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Rappende Neo-Nazis : Vergewaltigung mit Ansage

  • -Aktualisiert am

Der diffuse Wunsch nach Radikalität

Hip-Hop ist derzeit die erfolgreichste Musik-Richtung überhaupt, die Schwarzen haben sie erfunden, die Araber und Türken sind in Deutschland damit am erfolgreichsten, und das kann man als überzeugter Arier natürlich so nicht stehen lassen. Auf seinem kürzlich erschienenen Album „2033“ rappt Makss Damage: „Vergiss die Baumwollplantagen-Musik / Mann, ich befrei’ keine Sklaven / Das hier ist weißer Rap / (. . .) Es kommt der Tag, da habt ihr alle ein brennendes Kreuz im Garten“.

Aus dem Lautsprecher direkt in den Kopf: So sollen die Texte der rechten Rap-Szene beim Hörer ankommen.
Aus dem Lautsprecher direkt in den Kopf: So sollen die Texte der rechten Rap-Szene beim Hörer ankommen. : Bild: dpa

Das Problem ist: Hört man diese Zeilen schnell gerappt und sieht sich das dazugehörige Video an, ist man erst mal eine Weile damit befasst, sich davon innerlich zu distanzieren. Weil es o.k. gerappt ist, weil der Beat o.k. ist, und man es gewohnt ist, bei einem Hip-Hop-Beat sofort mit dem Kopf zu nicken. Dass die Männer in dem Video von Makss Damage allesamt die Nazi-Marke „Ansgar Aryan“ (übrigens von Patrick Schröder betrieben, man kann dort „Danzig - unvergessene Heimat“ und „88-Crew“-Pullover beziehen) tragen, versteht man nur, wenn man es weiß, und tatsächlich sieht man als jemand, der sich nicht auskennt und vielleicht klein und wütend und zwölf Jahre alt ist, keinen Unterschied zu bestimmten anderen Musik-Videos, etwa dem gerade erschienen Video von K.I.Z., das zusammen mit dem Text absolut genial ist. Aber wie bei Makss Damage sieht man dort maskierte Männer mit Waffen im Dunkeln rummachen, und das ist gerade eben generell ziemlich angesagt.

Vielleicht, weil es einen diffusen Wunsch nach Radikalität beantwortet, der seine richtige Adresse gar nicht kennt, und wegen dem Leute in Dresden auf die Straße gehen, Mittelstandskinder auf Haftbefehl abfahren und Designer sich vom IS inspirieren lassen. Makss Damage jedenfalls wirkt wie einer, der einfach nicht weiß, wohin mit seiner Wut, dem aber eine Menge daran gelegen ist, dass diese Wut zur Kenntnis genommen wird. Die extreme Entwicklung seiner politischen Überzeugung legt nahe, dass es am Ende völlig schnuppe ist, für welche Richtung er sich entscheidet - Hauptsache radikal. Auch wenn es falsch und gefährlich ist, diesen Makss Damage zu einem Patienten oder Verrückten zu machen, so kann man nicht anders, als während der Auseinandersetzung mit ihm zu denken: männlich, narzisstisch, gekränkt, unbeantwortet plus X, und dieses „X“ ist entscheidend. Denn in der deutschen Gesellschaft entstehen, verhältnismäßig betrachtet, relativ wenige offen bekennende Nazis. Noch seltener sind sie so zynisch wie Makss Damage und werden Rapper.

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