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Rapper Bad Bunny : Der Junge aus der düsteren Strandbar

  • -Aktualisiert am

Zwischen Wasserpfeife und Nagelstudio: Rapper Bad Bunny Bild: Getty

Autotune-getränkter Südstaatenrap, Reggaeton und Queerness: Der puerto-ricanische Klickzahlen-König Bad Bunny versucht es mit einem Album. Darum, sich zu etablieren, geht es längst nicht mehr.

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          Ein Debütalbum war eigentlich gar nicht mehr nötig: 7 Milliarden Mal wurden die Videos des puerto-ricanischen Sängers Bad Bunny 2018 auf Youtube angeklickt. Bei Apple Music ist er der weltweit meistgestreamte Latino-Künstler. In den vergangenen zwei Jahren veröffentlichte er 27 Singles, auf 37 war er als Gast zu hören. Der Vierundzwanzigjährige arbeitete mit dem Rapper Drake zusammen, von Latin-Routinier Marc Anthony wurde er für einen am Reißbrett konstruierten Song mit Will Smith als Vertreter der Jugend angeheuert. Er arbeitete mit Jennifer Lopez und prägte mit seinem Bariton zwischendurch einen der erfolgreichsten Songs des Jahres: Cardi Bs „I Like it“, der Peter Rodríguez’ Boogaloo-Klassiker „I like it like that“ von 1967 in ein Hip-Hop-Gewand kleidete.

          Das ist die Jahresbilanz eines Superstars. Bad Bunny, der als Benito Martínez Ocasio geboren wurde, muss sich auf seinem Debüt „X 100 PRE“ also gar nicht mehr vorstellen. Standesgemäß hat er es aus dem Nichts veröffentlicht – zum Jahresende, als der Musikmarkt eigentlich schlief. So etwas machen nur Künstler wie Beyoncé oder Kanye West, die sich der Aufmerksamkeit sicher sein können. Bad Bunny steht inzwischen an der Speerspitze einer Reihe von lateinamerikanischen Sängern und Rappern, die man noch vor einigen Jahren im Mainstream nur als Randnotiz wahrgenommen hätte: Ozuna, J Balvin oder Becky G.

          „Música urbana“

          Der immense Erfolg von Luis Fonsis und Daddy Yankees „Despacito“ 2017 war keine Eintagsfliege. Seit die Billboard Charts bei ihren Erfolgsberechnungen nach und nach stärkeres Gewicht auf Streaming legen, ist die Popularität der „Música urbana“ unübersehbar geworden. In den Vereinigten Staaten gelten inzwischen 1250 bezahlte oder 3750 werbefinanzierte Streams als äquivalent zu einem verkauften Album – das hat zur Folge, dass die Charts jetzt von Latin- und Hip-Hop-Künstlern bestimmt werden, aber auch etablierte Künstler wie Eminem es merklich schwerer haben, sich Gehör zu verschaffen. Musikalisch gehört Bad Bunny zu den interessanteren Figuren der Szene: Auf seinem Album präsentiert er einen spannungsreichen Hybriden aus autotune-getränktem Südstaatenrap, Reggaeton und anderen karibischen Rhythmen wie Cumbia, Bachata und Dembow. Aber das Album widersetzt sich Strandbar-Klischees. Der Einfluss des oft düsteren Atlanta-Trap-Sounds verleiht ihm über weite Strecken eine bemerkenswerte Schwere.

          Auch wegen der eigentümlichen Verletzlichkeit seiner sonoren Stimme wird Bad Bunny bisweilen zum Kämpfer gegen die Gender-Normativität innerhalb der karibischen Musikszene stilisiert – das ist sicher übertrieben. In seinen Texten geht es oft um männliche Lust und weibliche Hingabe, um Jagd und Besitz. Zweifellos aber stellt sich die Sache bei ihm widersprüchlicher dar als bei vielen Kollegen. Das fängt bei der Selbstbezeichnung als „Bunny“ an. Warum er von vielen Zuhörern als Sprachrohr für unbedingten Selbstausdruck bewundert wird, erahnt man, wenn man sich seine „campy“ Outfits genauer ansieht: extrakleine Sonnenbrille in Cat-Eye-Form etwa, in die Haare rasierte Muster, Creolen im Ohr, auf der Stirn ein appliziertes drittes Auge.

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