, klang danach irgendwie nicht genug nach Mika.

          Auf seinem neuen Album „No Place in Heaven“ sieht das anders aus. Die Single-Auskopplung „Talk About You“ feiert eine Liebschaft so beschwingt, wie das nur irgend möglich ist: Ein überkandidelter Mann rennt durch die Straßen und drängt Fremden Gespräche über sein Glück auf. Darunter brummt ein dumpfer Bass, darüber klingeln hell ein paar Gitarren. Ein Lied, wie es die Radiosender im Sommer lieben.

          Mika: „Talk About You“

          Die Up-Tempo-Songs stehen Mika mit Abstand am besten – und zum Glück scheinen seine Produzenten das zu wissen. Auch „All She Wants“ besticht mit ausdauernder Fröhlichkeit und klingt mit seinem geklatschten Beat wie ein stark modernisierter Beatles-Song. Und selbst „Last Party“, das sich doch mit einem melancholischen Piano von den anderen Stücken abhebt, wandelt sich im Text bald zu „Let’s party“.

          Mika: „No Place in Heaven“
          Mika: „No Place in Heaven“ : Bild: Universal Music

          Das wirft freilich eine Frage auf: Ist das wirklich alles, was wir von diesem talentierten libanesisch-britischen Sänger thematisch bekommen: Liebe und Party? Jawohl. Mit leichten Variationen wie in „Porcelain“ über schwache Momente, in denen jemand Trost bedarf – übrigens ein Lied, das auch Conchita Wurst hervorragend stehen würde.

          Aber hier geht es um Popmusik, die fürs Formatradio komponiert wurde. Da muss man ja schon froh sein, wenn die Sätze einigermaßen sinnvoll aneinander gereiht sind. Dass Mika jedoch die unglaublich ausgelutschten Zeilen „I’m down on my knees / I’m begging you, please“ im Titelsong „No Place in Heaven“ über die Lippen bekommt, ohne in lautes Gelächter auszubrechen, ist schwer nachvollziehbar. Der Reim „knees / please“ ist mindestens ebenso verboten wie der unverwüstliche Weihnachtsklassiker „snow / mistletoe“.

          Mika: „Good Guys“

          Dabei scheint Mika durchaus Humor zu haben, wenn er etwa bei „Good Guys“ ebenfalls den Titel leicht verändert: „Where have all the gay guys gone?“ Eine Hommage an zumindest einen von ihnen scheint „Rio“ zu sein: Im Refrain erinnert es stark an „Faith“ von George Michael. Kein Wunder, dass es eines der stärksten Stücke des Albums ist, dessen geradezu comichafte Fröhlichkeit von den wenigen Balladen kaum gebrochen wird. Ein Sommer-Soundtrack eben.

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