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Regisseur Todd Haynes über Bob Dylan : Der Soundtrack meines Lebens

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Fand eine faszinierende Lösung für die Darstellung des Rollenwechslers Dylan: Regisseur Todd Haynes Bild: Tobis

„I'm Not There“ ist nicht ein Film über Bob Dylan, sondern sieben Filme. Mit sieben Hauptdarstellern - mal Richard Gere, mal Heath Ledger, mal Cate Blanchett. Regisseur Todd Hanyes über Biopics, Geres Gagenverzicht und die Meinung des Meisters.

          „I'm Not There“ ist nicht ein Film über Bob Dylan, sondern sieben Filme. Mit sieben Hauptdarstellern - mal Richard Gere, mal Heath Ledger, mal Cate Blanchett. Regisseur Todd Hanyes über Biopics, Gagenverzicht und die Meinung des Meisters.

          Ihr Film ist so reich und labyrinthisch, fangen wir deshalb mit einer simplen Frage an: Warum Bob Dylan, warum gleich sechs oder sieben verschiedene Dylans, je nachdem, wie man zählt?

          Dylan ist unvermeidlich, man entgeht ihm nicht. Selbst wenn ich seine Musik nicht mögen würde, hätte es mich gereizt, einen Film über sein Leben und seinen Einfluss auf uns alle zu machen. Mich interessiert, wie sich die populäre Kultur auf unser Leben auswirkt, und Dylan ist umso interessanter, weil er die populäre Kultur selbst verändert hat. Seine Präsenz im Nachkriegs-Amerika und darüber hinaus ist gewaltig. Ich war nie ein Dylan-Freak. Ich habe ihn in der High School gehört, dann fast zwanzig Jahre gar nicht. Wirklich hingehört habe ich erst später, Ende der neunziger Jahre. Das hat den Wunsch geweckt, mehr zu erfahren, mich darauf einzulassen. Für mich war 2000 ein Jahr, in dem sich vieles in meinem Leben verändert hat. Es fing damit an, dass ich durch Amerika fuhr, Richtung Westen, nach Portland, Oregon, um meinen Film „Far From Heaven“ zu schreiben. Dylan war in dieser Zeit mein Soundtrack. Ich habe dann angefangen zu lesen, Biographien, Interviews. Es war nicht wirklich eine große Entdeckung, über Dylan als multiplen Charakter nachzudenken. Die Zahl sieben schien mir irgendwie richtig, sie hat Rückkoppelungen in seinen Texten, sie reflektiert die Lebensalter eines Mannes bei Shakespeare.

          Sie alle sind Dylan: Regisseur Haynes neben dem Filmplakat

          Sie haben Bob Dylan nie getroffen. Hat das die Arbeit leichter gemacht?

          Es war mir sehr angenehm. Die Vorstellung, ihm meinen Stoff vorzustellen, um ihn zu überzeugen, ist mir fremd. Ich hätte ihn treffen können, wenn ich es unbedingt gewollt hätte, aber es war besser so, wie es gelaufen ist.

          Stattdessen haben Sie, um seine Zustimmung zu Ihrem Projekt zu bekommen, einen einseitigen Text geschrieben, der sich wie der Entwurf zu einer Dissertation liest - von Rimbaud bis zum Problem der vielen Identitäten ist alles enthalten. Hatte der Film da schon eine visuelle Gestalt für Sie angenommen?

          Ein wenig. Ich hatte die sechs oder sieben Charaktere, sie fingen an, ein Eigenleben zu gewinnen. Sie sollten alle in den Sixties wurzeln, auch der Stil des Films sollte sich daran orientieren. Das erschien mir als sinnvolle Klammer.

          Dachten Sie, Dylan ließe sich mit dieser Art Text leichter überzeugen?

          Ich hoffte tief in mir, dass das der Weg sei, ihn zu einem Ja zu bewegen. Ich dachte, wenn überhaupt etwas funktioniert, dann das.

          „I'm Not There“ ist kein Biopic im üblichen Sinn geworden. Mich erinnert er eher an das berühmte Magritte-Gemälde, das eine Pfeife zeigt und den Titel trägt: „Dies ist keine Pfeife.“

          Es könnte auch eine Variation von Gertrude Stein sein: „Dies ist keine Pfeife keine Pfeife keine Pfeife.“ (Lacht.) Aber auf einer sehr grundsätzlichen Ebene handelt der Film natürlich von Bob Dylan. Er enthält all die Dinge, die zu einem Biopic gehören, die berühmten Momente, die privaten Momente. Er kombiniert Fakten und Fiktion in der üblichen Weise, mit dem kleinen Unterschied, dass er die Trennung sichtbar macht. Die Fäden und Nähte, die in einem Biopic normalerweise unsichtbar bleiben, werden bei mir sichtbar. Vielleicht ist es ein aufrichtigeres Biopic. Aber der zentrale Unterschied scheint mir zu sein, dass Biopics alles Einzigartige ausschließen in der Art, wie sie eine Geschichte erzählen. Genau darum ging es mir: um das Einzigartige der Musik, um den Künstler. Und wenn Biopics ansonsten mehr oder minder gleich aussehen, lassen sie auch die Porträtierten mehr oder minder gleich aussehen.

          Biopics haben fast immer eine heimliche Teleologie, die Ihrem Film abgeht. Wie hat sich dieses nichtlineare Erzählen entwickelt? Wie hat sich die Logik entwickelt, nach der Sie die einzelnen Dylans zusammengefügt haben?

          Das war nicht ein Ergebnis der Arbeit im Schneideraum, es war bereits im Drehbuch angelegt. Für die Dreharbeiten musste es natürlich wieder geordnet werden. Natürlich gab es beim Schnitt Experimente. Manche konnten sich beim Anschauen keinen Reim darauf machen, dann habe ich ihnen das Drehbuch gezeigt, und sie haben gesehen: Das ist ja das Skript, bloß ohne Musik!

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